Der Einfluss geheimnisvoller Kräfte rund um den Johannistag

Holzstoß für Sonnwendfeuer Bildquellenangabe: Walter J. Pilsak  / pixelio.de

Holzstoß für Sonnwendfeuer
Bildquellenangabe: Walter J. Pilsak / pixelio.de 

Das Fest der Sommersonnenwende, welches vom Datum her immer genau auf den 21. Juni fällt und damit den Beginn der sommerlichen Jahreszeit einläutet, war für unsere keltischen und germanischen Vorfahren ein wichtiges Kalender-Highlight. Und es sind eindeutige Parallelen erkennbar: Nahm das Christentum der Wintersonnenwende am 21. Dezember jeglichen Reiz, in dem es kurzerhand die Feierlichkeiten drei Tage nach hinten verschob, um am 24. Dezember die Geburt Gottes Sohns zu würdigen, so war auch ebenso schnell eine christliche Alternative zum Mittsommerfest gefunden. Ganz rein zufällig erblickte nämlich am 24. Juni Johannis der Täufer das Licht der Welt. Was liegt also näher, wie auch seinen Schlüpftag gebührend zu begehen, und im gleichen Atemzug die traditionellen Riten rund um die Sommersonnenwende scheinheilig aus heidnischen Köpfen zu verbannen?

Weder Papst noch Kirche konnten allerdings verhindern, dass sich um die Zeit zwischen dem 21. bis 24. Juni über Generationen hinweg zahllose abergläubische Bräuche erhalten haben. Einige davon möchte ich hier gerne näher vorstellen:

Bildquellenangabe: Karina Sturm  / pixelio.de

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  • Teenie-Mädchen, die neugierig auf ihre große Liebe sind, sollten am kommenden Montag sieben verschiedene Blumenarten pflücken, um anschließend einen Kranz daraus zu winden. Das Flechtwerk in der Nacht unters Kopfkissen gelegt, und BÄMMM das Gesicht Eures Märchenprinzen wird im Traum zu sehen sein!
  • Wer sich demnächst gern einmal als Schatzsucher betätigen möchte oder Wasser in der Sahara finden will, kann sich Montagnacht aus dem Holz eines Haselnussstrauchs eine Wünschelrute schnitzen. Diese soll dann besonders wirkungsvoll und zuverlässig sein.
Bildquellenangabe: Bernd von Dahlen  / pixelio.de

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Lassen Sie am Wochenanfang abends bloß keine Wäsche im Freien hängen und ziehen diese anschließend dann auch noch an. Krebse sollen zu mitternächtlicher Stunde auf Wanderschaft gehen. Vielleicht liegt das ja daran, dass ab dem 22. Juni für einen Monat die Herrschaft des gleichnamigen Sternzeichens beginnt. Wer jedoch ein Kleidungsstück benutzt, dass in der Nacht vor Johanni mit den Krabbeltieren in Berührung kam, hat künftig ein schlimmeres Krebsrisiko wie jeder Kettenraucher. Wenigstens glaubten das die alten Mecklenburger.
Am Johannistag selbst können Sie Ihren Kessel Buntes übrigens völlig bedenkenlos in der Sonne trocknen, denn das hält wiederum die Motten in Zukunft von Ihren Klamotten fern.

Bildquellenangabe: Hildegard Armbruster  / pixelio.de

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  • Die Heilpflanze Johanniskraut trägt ihren Namen nicht nur von ungefähr. Seine wohltuende Wirkung entfaltet das Gewächs in wesentlich beträchtlicherem Maße, wenn es am Morgen des 24. Juni gesammelt wird. Um die Mittagszeit herum geht man dann eher dazu über, Beifuss zu ernten. Dieses Gewürzkraut ist in manchen Gegenden auch unter dem Beinamen Johannesgürtelkraut bekannt und verspricht ebenfalls einen enorm gesundheitsfördernden Effekt.
  • Sie hatten vor kurzem einen Unfall und humpeln gerade mit Krücken unbeholfen durch die Gegend? Kein Problem! Falls Sie einen Baum in ihrer Nähe kennen, der irgendwann einmal vom Blitz getroffen wurde, schwingen Sie in der Johannisnacht ihr Gipsbein einmal rund um ihn herum und bald ist alles wieder verheilt und gut.
Bildquellenangabe: angieconscious  / pixelio.de

Bildquellenangabe: angieconscious / pixelio.de

Die Meteorologen des Altertums nutzten den Johannistag zu ganz genauen Beobachtungszwecken. Hoffen wir mal, dass die Sonne an diesem Tag weitflächig über Deutschland strahlt, denn Regen bedeutet, wir müssten uns danach ganze vier weitere Wochen über mieses Wetter ärgern.

