Der goldene Fisch im Ostseefjord

Bildquellenangabe:Simone Hainz  / pixelio.de

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Der Winterblues hat mich voll erwischt. Statt die Gegend mit einer freundlichen, weißen Schneedecke zu schmücken, war der Januar in Nürnberg in den letzten Tagen nass und kalt. Zu allem Übel plage ich mich seit gut einer Woche mit einer Virusinfektion herum. Selbst bei jedem Lachen muss ich husten. Die Augen brennen, die Nase tropft. Der Gang zum Hausarzt schien unvermeidlich, sonst hätte ich womöglich meine netten Kollegen im Großraumbüro ebenfalls mit aus dem Rennen genommen.

Bildquellenangabe:Domino  / pixelio.de

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Nun hocke ich nun hier auf meiner Eckcouch in dicke Decken gehüllt, trinke fast ununterbrochen Ingwertee und grüble nach, was ich gegen meinen Depri unternehmen kann. Da, der rettende Gedanke! Der perfekte Zeitpunkt um per Laptop Urlaubspläne zu schmieden. Hatte mir mein WoW-Gildenchefchen nicht einmal von der Wikingersiedlung Haithabu erzählt? Und lag die nicht genau um die Ecke von Schloss Gottorf, von dem mir meine Arbeitskollegin schon ausführlich vorschwärmte? Also schnell Schleswig an der Schlei bei Google eingetippselt und ein gemütliches Quartier für den kommenden Juni gesucht. Ich werde recht schnell fündig und bemerke, dass ich mit der richtigen Buchung gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Lange schon hat mein Partner den Wunsch geäußert, einmal im Leben in einem richtigen Wolkenkratzer zu wohnen.

Bildquellenangabe:Domino  / pixelio.de

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Der Wikingerturm mit seinem Panoramablick über den Hafen des Ostseefjords scheint mir dafür nahezu perfekt zu sein. Fix mache ich ein 7 Tage-Domizil im 14. Stockwerk fest und freue mich später über das überraschte Lächeln in Alexanders Miene. Zugegeben, mir persönlich wäre, da ich ein kleines bisschen unter Höhenangst leide, eine Unterkunft in der Fischersiedlung Holm durchaus sympathischer gewesen. Aber ich bin ab und an gerne bereit Kompromisse einzugehen, vor allem wenn ich meinen Schatz damit glücklich machen kann.

Bildquellenangabe:Hans Peter Dehn  / pixelio.de

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Ein Bummel durch das über eintausend Jahre alte Holm steht selbstverständlich trotzdem fest im Urlaubsplan. Und wer weiß, für was es gut ist, dass wir dort nicht übernachten. Möglicherweise liefe uns sonst noch leibhaftig die schwarze Grete über den Weg, denn deren Geist soll schon seit ewigen Zeiten genau in diesem Viertel Schleswigs ihr Unwesen treiben. Allerdings scheint die Grete eher gierige, geldgeile Menschen im Fokus zu haben, wenn man einer Sage aus den alten Zeiten Glauben schenken darf.

Uwe-Jens Kahl  / pixelio.de

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Zwei erfolglosen Fischern, die Nacht für Nacht leere Netze aus der Schlei holten, begegnete die vollkommen in schwarz gekleidete Dame einstmals vor Einbruch der Morgendämmerung. Die tief betrübten Mienen der beiden Männer erregten ihr Mitleid und deshalb riet sie ihnen, sofort mit ihrem Boot auf den Fjord zurückzukehren, um ihr Glück erneut zu versuchen. Allerdings befahl sie ihnen, den edelsten Fisch ihres Fangs sofort wieder der Schlei zu übergeben, ansonsten müssten sie mit einem Unglück rechnen.

Bildquellenangabe:sabine schmidt  / pixelio.de

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Die Fischer fuhren also nochmals los, denn was hatten sie schon zu verlieren. Und wirklich waren ihre Netze beim Einholen so prall gefüllt wie noch nie und drohten fast zu zerreißen. Inmitten des silbrigen Schuppengetümmels strahlte einer der Fische überirdisch in Gold- und Smaragdtönen hervor. Als sie den Fjordbewohner näher in Augenschein nahmen, stellten sie fest, dass dieser an den Flossen noch dazu über und über mit Perlen besetzt war. Dies musste der wertvollste Fisch sein, von dem die schwarze Grete gesprochen hatte. Der intelligentere der beiden Fischer wollte das Prachtexemplar sofort über Bord werfen, doch die unzähmbare Begierde in den Augen des anderen war unübersehbar. Hastig schob er den kostbaren Fisch unter den restlichen Fang und wendete das Boot in Richtung Hafen.

