Der goldene Fisch im Ostseefjord

Bildquellenangabe:Simone Hainz  / pixelio.de

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Der Winterblues hat mich voll erwischt. Statt die Gegend mit einer freundlichen, weißen Schneedecke zu schmücken, war der Januar in Nürnberg in den letzten Tagen nass und kalt. Zu allem Übel plage ich mich seit gut einer Woche mit einer Virusinfektion herum. Selbst bei jedem Lachen muss ich husten. Die Augen brennen, die Nase tropft. Der Gang zum Hausarzt schien unvermeidlich, sonst hätte ich womöglich meine netten Kollegen im Großraumbüro ebenfalls mit aus dem Rennen genommen.

Bildquellenangabe:Domino  / pixelio.de

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Nun hocke ich nun hier auf meiner Eckcouch in dicke Decken gehüllt, trinke fast ununterbrochen Ingwertee und grüble nach, was ich gegen meinen Depri unternehmen kann. Da, der rettende Gedanke! Der perfekte Zeitpunkt um per Laptop Urlaubspläne zu schmieden. Hatte mir mein WoW-Gildenchefchen nicht einmal von der Wikingersiedlung Haithabu erzählt? Und lag die nicht genau um die Ecke von Schloss Gottorf, von dem mir meine Arbeitskollegin schon ausführlich vorschwärmte? Also schnell Schleswig an der Schlei bei Google eingetippselt und ein gemütliches Quartier für den kommenden Juni gesucht. Ich werde recht schnell fündig und bemerke, dass ich mit der richtigen Buchung gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Lange schon hat mein Partner den Wunsch geäußert, einmal im Leben in einem richtigen Wolkenkratzer zu wohnen.

Bildquellenangabe:Domino  / pixelio.de

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Der Wikingerturm mit seinem Panoramablick über den Hafen des Ostseefjords scheint mir dafür nahezu perfekt zu sein. Fix mache ich ein 7 Tage-Domizil im 14. Stockwerk fest und freue mich später über das überraschte Lächeln in Alexanders Miene. Zugegeben, mir persönlich wäre, da ich ein kleines bisschen unter Höhenangst leide, eine Unterkunft in der Fischersiedlung Holm durchaus sympathischer gewesen. Aber ich bin ab und an gerne bereit Kompromisse einzugehen, vor allem wenn ich meinen Schatz damit glücklich machen kann.

Bildquellenangabe:Hans Peter Dehn  / pixelio.de

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Ein Bummel durch das über eintausend Jahre alte Holm steht selbstverständlich trotzdem fest im Urlaubsplan. Und wer weiß, für was es gut ist, dass wir dort nicht übernachten. Möglicherweise liefe uns sonst noch leibhaftig die schwarze Grete über den Weg, denn deren Geist soll schon seit ewigen Zeiten genau in diesem Viertel Schleswigs ihr Unwesen treiben. Allerdings scheint die Grete eher gierige, geldgeile Menschen im Fokus zu haben, wenn man einer Sage aus den alten Zeiten Glauben schenken darf.

Uwe-Jens Kahl  / pixelio.de

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Zwei erfolglosen Fischern, die Nacht für Nacht leere Netze aus der Schlei holten, begegnete die vollkommen in schwarz gekleidete Dame einstmals vor Einbruch der Morgendämmerung. Die tief betrübten Mienen der beiden Männer erregten ihr Mitleid und deshalb riet sie ihnen, sofort mit ihrem Boot auf den Fjord zurückzukehren, um ihr Glück erneut zu versuchen. Allerdings befahl sie ihnen, den edelsten Fisch ihres Fangs sofort wieder der Schlei zu übergeben, ansonsten müssten sie mit einem Unglück rechnen.

