Der alte Kriegsgott mit dem Methorn in der Hand

Bildquellenangabe: Dietmar Meinert  / pixelio.de

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Aktuell läuft beim Outdoor-Ratgeber zelten.net eine Blogparade zum Thema “Die besten Ausflugsziele 2014”, und genau dies war bei mir der Anlass, etwas wehmütig an längst vergangene Zeiten zurückzudenken. Mein letzter Campingurlaub ist tatsächlich schon einige Jahre her. Tage wie dieser heute ließen mich später davor zurückschrecken, einfach das Zelt unter den Arm zu klemmen, welches immerhin gut verstaut auf dem Schlafzimmerschrank verstaubt, mich in den Zug zu setzen und Richtung Norden zu fahren. Bei uns regnet es nämlich bereits seit gestern Nachmittag fast ununterbrochen Bindfäden, und ich kann mich gut daran erinnern, dass solch ein Sauwetter einen den Zelturlaub extrem zu vermiesen vermag.

Bildquellenangabe: Gordon Gross  / pixelio.de

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Daher buchte ich dann doch lieber bequeme Pauschalreisen zu südlich gelegenen Stränden. Das Flugzeug brachte uns an weit entfernte Reiseziele mit Schönwettergarantie. In Ägypten und auf den Malediven haben wir keinen einzigen Regentropfen zu Gesicht bekommen und auf den Griechischen Inseln ließ sich ein Regentag im Oktober recht gut kompensieren. Trotz der Schönheit dieser Länder und vor allem der dazugehörigen Meere ist die Sehnsucht nach der Ostsee geblieben. Ich war gerade einmal drei Jahre alt, als meine Eltern mit mir zum ersten Strandurlaub in Boltenhagen aufbrachen. Meine Erinnerung an diese Wochen hält sich natürlich sehr in Grenzen und lebt hauptsächlich von den Diabildern, die damals gemacht wurden. Um einiges mehr sind mir dafür die Sommerferien meiner Schulzeit im Gedächtnis haften geblieben, denn die verbrachte ich beinahe immer auf der Insel Rügen. Meine Großeltern hatten damals feste Kontakte zu Vermietern aus Wiek und Altenkirchen geknüpft, so dass die Buchung eines einfachen aber gemütlichen Urlauberquartiers nie ein Problem darstellte.

Am Strand bei Kap Arkona Bildquellenangabe: deinostseeurlaub.de  / pixelio.de

Am Strand bei Kap Arkona
Bildquellenangabe: deinostseeurlaub.de / pixelio.de

Tage, an denen kein optimales Strandwetter herrschte, nutzten wir um die größte Insel Deutschlands ausgiebig zu erforschen. Da die Entfernung von unseren Unterkünften aus nur wenige Kilometer betrug, fuhren wir in jedem Urlaub mindestens einmal in das kleine Fischerdörfchen Vitt. In den heimeligen Gassen zwischen den reetgedeckten Häuschen wurden selbst mir Spaziergänge nie langweilig, und von da aus gelangte man auch zu einem ursprünglich anmutenden Steinstrand, welcher direkt unterhalb der wild zerklüfteten Felsenküste Kap Arkonas gelegen ist. Kap Arkona war für mich damals einfach nur laut Heimatkundeunterricht der nördlich gelegenste Punkt der DDR. Dass sich dort oben im 9. Jahrhundert eine große slawische Siedlung, mit der stolzen, lange Zeit als uneinnehmbaren geltenden Jaromarsburg im Mittelpunkt befand, davon wusste ich in diesem Alter noch nicht das Geringste.

Nun, tatsächlich waren die zwischenzeitlich zum Christentum bekehrten Nachfahren der Wikinger daran schuld, dass nur noch die Reste des ehemaligen Burgwalls die letzten verbliebenen Zeugen des einstigen Vorhandenseins der Jaromarsburg auf Arkona darstellen. Vier lange Wochen belagerte Dänenkönig Waldemar von Mai bis Juni anno 1168 die slawische Festungsanlage. Wie es dann schließlich doch noch zur erfolgreichen Eroberung kam, davon erzählt diese Geschichte:

Viergesichtige Gottheit "Svantovit" Bildquellenangabe: Gerhard Giebener  / pixelio.de

Viergesichtige Gottheit „Svantovit“
Bildquellenangabe: Gerhard Giebener / pixelio.de

Auch das Volk der Slawen hatte seine ureigenen Götter, welchen es seine speziell dafür erbauten Tempel weihte. Das Zentrum der Jaromarsburg bestand aus einer Kultstätte für den riesenhaften, vierköpfigen Kriegsgott Svantovit. Für die slawischen Ranen hatte dieser Tempel in etwa den gleichen Status wie für die alten Griechen das Orakel von Delphi. Die Zukunftsdeutung für das kommende Jahr erfolgte hier jedoch auf eine völlig andere Art und Weise. Die Statue Svantovits hielt nämlich ein kolossales Trinkhorn in seiner linken Hand. Jedes Jahr wurde auf der Jaromarsburg eine dem Erntedankfest nicht unähnliche Feier zelebriert. Zu dieser Gelegenheit füllte der Slawenpriester Svantovits Horn bis zum Rand mit Honigwein. Je nachdem, wie viel Met noch vom Vorjahr im Trinkhorn verblieben war, konnte daraus abgeleitet werden, ob die Ranen eine gute, fruchtbare Zeit vor sich hatten oder aber Hunger leiden mussten. Dreihundertdreißig Jahre ging das so, aber dann waren die immer noch heidnischen Insulaner König Waldemar und vor allem seinem ergebenen Bischof Absalon ein Dorn im Auge.

