Als ein schweres Gewitter in Bühl für Gerechtigkeit sorgte

Während der düsteren Epoche der Hexenverfolgung in Deutschland gab es nicht nur fanatische Kirchenmänner, die ihre sadistischen Neigungen ungestraft ausleben durften. Auch Angehörige des Adels machten sich völlig willkürlich den im Volke herrschenden Aberglauben zu Nutze, und lebten so ihre gefühllose Ader skrupellos aus. Oftmals wurden sie von Missgunst und unbefriedigenden Rachegelüsten angetrieben, so auch geschehen im Falle des ehemaligen Verwalters der Burg Windeck bei Bühl.

Blick auf die Burgruine Windeck

Blick auf die Burgruine Windeck

Zur damaligen Zeit lebte in Bühl eine ehrbare Witwe allein mit ihrer hübschen Tochter Gertrud. Auf genau dieses junge Mädchen hatte der Burgverwalter ein Auge geworfen, fing sich jedoch immer wieder einen Korb ein, da er im allgemeinen Ruf stand, ein brutaler Grobian zu sein. Seither sann er verzweifelt danach, seinen Durst nach Vergeltung zu stillen.

Am Ostermorgen des folgenden Jahres begab sich Gertrud noch vor Sonnenaufgang an den Bühler Bach um frisches Osterwasser zu schöpfen, welchem, nachdem es in einer Kirche gesegnet wurde, von Alters her wundersame Kräfte zugeschrieben werden. Sie besprengte anschließend die Felder ihrer Mutter mit dem heiligen Wasser. Doch ausgerechnet in jenem Jahr sollte sich der alte Brauch als völlig nutzlos erweißen. Massen von schädlichen Insekten fraßen im Sommer das Getreide auf. Als wäre das noch nicht genug gewesen, vernichteten im Herbst aufkommende, schwere Hagelstürme auch noch den Rest der Ernte.

BühlFür den Burgverwalter war dieser unglückselige Zufall ein gefundenes Fressen. Er beschloss, Gertrud der Hexerei anzuklagen und setzte das Gerücht in die Welt, sie hätte mit ihrem Osterwasser, die Insektenschwärme und das Unwetter herbeigezaubert. Ohne langes Zögern wurde Gertrud in den Hexenturm geworfen, der keine hundert Meter weit von Burg Windeck entfernt stand und zu dieser Zeit nicht nur als Gefängnis diente, sondern auch mit einer furchteinflößenden Folterkammer ausgestattet war. Obwohl selbst der herbeigerufene Pfarrer an die Unschuld des Mädchens glaubte, dauerte es nicht lange bis das Todesurteil auf den Scheiterhaufen gegen Gertrud ausgesprochen wurde.

Bildquellenangabe: Nadine Krauß  / pixelio.de

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Es kam nun der Tag, an welchem Gertrud im Feuer sterben sollte. Der mit gesundem Menschenverstand ausgestattete Pfarrer begleitete sie auf ihrem Weg und ließ nichts unversucht, dem jungen Mädchen Trost zu spenden. Unter den Augen der schaulustigen Menge wurde die verängstigte Gertrud fest an den Pfahl gebunden, und der Scheiterhaufen gleich darauf in Brand gesetzt. In diesem Moment wurde der Schauplatz des Dramas von einer gewaltigen Gewitterwolke verdunkelt, die sich alsbald auf das versammelte Publikum entlud. Der einsetzende Starkregen sorgte rasch dafür, dass der brennende Scheiterhaufen gelöscht wurde. Die von der Nässe aufgelösten Fesseln Gertruds lösten sich, und das Mädchen fiel auf die Knie und begann damit, dass Vaterunser zu beten. Augenblicklich nutzte der Pfarrer die Gunst der Stunde und rief in die Massen: “Das Mädchen ist unschuldig. Gott hat gerichtet. Der Mensch hat keine Macht über die Elemente der Natur!”.
Fast könnte man meinen, der alte germanische Donnergott Thor hätte seine Blitze gesandt und damit für Gerechtigkeit gesorgt.

Bildquellenangabe: Josef Türk jun.  / pixelio.de

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In diesem Moment richtete sich der Unwille der aufgebrachten Menschenmenge mit ganzer Kraft gegen den heimtückischen Burgverwalter, dem mit Hilfe seines Pferdes vorerst noch die Flucht gelang. Der Burgherr von Windeck sorgte jedoch bald dafür, dass sein verrufener Verwalter eingefangen und selbst in den Hexenturm gebracht wurde. Seiner gerechten Strafe entzog sich der Unhold, indem er sich in einer Zelle des Turms mit seinem Gürtel erhängte.

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