Der abscheuliche, dicke Schlossherr von Burg Veldenstein

Veldenstein 2014 017Jedes Mal, wenn ich mich mittels Franken-Sachsen-Express auf den Weg in meine alte Heimat mache, stoppt der Zug unterwegs auf dem Bahnhof der kleinen Ortschaft Neuhaus an der Pegnitz. Beim Blick aus dem Fenster, fiel mir schon beim ersten Mal linkerhand sofort eine ansehnliche, mittelalterliche Burganlage ins Auge. Was ich damals noch nicht wusste: Es handelt sich um die Burg Veldenstein, auf der seit 2002 jedes Jahr im Sommer eines der vier berühmten Fränkischen Burgenfestivals stattfindet. Da wir bereits beim Schlosshof Festival in Höchstadt an der Aisch zugegen waren, und uns das Feuertanz Festival auf Burg Abenberg ebenfalls nicht unbekannt ist, war es in diesem Jahr nun endlich an der Zeit, dem Veldensteiner Open Air ebenfalls einen Besuch abzustatten, zumal das geplante Line-up unseren vorbehaltlosen Zuspruch fand.

Veldenstein 2014 002Letzten Samstag war es dann soweit, und wir erlebten einen großartigen Festivaltag, wofür ich den Veranstaltern, Organisatoren, den Bands und überhaupt allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank aussprechen möchte. Sogar Thor meinte es gut und hielt seine dunklen Gewitterwolken, trotz meines provokanten T-Shirts mit dem Aufdruck “Donnern muss es”, zuverlässig vom Festivalgelände fern. Asgard bescherte uns stattdessen ein wirklich perfektes Konzertwetter, und wir prosteten zum Dank mit dem gut gefülltem Methorn gen Himmel.

Hellhörig machte mich eine Ansage von Eisbrecher-Frontmann Alexx, welcher kundtat, dass Burg Veldenstein in der Vergangenheit einem fiesen, dicken Mann gehörte, dessen dunkle Aura wir spätestens heute mit unserer friedlichen, feucht-fröhlichen Festivalstimmung nachhaltig ausmerzen würden. Mit diesem Spruch hatte er natürlich sofort meine Neugier geweckt. Allerdings hatte ich eher das Bild eines mit Harnisch bestücktem Raubritters im Hinterkopf, da mir inzwischen bekannt war, dass die Veldensteiner Burganlage gegen Ende des 13. Jahrhunderts erstmals urkundliche Erwähnung fand. Man stelle sich meine Verblüffung vor, als ich herausbekam, welchen Widerling Alexx tatsächlich, passend zum Eisbrecher-Song “Miststück”, bei seiner Durchsage gemeint hatte.

Veldenstein 2014 004Von 1897 bis 1939 gehörte die Burg dem halbjüdischen Militärarzt Dr. med. Hermann von Epenstein. Wie viele Familien hatten auch die von Epensteins leider ein ausgemachtes Schwarzes Schaf in ihren Reihen, denn der Neffe des Burgherren war kein Geringerer als der spätere Reichsmarschall Hermann Göring. Der kleine Hermann verbrachte also einen Großteil seiner Kindheit auf dem verträumten Burgberg in Neuhaus an der Pegnitz, und sollte sich trotz dieser friedvollen Umgebung zu einem ausgesprochenen Scheusal entwickeln. Was lernen wir daraus? Nicht jeder, der eine schwere Kindheit hatte, entwickelt sich zum Mörder! Aber auch nicht jeder, der auf unbeschwerte Kindertage zurückblicken kann, muss unweigerlich zu einem guten Menschen heranwachsen!

Veldenstein 2014 018Nachdem Hermann von Epenstein am 05. Juni 1934 im hohen Alter von über achtzig Jahren starb, kaufte Göring seiner Tante Burg Veldenstein ab und ließ unter ihren altehrwürdigen Mauern eine geheime Bunkeranlage anlegen. Seither hält sich unter den Einwohnern des Ortes hartnäckig das Gerücht, Göring und seine Kumpanen hätten in diesem unterirdischen Tunnelsystem wertvolle, gestohlene Kriegsbeute des Zweiten Weltkrieges verwahrt. Die amerikanischen Alliierten rückten gleich 1945 diesem Mythos mit Presslufthämmern zu Leibe, fanden allerdings lediglich eine Kiste mit teurem französischem Cognac.

Veldenstein 2014 014Eventuell könnten begierige Schatzgräber ja tatsächlich noch fündig werden. Eine andere Legende, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Görings Bunker steht, wurde hingegen glaubhaft widerlegt. Die sterblichen Überreste seiner, im Herbst 1931 jung verstorbenen Ehefrau, nach welcher er sogar seinen Landsitz in der Schorfheide benannte, und für die er nach ihrem Tod ein Mausoleum errichten ließ, liegen erwiesenermaßen nicht unter Burg Veldenstein begraben. Nachdem die Russen Carin Görings Leichnam 1945 aus Rache schändeten, ließ ein Pfarrer ihn in Berlin einäschern und die Urne für die endgültige Bestattung zu ihrer Familie nach Schweden überführen.

Sollte jedoch nur ein kleines Fünkchen von Hermann Görings braunem Spuk im mittelfränkischem Neuhaus die Jahrzehnte überdauert haben, dann haben wir ihm jedenfalls am vergangenen Samstag mit guter Laune und lauten, schwermetallischen Klängen ordentlich zugesetzt und werden dies im nächsten Jahr auch wieder tun.

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Eine Antwort auf Der abscheuliche, dicke Schlossherr von Burg Veldenstein

  1. manfred heinrich sagt:

    Dazu wäre anzumerken, dass Hermann Göring bis zum 17. April 1945 tatsächlich die Grundlage für ersteres Gerücht noch selbst schaffen konnte.
    Sein s.g. „Kunstzug“ hat in den Tunnels vor Neuhaus tagelang die Dunkelheit abgewartet um dann im Bahnhof stückweise entladen zu werden. Ein LKW hat den Transport nach „oben“ übernommen.
    Nachdem alles unter „Dach und Fach“ war hat er sich nach Süddeutschland abgesetzt und den Amerikanern ergeben.
    Für diese gesamte Operation gibt es keine Zeugen mehr, außer den Nachfahren eines Schulkameraden von Göring.
    Dies ist eine Theorie, aber alles begann bekanntermaßen mit einer Theorie.
    Für die Spekulationen über den Verbleib eines gewissen Kunstschatzes (nicht das B.Z. !) sprechen bisher nur einige Bodenvermessungs-Signale. den bisher einzigen und ersten Hinweisen dass die Theorie stimmt.
    Von Thüringen aus sind weitere Schritte sehr zeitaufwändig und ich würde mich über die Zusammenarbeit mit Einheimischen sehr freuen.
    Der Thüringer

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