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Sie sollten nicht lange unterwegs sein, da verwandelten sich nach und nach alle anderen Fische, egal ob Dorsch, Makrele oder Hering, ebenfalls in pures Gold. Ihre Fracht wurde schwerer und schwerer und musste das Boot unweigerlich zum Kentern bringen. So landete die ganze Herrlichkeit bald darauf für immer auf dem Grund der Schlei. Nur der gehorsame Fischer konnte sich mit Ach und Krach ans Ufer retten. Höchstwahrscheinlich gab er seine unglaubliche Geschichte bald darauf in einem Wirtshaus bei einem Glas Rum zum besten, und so ist sie bis heute der Nachwelt erhalten geblieben.

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Landmarkierung mit dem „roten Wisch“

Eigentlich hatte ich einen längst überfälligen Besuch bei Mutti bereits am 07.12. vergangenen Jahres geplant, aber das erhöhte Arbeitsvolumen im Dezember machte mir einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. So kam es, dass ich dem Wunsch meiner Abteilungsleiterin entsprach, und meinen Urlaub in den Januar verschob. Etwas traurig war ich schon, denn als Erzgebirglerin zieht es mich vor allem in der Adventszeit in die Haamit. Dann, wenn unzählige Lichterbögen mit warmen Glanz die Stubenfenster schmücken, ist bei uns die schönste Jahreszeit.

20150121_132613Nun aufgeschoben muss bekanntlich nicht gleich aufgehoben sein. Nicht überall wird die weihnachtliche Pracht im Neuen Jahr sofort beiseite geräumt. Als ich meine Reise in heimische Gefilde vor ein paar Tagen nun endlich nachholen konnte, fanden wir recht schnell heraus, dass einige der zahlreichen Weihnachtsausstellungen sogar noch bis Ende Februar bestaunt werden dürfen. Diesmal zog es uns jedoch nicht direkt ins Erzgebirge. Vielmehr war das vogtländische Rodewisch unser gewähltes Ausflugsziel. Schon längere Zeit hatte ich mir vorgenommen, das Museum Göltzsch auf der dortigen Schlossinsel zu besichtigen. Meine Mama erfüllte mir den Wunsch gerne, und pünktlich zu dieser Ausfahrt hüllte Frau Holle die Welt in Puderzucker. So kam tatsächlich auch noch im Januar verspätete Weihnachtsstimmung auf.

20150121_141420Inmitten der halb zugefrorenen Flussläufe von Göltzsch und Pöltzsch machte die Schlossinsel einen regelrecht verträumten Eindruck. So, als wäre die Zeit hier ein kleines bisschen stehengeblieben. Von der Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert ist leider nur noch das Fundament zu sehen. Dafür stellt das Renaissanceschlösschen aus dem 16. Jahrhundert einen sehr hübschen Blickfang dar.

20150121_141433Selbstverständlich existiert auch über Rodewisch eine interessante Sagengeschichte, welche eine plausible Erklärung dafür sucht, warum das Wappen der vogtländischen Kleinstadt ausgerechnet drei auf rotem Tuch angeordnete Kegel zieren.

Da Rodewisch anno 1411 erstmals in Urkunden Erwähnung findet, muss es wohl schon früher gewesen sein, als in Schöneck ein Graf lebte, der noch die alten nordischen Götter verehrte. Ein gewisser Graf von Planschwitz aus Plauen begehrte die Tochter dieses Schönecker Adligen zur Frau. Er wünschte jedoch unbedingt, dass seine künftige Gattin wegen ihm zum Christentum konvertierte. Der alte Schönecker war strikt dagegen, und Streitigkeiten dieser Art wurden dazumal wie man weiß sehr schnell mit dem Schwert ausgetragen. Tatsächlich gelang es dem Graf von Schöneck seinen Kontrahenten niederzustrecken. Er nahm dem Sterbenden als Trophäe dessen blutgetränkte Leibbinde ab und beschloss, Odin zum Dank, den ersten Menschen, der ihm bei der siegreichen Heimkehr entgegenkam, als Opfer darzubringen. Nur sollte dieser Mensch unglücklicherweise seine eigene, heißgeliebte Tochter sein.

