Der entsetzliche Fund auf Burg Lahneck

Bildquellenangabe: Thomas Max Müller  / pixelio.de

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Die Stauferburg Lahneck kann auf eine lange, bewegte Geschichte zurückblicken. Hoch über dem Lahntal wurde die typische Spornburg um 1226 vom Kurfürst von Eppstein erbaut. Aber auch dieses stolze Bauwerk blieb von den im Dreißigjährigen Krieg wütenden, immensen Zerstörungsgewalten nicht verschont. Den Rest erledigten französische Soldaten anno 1688 im Krieg der Augsburger Allianz, einem vom Sonnenkönig Ludwig XIV. heraufbeschworenen Machtkonflikt.

Bildquellenangabe: Urs Flükiger  / pixelio.de

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In den darauffolgenden zweihundert Jahren wurde den heruntergekommenen Mauern Burg Lahnecks kaum noch Beachtung geschenkt. Der Zahn der Zeit konnte unverdrossen an ihnen nagen, die Natur nahm ihren vorhersehbaren Verlauf und holte sich zurück, was einst von Menschenhand geschaffen war. In der Treppe zum Bergfried tummelten sich die Holzwürmer und machten sie unbenutzbar. Selbst die steinernen Stufen des Haupteingangs blieben nicht vom unaufhaltsam voranschreitenden Verfall verschont. Kein Mensch machte sich mehr die Mühe, oder wäre überhaupt auf die Idee gekommen, dass hinter den maroden Mauern der Burg liegende Terrain zu besichtigen. Vielmehr sollten wir sagen fast keiner, denn einer romantisch veranlagten, künstlerisch begabten Schottin wurde ihre Faible für alte, verwitterte Gemäuer zum tödlichen Verhängnis.

Bildquellenangabe: www.hamburg-fotos-bilder.de  / pixelio.de

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Es war im Juni des Jahres 1851 als die aus der schottischen Hauptstadt Edinburgh stammende Familie Dubb gemeinsam mit ihrer Tochter Idilia in Lahnstein Urlaub machte. Idilia war eine leidenschaftliche Landschaftsmalerin, für die die idyllisch gelegene Rheingegend ein wahres Paradies auf der Suche nach neuen, lohnenswerten Motiven bedeutete. Die Ruine Lahneck übte einen unwiderstehlichen Reiz auf den 17jährigen Teenager aus, und so kam es, dass sie sich eines frühen Morgens beizeiten auf den Weg zur Lahnmündung machte, um die Überreste der Burg genauer in Augeschein zu nehmen. Um ihre Eltern nicht unnötig zu ängstigen, verschwieg Idilia ihnen das eigentliche Ziel ihrer Wanderung. Dass ihr Mädchen über der Malerei öfters einmal die Zeit vergaß, waren die Dubbs bereits gewohnt. Erst als die Dämmerung hereinbrach, begannen sie sich deshalb ernstlich zu sorgen. Die polizeilichen Vorschriften scheinen damals schon mit den heutigen analog gewesen zu sein, denn die Beamten warteten nach Eingang der Vermisstenmeldung genau vierundzwanzig Stunden, ehe sie mit dem Sucheinsatz nach dem verschollenen Mädchen begannen. Die gesamte Umgebung Lahnsteins wurde weitläufig durchforstet. Allerdings kam leider niemand auf den Einfall, das Gelände der Burg Lahneck ebenfalls in die Nachforschungen mit einzubeziehen.
Welch tragische Schicksal der jungen Schottländerin beschieden war, konnte die Nachwelt den Tagebucheintragungen entnehmen, die elf Jahre später im Burgturm Lahnecks gefunden wurden.

Bildquellenangabe: Thomas Max Müller  / pixelio.de

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Edward A. Moriarty, ebenfalls ein gebürtiger Schotte, hatte die Rechte an Burg Lahneck 1850 käuflich erworben. Um 1852 begann er mit den aufwändigen Sanierungsarbeiten, die über viele Jahre hinweg andauern sollten. Im Rahmen dieser Restauration fanden Handwerker im halb zusammengefallenen Bergfried ein Skelett, verschiedene Fingerringe, eine goldene Kette mit Uhr sowie eine Gürtelschnalle und das bereits erwähnte Tagebuch. Die aus Schottland herbeigerufene Mutter Idilias konnte die Schmuckstücke zweifelsfrei als die Besitztümer ihres verschwundenen Mädchens identifizieren.

In ihrem Tagebuch schilderte Idilia die letzten vier Tage ihres Erdendaseins. Sie hatte die morsche Holztreppe des Turms bestiegen, um von ganz oben die blendende Aussicht auf die Lahn genießen zu können. Die ungewohnte Belastung brachte die Treppe endgültig zum Zusammenbruch. Idilia, die nun im Turm gefangen war, gelang es zwar einige, auf der Lahn vorbeifahrende Schiffspassagiere auf sich aufmerksam zu machen. Diese erkannten jedoch nicht die große Gefahr, in welcher sich das Mädchen befand. Idilia starb einen langsamen, qualvollen Hungertod.

Bildquellenangabe: Julia Kempen  / pixelio.de

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Die Wiederaufbauarbeiten auf Burg Lahneck wurden nach der grausigen Entdeckung und einer kurzen, damit im Zusammenhang stehenden Unterbrechung weiter fortgesetzt. Um 1930 war das alte Burggelände endlich wieder gefahrlos begehbar. Seit 2002 ist das historische Baudenkmal ein anerkanntes Denkmal des UNESCO-Weltkulturerbes, darf besichtigt werden und dient teilweise sogar zu Wohnzwecken.

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