Blick vom Wall der ehem. Jaromarsburg am Marine-Peilturm vorbei hinüber zu den beiden Kap-Akona-Leuchttürmen.  Bildquellenangabe: Gerhard Giebener  / pixelio.de

Blick vom Wall der ehem. Jaromarsburg am Marine-Peilturm vorbei hinüber zu den beiden Kap-Akona-Leuchttürmen.
Bildquellenangabe: Gerhard Giebener / pixelio.de

Nach seiner Landung vor Kap Arkona am 19. Mai 1968 trachtete der dänische König unermüdlich danach, die Jaromarsburg in seine Gewalt zu bekommen. Er sabotierte zunächst geschickt die lebensnotwendige Trinkwasserversorgung der Rüganer. Bald stand ihnen nur noch ein einziger Brunnen zur Verfügung. Den Rest erledigt der Zufall oder besser das Missgeschick eines dänischen Jungen, welcher im dänischen Heereslager zu Hause war. Der Dänenjunge entfachte an einem heißen Junitag unterhalb des Befestigungsturm der Jaromarsburg ein Lagerfeuer. Das Feuer geriet schnell außer Kontrolle und griff auf den Turm und die mit ihm verbundenen Anlagen über. Vergebens kämpften die Slawen gegen die Flammen. Mit dem einen verbliebenen Wasserbrunnen gelang es ihnen einfach nicht, der Zerstörungskraft des Feuers Herr zu werden. Um wenigstens ihr eigenes Leben noch retten zu können, gaben sie schließlich klein bei und unterwarfen sich dem Dänenkönig. Die anschließende erste Amtshandlung Waldemars bestand in der Vernichtung der Svantovit-Statue und des dazugehörigen Tempels.

Bildquellenangabe: Gerhard Giebener  / pixelio.de

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Inzwischen können Besucher Kap Arkonas wieder einer Rekonstruktion des einstigen Abbildes des großen, slawischen Kriegsgottes gegenüber treten. Falls Sie nun Lust darauf bekommen haben und dieses Ansinnen vielleicht gleich mit ihrem nächsten, geplanten Campingurlaub verbinden wollen, dann an dieser Stelle noch ein hilfreicher Tipp:
Unmittelbar auf der ausgedehnten Landenge zwischen dem Baltischen Meer und dem Bodden von Breege liegt das Freizeitcamp des Ostseebades Juliusruh. Einen Zeltplatz gibt es dort schon ab 3,00 EUR, und von hier aus stellt der Weg nach Kap Arkona praktisch nur noch einen Katzensprung dar. Genau in diesem Camp habe ich übrigens meinen letzten Urlaub auf Rügen verbracht und liebäugele mittlerweile damit, es endlich einmal wieder zu tun.

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2 Antworten auf Der alte Kriegsgott mit dem Methorn in der Hand

  1. Anja sagt:

    Mit dem kleinen gemütlichen und komfortablen Ferienhaus gebe ich Dir schon recht, Katharina. Allerdings kann man auch in einem solchen ab und an das Gruseln bekommen 😉
    So geschehen in einem Urlaub in der Hohen Tatra, als wir abends in einer ziemlich abgelegenen Finnhütte vor dem brennenden Kamin, beim gemütlichem Kartenspiel mit guten Freunden beisammen saßen. Urplötzlich wurde damals meine Hündin nervös, fing aufgeregt an zu bellen und rannte immer wieder zur Tür. Draußen war rein gar nix zu sehen, aber beruhigen ließ sich der Hund auch nicht. Da war mir schon etwas mulmig zumute, zumal wir am nächsten Morgen, in etwa 100 Meter Entfernung von der Hütte, an einem kleinen Wasserfall riesige Tatzenspuren sahen. Ich nehme mal stark an, Meister Petz ist nachts zuvor irgendwo im nahegelegenen Wald um die Hütte gegeistert =)

  2. Hallo Anja, da bin ich zum versprochenen Gegenbesuch 😉 Ein schöner Artikel! Zelten ist gar nicht so mein Ding, haben wir auch damals in unserer Kindheit eigentlich nie wirklich gemacht. Wahrscheinlich deshalb. Wenn ich mir das Foto ganz oben links anschaue, könnte ich fast schwach werden … 😉 Aber soweit ich weiß darf man (zumindest in Deutschland) ja gar nicht überall „einfach so“ zelten, oder? In anderen Ländern ist das ja vielleicht erlaubt. Außerdem würde ich mich gruseln in der Wildnis, auch wenn es sooo toll aussieht … Ein kleines, abgelegenes Ferienhaus wäre mir da wesentlich lieber 😉 LG, Katharina

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