20150121_132811Dass ein Ritter des alten Glaubens wortbrüchig wurde, kam einfach nicht in Frage. Egal wie schwer es den Grafen von Schöneck traf, der Tag der Opferfeierlichkeiten musste festgelegt werden. Die Grafentochter hatte jedoch verständlicherweise nicht die geringste Lust, bereits in so jungen Jahren als Walküre in Walhalla zu enden, und so flüchtete sie eines Nachts aus dem väterlichen Wohnsitz. Als einziges Andenken nahm sie die verhängnisvolle, vom Blut ihres toten Freiers tiefrot gefärbte Schärpe mit, auf das sie ihr in der Zukunft Glück statt Unglück bringen möge.

20150121_141400Ihr langer, beschwerlicher Fluchtweg zu der Verwandtschaft des Grafen von Planschwitz führte sie genau dort entlang, wo Göltzsch und Pöltzsch ineinander münden. An die Stelle, wo sich inmitten der beiden Flussarme eine saftige, grüne Wiese erstreckte. Dieser friedliche Flecken Erde gefiel dem Mädchen so ausgesprochen gut, dass es beschloss sich akkurat hier ein Anwesen erbauen zu lassen. Um den Ort später auch wirklich wieder finden zu können, band sie die blutige Schärpe an einem Haselnussstrauch fest.

20150121_132637Die Strecke von Rodewisch nach Plauen lässt sich heute in gerade einmal 30 Minuten Fahrtzeit gut bewältigen. Die Schönecker Grafentochter benötigte zu jener Zeit dafür allerdings noch einige Tage, kam aber zum Schluss wohlbehalten bei der Sippe ihres ehemaligen Bräutigams an. Sie wurde liebevoll aufgenommen und trat ohne Zögern zum Christentum über. Nach dem Tod ihres mitleidlosen Vaters setzte sie ihren Plan in die Tat um und ließ das Rittergut auf der heutigen Schlossinsel erbauen. Aus der blutigen Schärpe hatten Wind und Wetter inzwischen einen „roten Wisch“ geformt, und somit war der Name der neuen Siedlung geboren, die bald darauf rund um den Adelssitz herum aus dem Boden wuchs.

Freilich bleibt nach wie vor die Frage offen, wie die drei Kegel zusätzlich zur blutroten Schärpe ihren Weg ins Stadtwappen fanden. Wobei die Symbolik der Kegel noch dazu für ganz Deutschland einzigartig ist.

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Die höllisch guten Lebkuchen

Weihnachtszeit ist bekanntlich Naschkatzenzeit. Auch wenn ich normalerweise herzhafte Speisen bevorzuge, kann selbst ich in diesen Tagen den süssen Leckereien, die in den Schaufensterauslagen und diversen Weihnachtsmarktbuden geradezu “Kauf mich!” zu schreien scheinen, kaum widerstehen. Naschwerk enthält nachweislich Glückshormone, und auf diese kann und will ich, anfällig für Winterdepressionen wie ich nun einmal bin, momentan einfach nicht verzichten. Dass die Waage im neuen Jahr dann voraussichtlich bedrohlich ausschlägt, diese warnende Voraussicht ignoriere ich gerade eben äußerst gekonnt.

Bildquellenangabe:Rolf Handke  / pixelio.de

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Hier in Nürnberg locken vor allem die Elisenlebkuchen. Besonders die “Schwarze Elise” von unserem einheimischen “Lebkuchen Schmidt”, die ihrem Namen schon deswegen alle Ehre macht, weil sich der Schokoladenanteil bei ihr nicht nur in der Ummantelung befindet, hat es mir angetan. Ab und an gesellen sich im Advent jedoch noch Heimweh und Heisshunger auf Naschereien aus Kindertagen dazu. Also haben Mutti und Oma auf meinen Wunsch hin ins liebevoll verpackte Ost-Weihnachtspakt extra leckere Kirschbomben und Pulsnitzer Lebkuchen hinein gepackt.