Sie stillen noch Ihren Nachwuchs? Machen Sie am Johannistag Schluss damit! Babys, die am 24. Juni von der Brust entwöhnt werden, haben ihr ganzes Leben lang Glück. Dieses werden Sie ihrem Kind ja wohl kaum verweigern wollen, darum also weg vom mütterlichen Busen und ran an die Flaschen!

Bildquellenangabe: Udo Nowak  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Udo Nowak / pixelio.de

Zu guter Letzt möchte ich noch von einer Begebenheit erzählen, die sich vor vielen Jahren an einem Johannistag in der kleinen Stadt Gommern abgespielt hat. Im dortigen Stadtteil Dornburg befindet sich ein Gewässer, welches von den Einheimischen als Kirchsee bezeichnet wird. Der kleine See stand früher in keinem guten Ruf, denn ausgerechnet jedes Jahr an Johanni ertrank ein Kind in ihm. Es soll sich bei den Todesopfern ausnahmslos um Jungs gehandelt haben.

Bildquellenangabe: Esther Stosch  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Esther Stosch / pixelio.de

Der Pfarrer der damaligen Dornburger Kirchgemeinde war ein leidenschaftlicher Hobbyangler und nutzte jede freie Minute, um am Kirchsee seinen Speiseplan mit eiweißhaltiger Nahrung zu bereichern. Wieder einmal hatte er am Johannistag seine Rute ausgeworfen, da erblickte er auf einmal zwei riesige Fische an der Oberfläche, die sich keineswegs so stumm verhielten wie es ihnen eigentlich immer nachgesagt wird. Im Gegenteil, mit kräftiger Stimme sprach der eine zum anderen: “Es ist Johanni heute, aber weit und breit noch kein Knabe in Sicht.”.

Nach diesem Erlebnis packte der völlig fassungslose Pfarrer schleunigst sein Angelzeug ein und wollte sich gerade auf den Nachhauseweg begeben, da sah er plötzlich einen Jungen zielstrebig auf den See zugehen. Dem Buben gelüstete es bei dem heißen Sommerwetter nach einer erfrischenden Abkühlung. Der Pfarrer, der nun ahnte, welches Unglück dem Kind bevorstand und dieses unbedingt verhindern wollte, griff zu einer List, um den Jungen vom Schwimmen im Kirchsee abzuhalten.

Sonnwendfeuer Bildquellenangabe: Walter J. Pilsak  / pixelio.de

Sonnwendfeuer
Bildquellenangabe: Walter J. Pilsak / pixelio.de

Er bat den Knaben, ihm ein bestimmtes Buch von seiner Haushälterin aus dem Pfarrhaus zu holen. Es wäre doch so schönes Wetter, und deshalb hätte er große Lust sich am See in die Wiese zu legen, um ein wenig zu lesen. Artig wie der Knabe war, eilte er sofort los. Als er wiederkam, stellte der Pfarrer jedoch fest, dass ihm die Haushälterin die falsche Lektüre ausgehändigt hatte, und er schickte den Buben erneut auf den Weg. So ging das ganze Treiben noch einige Male hin und her, so lange bis die Zeit des Sonnenuntergangs gekommen war und der Junge alle Lust zum Baden verloren hatte. Nun machte sich der Pfarrer quietschvergnügt mit seinem Buch unter dem Arm auf den Heimweg, denn es war ihm erfolgreich gelungen, den Mächten des Bösen ein Schnippchen zu schlagen. Auch der jahrelang Fluch war nun ein für allemal vom Kirchsee genommen. Nie wieder ist seither ein Kind dort zu Tode gekommen. Aber das erlebte der gute Pfarrer nicht mehr. Schon bald nach jenem Johannistag erlag er einer mysteriösen Krankheit. Hatten sich die Fische aus Rachgier ein letztes Opfer geholt?

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Eine Antwort auf Der Einfluss geheimnisvoller Kräfte rund um den Johannistag

  1. Christin Sommerfeld sagt:

    Ich selbst bin am 24. Juni geboren und habe gehört, dass Kinder, welche an diesem Tag geboren würden, ihr ganzes Leben lang Glück hätten. Dies ist mir bereits einige Male untergekommen und ich habe außerdem noch gehört, dass das paarweise Springen über ein Feuer in dieser Nacht Glück in der Liebe bringen soll. Ich liebe meinen Geburtstag und fand ihre Übersicht sehr hilfreich, da ich auch an diesem Thema interessiert bin.

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