Das mutige Rabenherz von Burg Stolzeneck

Einer meiner Lieblingssongs, welchen ich mir immer wieder gerne anhöre, ist “Ravenheart”, zu deutsch “Rabenherz”, von der Bielefelder Gothic Metal-Band Xandria. Überhaupt spielen Rabenvögel in mythischen Legenden immer wieder eine Rolle, und das oftmals nicht nur als verruchte, aasfressende Galgenvögel. Von der sächsischen Burg Rabenstein habe ich bereits im vorigen Jahr hier im Blog berichtet. Aber auch im nördlichen Baden-Württemberg gibt es eine Burgruine, deren wunderbare Geschichte in unmittelbarem Zusammenhang mit der schwarzgefiederten Vogelart steht.

Ganz in der Nähe der Stadt Eberbach hebt sich die immer noch imposante Ruine der Burganlage Stolzeneck über den Neckar empor. In längst vergangenen Zeiten soll ein Geschwisterpaar adligen Geschlechts in ihr gewohnt haben. Der Burgherr sah seine Erfüllung darin, sich den Kreuzzügen in den Nahen Osten anzuschließen. Er sorgte sich wenig um seine jüngere Schwester, glaubte er doch, sie befände sich in der Obhut einiger Bediensteter auf dem eindrucksvollem Terrain von Stolzeneck in absoluter Sicherheit.

Blick auf Eberbach am Neckar Bildquellenangabe: Ralph-Thomas Kühnle  / pixelio.de

Blick auf Eberbach am Neckar
Bildquellenangabe: Ralph-Thomas Kühnle / pixelio.de

Auf den Augenblick, in dem der tollkühne Recke die heimische Burg in Richtung Heiliges Land verließ, hatte ein anderer Ritter aus der Nachbarschaft schon sehnsüchtig gewartet. Schon lange hatte er ein Auge auf das schöne Burgfräulein geworfen. Allerdings stand dem Mädchen damals auf keinen Fall der Sinn nach Männern, und nach diesem übereifrigen Freier schon gar nicht. Die Holde schenkte ihre ganze Liebe stattdessen den Tieren und nannte einen zahmen, gelehrigen Raben ihr eigen, welchen sie mit eigener Hand aufgezogen hatte.

Der liebestolle Bewerber ließ sich jedoch nicht so einfach abwimmeln. Er war es gewohnt zu gewinnen, und die Abfuhr der Burgherrin verstärkte seine Begierde eher noch an. Mit Hilfe einiger treuer Gefolgsleute überfiel er Stolzeneck. Die Dienerschaft konnte der Meute keine große Gegenwehr erwidern, und wurde ausnahmslos von den Angreifern dahingemeuchelt. Inmitten des blutigen Tumults gelang es dem gehorsamen Haustier der Burgherrin gerade noch rechtzeitig aus dem Fenster zu schlüpfen, um sich empört krächzend in die umliegenden Wälder zu verziehen. Das Fräulein selbst wurde im Burgturm eingekerkert und sollte dort mittels Hungerfolter so lange mürbe gemacht werden, bis sie aus freien Stücken gewillt wäre, ihrem Peiniger anzugehören. Jeden Tag aufs neue erschien der Schurke vor ihrem Gefängnis, und jedes Mal zeigte ihm die Angebetete abermals die kalte Schulter. Seltsamerweise schien sie keinen ersichtlichen Hunger zu leiden. Ihrem Geheimnis kam er jedoch nie auf die Spur. Wie sollte er auch wissen, dass sie des Nachts von ihrem anhänglichen Raben und seinen tierischen Freunden bestens versorgt wurde. Pünktlich nach Einbruch der Dunkelheit kam der Vogel heran und brachte ihr die Früchte des Waldes vorbei.

Bildquellenangabe: Jörg N  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Jörg N / pixelio.de

So vergingen viele Monate, und eines Tages war die Zeit der Heimkehr des Burgherren herangekommen. Er fand Stolzeneck einsam, verlassen und verwahrlost vor. Erst nach langem Absuchen des Burggeländes gelang es ihm, die schwache Stimme seiner Schwester hinter den dicken Mauern des Burgturms zu orten. Als er sich sogleich daran machte, sie aus ihrem Gefängnis zu befreien, stürmte der hundsgemeine Ritter von hinten an ihn heran. In dieser heiklen Situation eilte der treue Rabe erneut zu Hilfe. Todesmutig stürzte er sich mit seinen Gefährten flügelschlagend auf den Feind und hackte ihm die boshaften Augen aus. Nun konnte der Kreuzritter seine Schwester rächen und versetzte dem Unhold mit seinem Schwert den Todesstoss.

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2 Antworten auf Das mutige Rabenherz von Burg Stolzeneck

  1. Natalie Wäsch sagt:

    Wie schön die Legende aus meiner Heimatburg ( ich bin im Dorf, das der Burg zu Füßen am Neckar liegt aufgewachsen) hier zu lesen. Auch schön geschrieben. Ich weiß gar nicht wie oft meine Oma oder mein Vater mir das erzählt haben, zu jeder Wanderung auf die Burg gehörte die Erzählung und die Suche nach dem Stein mit dem Raben in der Burgmauer, das Andenken an den tapferen, tierischen Freund.

  2. Shan Dark sagt:

    Eine wunderbare Legende, die durchaus wahr sein könnte. Raben sind ja sehr, sehr schlaue Vögel und soweit ich weiß auch treu.

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