Bildquellenangabe:Dieter Schütz  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Dieter Schütz / pixelio.de

Aber nicht nur in Sachsen und Bayern ist man seit Jahrhunderten im Besitz ausgezeichneter Pfefferkuchenrezepte. Unweit von Köln, konkret gesagt im rheinländischen Aachen, werden offiziell seit dem Jahr 1820 die berühmten Aachener Printen hergestellt. Die Rezeptur über die exakte Zusammenstellung unterschiedlicher, erlesener Gewürze, welche den unverkennbaren Geschmack dieses Weihnachtsgebäcks ausmacht, ist allerdings schon viel, viel älter und wäre um 1656 beinahe verlorengegangen, hätte es damals nicht einen furchtlosen Bäckerei-Azubi gegeben. Und dies hier ist seine Geschichte:

Bildquellenangabe:Heinz Ober  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Heinz Ober / pixelio.de

Im Besitz des Lehrmeisters dieses Bäckerjungen befand sich ein wertvolles Rezeptbuch, in welchem auch die Zubereitung der Aachener Printen detailliert beschrieben war. Aber ausgerechnet die Backstube dieses tüchtigen Mannes sollte am 02. Mai 1656 der Auslöser für einen katastrophalen Großbrand werden. Der Bäckereimeister ließ bei diesem Desaster sein Leben, und seine streng geheime Rezeptsammlung fiel ebenfalls dem Feuer anheim. Alle restlichen Bäcker Aachens, die den großen Stadtbrand überstanden hatten, versuchten nun auf ihre Weise, die Rezeptur der Aachener Leibspeise zu kopieren. Sie gaben wirklich ihr Bestes, jedoch es wollte ihnen einfach nicht gelingen!

Bildquellenangabe:FotoHiero  / pixelio.de

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Unserem Bäckerlehrling, der inzwischen bei einem anderen Meister sein Handwerk weiter erlernen durfte, kam schließlich der rettende Gedanke. Einem Geistesblitz gleich schoß ihm ein schon lange zurückliegendes Gespräch mit seiner Großmutter durch den Kopf. Die schlaue alte Dame hatte ihm einstmals anvertraut, dass Karl der Große zu seiner Zeit ebenfalls ein großer Verehrer der Aachener Printen gewesen sei. Um dem beliebten Herrscher gebührend zu huldigen, hätte man ihm nach seinem Tod anno 1814 sogar eine Aufzeichnung des vertraulichen Rezeptes als Grabgabe mit auf seinen letzten Weg gegeben. Dem Jungen wollte allerdings auf Teufel kaum raus nicht einfallen, wo genau sich die letzte Ruhestätte des Kaisers befand. Gerade in diesem Moment erschien der soeben erwähnte Pferdefüssige auf dem Plan. “Sag Du mir, wo ich den Schlüssel zur Stadtkasse finde, dann verrate ich Dir, wo die Gruft des Kaisers ist.”, schlug der Leibhaftige dem Bäckerlehrling vor. Der Junge hatte zwar nicht den geringsten Schimmer, wo sich der begehrte Schlüssel befand, aber was hatte er schon zu verlieren?! Also willigte er spontan in den ihm vorgeschlagenen Deal ein.

Der Reichsapfel in den Händen Karls des Grossen im Aachener Rathaus Bildquellenangabe:Maren Beßler  / pixelio.de

Der Reichsapfel in den Händen Karls des Grossen im Aachener Rathaus
Bildquellenangabe: Maren Beßler / pixelio.de

Genau zur Mitternacht zeigte der Teufel dem Bäckerlehrling den Sarg des Kaisers. Mit lautem Knarzen öffnete sich der schwere Deckel, und dem Jungen lief ein eiskalter Schauer nach dem anderen über den Rücken, als die Überreste des einstigen Herrschers über das Fränkische Reich tatsächlich das Reden begannen. “Wer bist Du und wieso wagst Du es, meine letzte Ruhe zu stören?”, fragte das kaiserliche Skelett mit klapperndem Gebiss den vermeintlichen Frevler. Dieser hatte sich erstaunlich schnell ein Herz gefasst, und so begann er Karl dem Großen ohne Zögern von dem fürchterlichen Unglück, welches seine ehemalige Residenzstadt kürzlich heimgesucht hatte, Bericht zu erstatten. Karl der Große schien Aachen und seinen Einwohnern selbst nach so vielen Jahren noch wohlgesonnen. Bedächtig kramte das Skelett in seinem Sarg herum und bekam schließlich eine, vom Zahn der Zeit schon stark mitgenommene, Schriftrolle zu fassen. Dieselbige drückte der dem Jungen in die Hand und schlief dann sofort wieder ein, so als wäre nie etwas geschehen.

