Das fatale Schicksal der Bremer Kräuterhexe

In der finsteren Ära der Inquisition müssen sich missgünstige Neidhammel wahrhaftig wie im Paradies gefühlt haben. Sie hatten zu jenen Zeiten ein leichtes Spiel, unliebsame Konkurrenten dauerhaft aus dem Weg zu schaffen. Es existieren hunderte von Überlieferungen, die belegen, dass ein Großteil der damals zu Unrecht als Hexen und Ketzer angeklagten Opfer von ihren Anklägern allein aus boshafter Eifersucht heraus dem Klerus ausgeliefert wurden. Einer dieser traurigen Fälle fand in der freien Hansestadt Bremen statt.

Das Bremer Rathaus Bildquellenangabe: Hans Snoek  / pixelio.de

Das Bremer Rathaus
Bildquellenangabe: Hans Snoek / pixelio.de

Als der Anfang des 16. Jahrhunderts in Bremen regierende Bürgermeister eines Tages schwer erkrankte, zitierten die Ratsherren drei verschiedene Mediziner an sein Krankenlager, von denen jedoch keiner ein Mittel zur Heilung parat hatte. Der jüngste der hinzugezogenen Ärzte kannte aber eine kräuterkundige Bremerin und riet der Familie des Bürgermeisters, die alte Frau rufen zu lassen. Schon oft war dem Arzt Gutes über die heilkräftigen Tränke des Weibes zu Ohren gekommen, und einmal hatte er sogar selbst die wohltuende Wirkung ihrer auf natürlichem Wege hergestellten Mittelchen am eigenen Leibe erfahren dürfen.

Bildquellenangabe: Penelopia  / pixelio.de

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Die Tochter des Bürgermeister selbst machte sich auf den Weg zur ärmlichen Hütte der Alten und beschwor sie händeringend, ihrem Vater zu helfen. Obwohl sie in ihrem bisherigen Leben mit den Stadträten und dem amtierenden Bürgermeister auf keine guten Erfahrungen zurückblicken konnte, ließ sich die Frau erweichen und braute schnell einen Arzneitrank zusammen. Die Verabreichung dieser Mixtur erzielte tatsächlich die herbeigesehnte Wirkung. Der Bürgermeister erholte sich zusehends von seinem Siechtum und schickte am nächsten Morgen erneut seinen Diener zur Kräuterfrau, um ihm noch ein wenig mehr von der gesundheitsfördernden Medizin zu besorgen.

Bildquellenangabe: Guenter Hamich  / pixelio.de

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Einer der machtlosen Ärzte, natürlich ausgerechnet derjenige, der ansonsten als stinkreich und erfolgreich galt, fing den Diener auf seinem Rückweg ab. Höflich bat der Doktor den Boten, ihm doch die Arznei nur für einen kurzen Augenblick zu überlassen, da er in seinem Labor nur eine kleine Probe davon entnehmen wolle, damit er ebenfalls die Herstellung erlernen könne. Der Diener war frei von jedem Argwohn und kam deshalb dem Bittgesuch nach. Nur kurz verschwand der Arzt mit dem Fläschchen in seinen eigenen vier Wänden. Nach nicht einmal fünf Minuten gab er es dem Diener zurück, ohne ihm dabei allerdings in die Augen zu schauen.

Voller Hoffnung nahm der Bürgermeister die Medizin erneut zu sich. Das Resultat schlug aber nun ins völlige Gegenteil um. Unvermittelt traten die bereits unterdrückten Krankheitssymptome wieder auf. Nur diesmal noch viel stärker wie zuvor. Für eine Rettung war es nun zu spät. Noch in den frühen Abendstunden des selben Tages hauchte das Bremer Stadtoberhaupt sein Leben aus.

Bildquellenangabe: nafas  / pixelio.de

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Hier konnte nur Gift im Spiel gewesen sein. Und wer sollte wohl sonst anderes als Giftmischerin in Frage kommen wie die alte Kräuterhexe? Ihre sofortige Gefangennahme, der kurze Prozess, der ihr gemacht wurde, sowie ihre Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen gingen in Windeseile über die Bühne. Niemand vermochte es, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

Ob der niederträchtige Arzt wohl doch noch wider Erwarten ein Gewissen hatte, oder ob ihn ein Gönner der Kräuterkundigen für sein Verbrechen richtete, bleibt ungeklärt. Auf jeden Fall wurde er am Tag nach der Hinrichtung tot, am Balken seiner Schlafzimmerdecke baumelnd aufgefunden. Der Diener aber, der ihm den Trank der Alten voller Ergebenheit überlassen hatte, starb vor Kummer, weil er sich die Schuld an der Ermordung zweier Menschen gab.

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