Bildquellenangabe:sabine schmidt  / pixelio.de

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Die Fischer fuhren also nochmals los, denn was hatten sie schon zu verlieren. Und wirklich waren ihre Netze beim Einholen so prall gefüllt wie noch nie und drohten fast zu zerreißen. Inmitten des silbrigen Schuppengetümmels strahlte einer der Fische überirdisch in Gold- und Smaragdtönen hervor. Als sie den Fjordbewohner näher in Augenschein nahmen, stellten sie fest, dass dieser an den Flossen noch dazu über und über mit Perlen besetzt war. Dies musste der wertvollste Fisch sein, von dem die schwarze Grete gesprochen hatte. Der intelligentere der beiden Fischer wollte das Prachtexemplar sofort über Bord werfen, doch die unzähmbare Begierde in den Augen des anderen war unübersehbar. Hastig schob er den kostbaren Fisch unter den restlichen Fang und wendete das Boot in Richtung Hafen.

Bildquellenangabe:Domino  / pixelio.de

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Sie sollten nicht lange unterwegs sein, da verwandelten sich nach und nach alle anderen Fische, egal ob Dorsch, Makrele oder Hering, ebenfalls in pures Gold. Ihre Fracht wurde schwerer und schwerer und musste das Boot unweigerlich zum Kentern bringen. So landete die ganze Herrlichkeit bald darauf für immer auf dem Grund der Schlei. Nur der gehorsame Fischer konnte sich mit Ach und Krach ans Ufer retten. Höchstwahrscheinlich gab er seine unglaubliche Geschichte bald darauf in einem Wirtshaus bei einem Glas Rum zum besten, und so ist sie bis heute der Nachwelt erhalten geblieben.

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4 Antworten auf Der goldene Fisch im Ostseefjord

  1. Stefanie sagt:

    Hallo liebe Anja,

    der Juni naht und eure Reise wird bald beginnen. Ich wünsche euch eine tolle Zeit.

    Die Art wie du schreibst gefällt mir sehr. Ich werde in jedem Fall bald wieder vorbeischauen.

    Vllt. lässt du uns dann mit einigen Urlaubsgeschichten an der schönen Zeit teilhaben.

    Viele Grüße

    • Anja sagt:

      Hallo Stefanie,

      danke für Deinen netten Kommentar und die lieben Urlaubswünsche. Selbstverständlich habe ich mir vorgenommen im Urlaub auch die sagenhafte Vergangenheit des Schleifjords und seiner Umgebung zu erkunden. Mein Job hat mich in den vergangenen Wochen und Monaten ziemlich stark in Anspruch genommen, aber keine Angst mein Blog schläft nicht ein. Ich lasse Euch in naher Zukunft wieder ein paar schöne Geschichten da.

      Bis dahin liebe Grüße
      Anja

  2. Hauke Eichner sagt:

    Hallo,
    ich habe eben nach der „schwarzen Grete“ gegoogelt, um zu sehen, wie andere Leute über die Sage schreiben. Ihre Darstellung fand ich toll und sehr lebendig.
    Warum googelt man nach sowas?
    Mein Sohn und ich haben im vergangenen Jahr einen Kinderkrimi von der Schlei geschrieben:
    „Der Fisch der schwarzen Grete“
    Evtl. ist es ja auch etwas für ein Grundschulkind in Ihrer Umgebung, oder einfach als Ergänzung zu Ihrem Online-Auftritt.
    Wenn Sie ´mal schauen möchten, hier der Link:

    http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_ss_i_0_13?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=der%20fisch%20der%20schwarzen%20grete&sprefix=der+Fisch+der%2Caps%2C200

    Riko und ich würden uns über eine Antwort freuen.
    Lieber Gruß von der Schlei
    Hauke Eichner

    • Anja sagt:

      Hallo Hauke, hallo Riko,

      erst einmal vielen Dank für das nette Feedback und ebenso vielen Dank für den tollen Tipp mit Eurem Kinderbuch. Ich denke, meine kleine Nichte, welche im vorigen Jahr eingeschult wurde, wird sich über solch ein spannendes Buch als Geschenk sicher sehr freuen, denn sie ist schon genauso eine Leseratte wie ich es bereits in ihrem Alter war. Und bei dieser Gelegenheit, werde ich mir natürlich Eure Geschichte ebenfalls nicht entgehen lassen =)

      Ansonsten bin ich natürlich schon überaus gespannt die Gegend, in welcher die Schwarze Grete ihr „Unwesen“ treibt, im Juni mit meinem Partner persönlich kennen zu lernen und unsicher zu machen.

      Liebe Grüße in den schönen Norden

      Anja

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