Bildquellenangabe:Ilka Plassmeier  / pixelio.de

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Freudestrahlend ging der Junge schnurstracks zur Bäckerei seines Meisters, wo allsbald damit begonnen wurde, den Teig zu mischen und die Bleche zu füllen. Die Backöfen dieser Bäckerei liefen von nun an ohne Unterlass. Der Bäckermeister konnte sich vor Kunden kaum noch retten und irgendwann, als er in seinen verdienten Ruhestand ging, übergab er seinem einstigen Lehrling, der ihm mit seinem mutigem Einsatz erst zu dem riesigen Erfolg verholfen hatte, die nahmhafteste Bäckerei Aachens.

Bildquellenangabe:Ilka Plassmeier  / pixelio.de

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Wie zu erwarten war, hatte der Teufel das Abkommen jedoch über die Jahre ebenfalls nicht vergessen. Eines schönen Morgens stand er in der Backstube, um seinen Handelspartner nachdrücklich an seine immer noch ausstehende Gegenleistung zu erinnern. Um Zeit zu schinden, bot ihm der Bäcker eine der appetitlich duftenden Printen an, die er gerade erst aus dem Ofen gezogen hatte. Von da an war der Teufel nicht mehr zu stoppen. Gierig verschlang er einen Lebkuchen nach dem anderen. Noch zwei weitere volle Bleche musste der Bäcker aus den Backöfen ziehen, und diese wurden ebenfalls ratzekahl gegessen. Das Resultat dieser Lüsternheit ließ jedoch gar nicht lange auf sich warten. Die köstlichen Aachener Printen als “schieres Teufelszeug” bezeichnend, kullerte sich der Satan bald darauf mit höllischen Bauchschmerzen auf dem Boden der Backstube herum. Zischend und krachend verzog der Böse sich letzten Endes für immer in die Hölle. Drum liebe Leser, seit auf der Hut, zuviele Lebkuchen tun selbst dem Teufel nicht gut!

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Das Fest der gruseligen Kürbislaternen

Hohenschwanstein 017Erst vor kurzem hatte ich eine heiße Diskussion mit meinem besten Freund und Vater meines Patenkindes, ob das Fest Halloween guten oder bösen Ursprungs sei. Der kleine Martin freute sich über einen riesigen Kürbis, und machte sich sofort mit Begeisterung daran, eine Kürbislaterne daraus zu basteln. Unter Aufsicht seiner Patentante sowie seiner Mama schnitzte er fröhlich drauflos, und wie ich finde, kann sich das Ergebnis für einen fünfjährigen Steppke durchaus sehen lassen =)

Dass Halloween keltische Wurzeln hat, habe ich im vorigen Jahr bereits erwähnt. Jedoch ist die Existenz eines keltischen Totengottes Samhain offiziell überhaupt nicht nachweisbar. Vielmehr feierten die Kelten am 31. Oktober eine Art Erntedankfest, an welchem sie ihrem Sonnengott für das schöne Wetter in der zu Ende gehenden Jahreszeit dankten. Gleichzeitig gedachten sie dabei ihren Verstorbenen, ähnlich wie wir es heute noch am letzten Sonntag vor der Adventszeit, dem sogenannten Totensonntag, tun. Unsere keltischen Vorfahren in Mitteleuropa glaubten fest daran, dass ihre vorausgegangenen Lieben in der Halloweennacht noch einmal zurück in ihre ehemaligen Behausungen kämen. Durch am Wegesrand entfachte Funkenfeuer wollten sie ihnen behilflich sein, den Weg nach Hause schneller finden zu können.

Hohenschwanstein 148Erst viel später kam irgendjemand in den USA auf die Idee, dass sich unter den Ahnengeistern ja durchaus auch bösartige Wesen mit terroristischem Gedankengut befinden könnten. Also wurde diesen dämonischen Gespenstern der Kampf angesagt und zu deren Abschreckung beleuchtete Kürbisköpfe mit fürchterlichen Fratzen versehen. Ich bin der Ansicht, die Jack O’Lantern sehen eher witzig als abstoßend aus. Nachdem ich jedoch heute morgen im Internet gelesen habe, dass nun in diesem Jahr sogar Halloween-Kostüme im “sexy Ebola-Krankenschwester”-Look verkauft werden, greife selbst ich mir gehörig an den Kopf. Der Kommerzwahn scheint mittlerweile keinerlei Grenzen mehr zu kennen und nimmt in höchstem Maße erschreckende, makabere Züge an.

