Der “Flying Dutchman” von Emden

Wolfgang Pfensig  / pixelio.de

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Der Blick aus dem Fenster verkündete heute Morgen einen typischen “November Rain”-Tag. Unaufhörlich regnet es Bindfäden vom Himmel, und die gesamte Umgebung vermittelt düstere Grau in Grau-Stimmung. Das ist genau die Zeit und die richtige Atmosphäre für eine Gespenstergeschichte, und die führt uns diesmal bis nach Ostfriesland in die Hafenstadt Emden.

Die Emder Seeleute treiben sich nachweislich bereits seit dem 12. Jahrhundert mit ihren Handelsschiffen auf den Weltmeeren herum. Zumindest existiert eine Urkunde von anno 1224, die dies nachweislich belegt. Seit der Zeit, in der sich die Schiffsstraßen in den Ozeanen entwickelten, hatten die Seefahrer mit der Macht der Elemente sowie auch mit allerlei anderen Unannehmlichkeiten zu kämpfen. Schwere Stürme, schlechte Sichtweiten bei Nebelwetter, aber auch Eisberge, Durst und Skorbut machten ihnen auf ihren oft monatelangen Seereisen zu schaffen. Die Küsten mit ihren tückischen Klippen, Sandbänken und Gezeitenströmen waren aber definitiv die gefährlichsten Regionen, in denen sich ein Schiff aufhalten konnte.

Bildquellenangabe: fotomacher  / pixelio.de

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Eines Abends vor langer Zeit fuhr ein Emdener Handelsschiff mit vollen Segeln in die Emsmündung ein. Von der Stadt aus war es bereits mit bloßem Auge zu sehen, als plötzlich ein orkanartiger Sturm vom Nordwesten her aufkam. Die laute Stimme des Kapitäns, dessen Befehlsrufe den heulenden Wind übertönten, waren schon am Ufer zu hören, da erfasste eine immens starke Windböe das Segelschiff. Die große Bark wurde von den Wellen nach oben getragen, um gleich darauf wieder nach unten zu stoßen um, da nun keinerlei Steuerung mehr möglich war, anschließend planlos im Wasser zu kreiseln. Die vierzig Männer der Besatzung schrien kurz vor ihrem Heimathafen lauthals um Hilfe. Viele Emder standen in jener Schrecksekunde schon geraume Zeit an der Mole, um ihre Väter, Brüder, Söhne und Ehemänner nach der langen Fahrt zu begrüßen. Flehentlich baten die Angehörigen den Hafenwärter sein Wachboot für die Rettung der verzweifelten Seeleute einzusetzen. Der diensthabende Wärter lag jedoch schon seit Jahren mit dem Kapitän des nun havarierenden Schiffes in einem bösen Klinsch, und obwohl sich sein eigenes Fleisch und Blut ebenfalls an Bord befand, verhielt er sich jetzt gnadenlos. “Es ist zu spät! Denen kann sowieso nicht mehr geholfen werden. Nun bekommt der Kapitän endlich seinen verdienten Lohn.”, sprach der sture Bock.

Bildquellenangabe: Benita Brunnert  / pixelio.de

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Erst nach schier endlos langen Diskussionen gelang es den Emdern, den Wärter zur Herausgabe seines Patrouillenbootes zu zwingen, doch da war das Handelsschiff samt dem verhassten Kapitän und der kompletten Mannschaft längst für immer in der Tiefe versunken.

Wer nun denkt, Geisterschiffe gebe es nur im Kinofilm “Fluch der Karibik”, der sollte sich einmal bei gewaltigem Nordweststurm um Mitternacht auf die Mole des Emdener Hafens begeben. Noch immer kann man in solch ungemütlichen Stunden das unglückselige Segelschiff durch die Nacht fahren sehen, und bald darauf die in Todesangst schreienden Seeleute hören.

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