Fürth - Friedhof 024Mit Toten treibt man keine Scherze. Grabstätten dürfen nicht entweiht und die darin Bestatteten nicht verballhornt werden. Was passiert, wenn man diesen uralten, ungeschriebenen Gesetzen zuwiderhandelt, durfte einst ein Lehrer, der seinen Sohn in der Klosterschule zu Eisleben besuchte, am eigenen Leibe erfahren.

Im Inneren der Eislebener Klosterkirche gab es eine Grabplatte, welche direkt ins Mauerwerk eingelassen war. Dieses Kunstwerk trug das Bildnis einer Nonne und wies daraufhin, dass hier an jener Stelle eine Klosterfrau zur letzten Ruhe gebettet worden war. Der Lehrer nahm an, man hätte die Arme noch zu ihren Lebzeiten dort eingemauert und kniff ihr, teils aus Übermut, teils aus Mitleid, zweimal hintereinander in die steinerne Wange, obwohl ihn sein Sohn eindringlich warnte, die Tote nur ja nicht zu belästigen.

Bildquellenangabe: M.E.  / pixelio.de

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Am Abend des selbigen Tages übernachtete der Pädagoge in der Kammer seines Sohnes und war nicht wenig erschrocken, als sich Punkt Mitternacht knarrend die Tür öffnete und eine unheimlich bleiche Gestalt in Nonnentracht an das Bett herantrat. Mit eisigkalten Knochenhänden zwickte sie ihn nun gleichfalls mehrfach in seine Wangen, wandte sich dann wieder dem Ausgang zu und verschwand. Obwohl nichts Schlimmeres geschehen war, und die tote Nonne sich wohl eher für die Nichtachtung ihrer Totenruhe gebührend bei dem Lehrer revanchierte, saß diesem der Schrecken so dermaßen tief in den Gliedern, dass er sich in seinem weiteren Leben niemals wieder traute, den Frieden einer Begräbnisstätte zu stören.

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Ein Trip ins Reich des durchgeknallten Märchenkönigs

Vorab gesagt: Ich wollte nie nach Bayern! Die weiß-blaue Weißwurstzipfelzone war für mich jahrelang nur gleichbedeutend mit einer erzkonservativen Landesregierung und einer übermäßig idealisierten, ach so heilen Bergwelt, aus der Alleweil nervtötende Musikantenstadl-Töne erklangen. Mein letzter Kurzbesuch in München, der nur zustande kam, weil ich beim Kauf der Karten für Veritas Maximus nicht darauf geachtet hatte, dass der Konzerttag ausgerechnet mit dem letzten Wochenende des Oktoberfestes zusammenfiel, gab meinen Vorurteilen gegen das arrogante, zänkische Bergvolk nur noch zusätzliches Futter. Aber wer sich für deutsche Sagen und Mythen interessiert, kommt nun einmal am südlich gelegensten Bundesland nicht vorbei. Vor allem weil hier vor knapp über einem Jahrhundert noch ein Mann herrschte, der selbst zur Legende wurde.

Hohenschwanstein 003Es gibt unzählige Postkarten- und Bildmotive vom Schloss Neuschwanstein. Im Ausland soll es gar das bekannteste Gebäude sein, welches man mit einer Reise in unser Land assoziiert. Beim Anschauen des Vorspanns von Walt Disney-Filmen fällt einem augenblicklich die Ähnlichkeit mit unserem deutschen Märchenschloss ins Auge. Um meine Neugierde zu befriedigen und das achte Weltwunder endlich selbst aus der Nähe zu sehen, musste ich deshalb über meinen eigenen Schatten springen und die Alpen nicht wie sonst gewohnt nur von oben aus dem Flugzeug heraus betrachten. Also suchte ich kurzerhand eine hübsche Bleibe im 3000-Seelen-Örtchen Schwangau, und um meinen Schatz eine kleine Burzeltagsüberraschung zu bereiten, fiel die Wahl auf eine Juniorsuite mit Indoor-Whirlpool im Hotel Kleiner König im Vorort Horn.

Hohenschwanstein 001Schwangau-Horn liegt gerade einmal zwei Bushaltestellen vom Bahnhof Füssen entfernt, und bereits bei der Ankunft zog die prächtige Silhouette vom Vermächtnis des exzentrischen, vorletzten Bayernkönigs unsere Blicke auf sich. Gleich am nächsten Morgen machten wir uns auf, um im laut Wegweiser nur 2,1 Kilometer entfernten Ticketcenter Hohenschwangau die erforderlichen Eintrittsgelder für die Besichtigungstouren zu entrichten. Wenn Engel reisen, lacht bekanntlich der Himmel. Hoch überm Säuling breitete sich ein strahlendes Blau aus. Und ich, die ja eigentlich um Berge stets einen großen Bogen macht und Urlaub im Flachland und am Meer bevorzugt, musste erstaunt feststellen: Hier ist´s ja wirklich wunderschön!

Hohenschwanstein 005Durch vorhergehende Internetrecherchen bestens vorbereitet, schockte uns die Warteschlange im Ticketcenter nicht übermäßig. Was soll´s, ich bin schließlich Ossi und konnte die früheren sozialistischen Wartegemeinschaften noch nicht gänzlich aus dem Gedächtnis streichen. Es ging dann doch relativ zügig voran und bald hielten wir unsere Schwanen-Tickets in der Hand, eine Kombination der Besichtigungsgenehmigungen für die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein sowie das Museum der bayerischen Könige direkt am Alpsee. Allerdings konnten wir bereits zu diesem Zeitpunkt nachempfinden wie sich der Ami damals in Pearl Harbor gefühlt haben muss. Um uns herum wimmelte es von Japanern. Die Aussage, dass Neuschwanstein den abschließenden Höhepunkt einer jeden Deutschlandrundreise der Asiaten bildet, war hiermit eindeutig bestätigt.

Hohenschwanstein 091Sechzig Minuten verblieben uns nun, um bis zum Beginn der Führung hinauf zu unserem ersten Ziel zu gelangen. Genügend Zeit für eine kurze Nikotin- und Kaffeepause, denn der Fußweg zum Schloss Hohenschwangau ist nicht sehr beschwerlich und selbst für Ungeübte in 20 min leicht zu bewältigen. Maximilian von Bayern, der Vater unseres Märchenkönigs, entdeckte auf dem Gelände 1829 eher zufällig eine verfallene Burg. Dass er sich auf der Stelle für einen Wideraufbau dieser mittelalterlichen Wehranlage entschloss, ist sehr leicht nachvollziehbar, wenn man sich innerhalb der Schlossmauern befindet und hinunter zum idyllisch, zwischen den Bergmassiven eingebetteten Alpsee oder weiter hinten ins Land bis zum bedeutend größeren Forggensee schaut. Die das Schloss umgebenden Anlagen sind einfach bezaubernd und vermitteln bei weitem mehr das Gefühl einer Anderswelt, als ich es später innerhalb der doch eher kühl wirkenden Kalksteinmauern Neuschwansteins empfand.

Hohenschwanstein 118Die restliche Wartezeit bis zum Einlass ins Innere verging nun fast etwas zu schnell. Und nun kommt auch schon der kleine Wermutstropfen: Etwa 1,3 Millionen Touristen kommen jährlich zu den beiden Schlössern ins Allgäu. Wahrlich eine Menge Leute, die sich auf vergleichsweise kleinem Terrain zusammendrängen. Wen wundert es also noch, dass die Besichtigungstouren auf 30 min zeitlich begrenzt sind? Doch trotz dieser zeitlichen Einschränkung lohnt sich der Besuch. Schon auf der breiten Wendeltreppe hinauf zu den Gemächern von Königin Marie lief mir ein wohliger Schauer über den Rücken. Sollte ich mich vielleicht doch einmal auf eine Rückführungstherapie einlassen, um herauszufinden worauf meine Schwäche für alte Gemäuer beruht? In den gemütlichen Räumlichkeiten des kleinen Wohnschlosses stechen sofort die romantischen Wandmalereien Moritz von Schwinds hervor. Einige mögen diese bunten Kunstwerke nun sicherlich als Kitsch abtun. Ich aber fand sie einfach phantastisch und hätte sie ewig lang betrachten können. Vor allem das Schlafzimmer Maximilians mit dem von zwei Drachen gezogenen Streitwagen der Zauberin Armida hinter dem königlichen Bett hatte es mir angetan. Von der ferner von König Ludwig mit einem ausgeklügelten Beleuchtungssystem ausgestatteten Sternendecke grüßt Eule Hedwig hinab, obwohl den bayerischen Herrschern Harry Potter zu jener Zeit noch gar kein Begriff sein konnte.

Hohenschwanstein 132Jedenfalls verging die Zeit auf Hohenschwangau viel zu schnell, und da die Führung durch Neuschwanstein sich nur zwei Stunden später unmittelbar anschloss, war leider höchste Eile geboten, denn bei nicht rechtzeitigem Erscheinen verlieren die Eintrittskarten ihre Gültigkeit. Also ließ ich das Domizil meiner Träume schweren Herzens hinter mir, und wir uns gemütlich von der Kutsche eines Allgäuer Natur- und Pferdeburschen zurück zum Ticketcenter befördern. Dort angekommen einfach auf das nächste berittene Gefährt Richtung Neuschwanstein umzusteigen war ein schier aussichtsloses Unterfangen. Richtig! Die Offensive der Japaner erwies sich auch hier als äußerst erfolgreich! Also fix zum Bus gehastet. Umfallen darinnen absolut unmöglich, und auf der engen, kurvenreichen, steil nach unten abfallenden Bergstraße, die nun vor uns lag, bloß nicht nach unten geguckt!

Hohenschwanstein 127Drei Stossgebete weiter wurden wir etwas oberhalb von Schloss Neuschwanstein abgesetzt und ließen den tollen Panoramablick ins Tal erst einmal in Ruhe auf uns wirken. Für ausreichende, unterhaltsame Erheiterung sorgten bald darauf auf dem Weg zu König Ludwigs Prachtbau unsere asiatischen Freunde, die sich sogar simple Blechsschilder mit der Einprägung “Neuschwanstein” keinesfalls als Fotomotiv entgehen ließen. Dass hier erheblich größerer Andrang wie auf Hohenschwangau herrscht, stellte sich alsbald heraus, so wie wir den Burghof betraten. Was hier in den Sommerferien und in der Hauptsaison für ein Andrang sein mag, mochte ich mir an dieser Stelle gar nicht vorstellen. Im Fünf Minuten-Rhythmus werden die Besichtigungsgruppen mittels elektronisch gesteuerter Anzeigetafel aufgerufen und dürfen das Drehkreuz passieren. Die Eindrücke, die im Inneren des Schlosses auf einen einwirken, sind beachtlich, mir persönlich jedoch viel zu pompös und überladen. Spätestens beim Durchschreiten der künstlich angelegten Tannhäuser-Tropfsteinhöhle, geht einem auf, dass bei Ludwig II. Genie und Wahnsinn ebenfalls ganz eng beieinander gelegen haben müssen. Die Bilanz, die ich für mich zog: Aus der Ferne betrachtet sieht Neuschwanstein doch am reizvollsten und um ein Vielfaches märchenhafter aus wie wenn man sich inmitten von Menschenmassen durch seine Mauern begibt.

Ludwig IIUnd doch hat mich der Besuch der beiden Schlösser mit Neugier erfüllt. Wer war dieser bayerische König, dessen Leben im Starnberger See so ein jähes, frühzeitiges Ende fand? Viele Mythen ranken sich um sein Leben. Böse Zungen behaupten, nicht Maximilian von Bayern sondern sein italienischer Kammerdiener habe das Königskind gezeugt. Homosexuell soll Ludwig II. gewesen sein, was eine Erklärung dafür sein könnte, wieso er die Verlobung zu Sissis bildschöner, kleiner Schwester löste. Man stelle sich das vor: Schwul! Zu jener Zeit und das auch noch im tiefkatholischen Bayern! Nun, ich jedenfalls will jetzt mehr über das Leben eines Mannes wissen, der seiner Zeit in vielem weit voraus war. Für die Nachfahren seiner ehemaligen Untertan hat sich sein Schwur “Was immer in meinen Kräften steht, will ich tun, um mein Volk zu beglücken…” wie es scheint erfüllt, denn wir beobachteten auf unserer Kurzreise, dass die ganze Region von dem, von ihm hinterlassenen Erbe profitiert. Wobei ich eine gehörige Lanze für die von mir anfangs vorschnell als “zänkisches Bergvolk” bezeichneten Einheimischen brechen muss. Die Allgäuer zeichnen sich durch zuvorkommende Freundlichkeit gegenüber den geldbringenden Besuchern ihres entzückenden Landstriches aus.

Zurück in Nürnberg angekommen, habe ich mir einige Bücher über Ludwig II. von Bayern aus der Stadtbibliothek besorgt und bin nun ganz gespannt darauf, was ich beim Lesen noch herausfinden werde.

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