Der Mühlhiasl – Vom Klostermüller zum berühmtesten Propheten Bayerns

Gipfelkreuz auf dem Zwiesel Bildquellenangabe: Gerhard Prantl  / pixelio.de

Gipfelkreuz auf dem Zwiesel
Bildquellenangabe: Gerhard Prantl / pixelio.de

Im Jahre 1923, als alle Welt gerade noch vollends damit beschäftigt war, die Schrecken des 1. Weltkrieges zu verkraften, veröffentlichte ein Pfarrer eine Sammlung beängstigender Prophezeiungen. Die Herkunft dieser Weissagungen geht auf das späte 18. Jahrhundert zurück, und ihr Urheber sollte ein menschenscheuer Bewohner des Bayerischen Waldes namens “Mühlhiasl” sein.

Drei große Weltkriege kündigten die Prophezeiungen an, denen ein “Goldenes Zeitalter” mit einem über tausend Jahre andauernden Frieden folgen werde. Der Umstand, dass die Sonne dann nicht mehr scheine und die Jahreszeiten nicht mehr stattfänden, trübt die Freude an diesen bevorstehenden, friedlichen Jahren allerdings ganz beträchtlich.
Diese, im wahrsten Sinne des Wortes, düsteren Zukunftsprognosen eines einfachen Mannes wirken umso beunruhigender, liest man sich die Vorzeichen durch, die auf das apokalyptische Geschehen hindeuten sollen:

“Wenn sich die Bauernleut gewanden wie die Städtischen und die Städtischen wie die Narren.”

“Wenn die Leut mit zweiradeligen Karren fahren, so schnell, daß kein Roß und kein Hund mitlaufen kann.”

“Wenn man die Leute, die einem begegnen, nicht mehr versteht, ist es nimmer weit zum schrecklichen End.”

 

Dies sind nur ein paar wenige Auszüge, welche ich einem interessanten Blogbeitrag des, von mir sehr gerne gelesenen, Honigmann entnommen habe. Sollten Sie an der ausführlichen Prophezeiung interessiert sein, schauen Sie bitte hier: http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/02/22/prophezeiungen-2012-muhlhiasl-von-apoig-1753/

Natürlich werden jetzt viele Leser sagen, dass ohnehin schon genügend Verschwörungstheorien durch das Internet geistern, und zudem das Fernsehprogramm voll von Endzeitvisionen und Zombiefilmen ist.
Ich frage mich allerdings, wie ein um 1753 geborener Hinterwäldler wissen konnte, dass Jahre später eine “eiserne” Straße über die Donau führt, und dass der Preis für einen Leib Brot in Inflationszeiten zu kaum mehr vorstellbaren Dimensionen in die Höhe schnellt?

Sollte der Mühlhiasl tatsächlich gelebt haben, und im Laufe seines Lebens wirklich von diesen bedrückenden Fiktionen heimgesucht worden sein, dann bleibt uns nur zu hoffen, dass sich nicht alle der Voraussagen bewahrheiten werden.

Fakt aber ist, dass sein Dasein immer noch sehr umstritten wird. Historiker durchstöberten über Jahre hinweg zahlreiche Archive, und versuchten unter Zuhilfenahme von Kirchenbüchern der Biographie des Mühlhiasl eine Form zu geben. Im Verlauf dieser Forschungen fanden sie heraus, dass sein richtiger Name Matthias Lang gewesen sein muss.
Der Mühlhiaslweg, welcher durch die niederbayerische Gemeinde Hunderdorf bis hin zu einer alten Mühle führt, weckt auch heute noch das touristische Interesse an dem maßgeblichen Geburtsort des berühmten Propheten. Zu des Mühlhiasls Zeiten war die Ortschaft allerdings noch unter dem Namen Apoig bekannt.

Bildquellenangabe: knipseline  / pixelio.de

Bildquellenangabe: knipseline / pixelio.de

Die Einwohner der Ortschaften des Regierungsbezirks Niederbayern glauben jedenfalls felsenfest an seine Existenz. In Zwiesel, wo der Mühlhiasl 1805 verstarb, wird noch heute davon berichtet, dass beim Transport des Toten genau über der Regenbrücke die Deichsel des Leichenkarrens brach. Der Sarg des Hiasl fiel dabei herunter, und durch den harten Aufprall öffnete sich sein Deckel. Zum Vorschein kam der Tote, dessen Arm sich kerzengerade, warnend zum Himmel empor streckte.

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3 Antworten auf Der Mühlhiasl – Vom Klostermüller zum berühmtesten Propheten Bayerns

  1. Ursula Kuhlmey sagt:

    Ich würde gern mehr über Mühlhiasel erfahren. Gibt es Literatur dazu?

  2. Anja sagt:

    Herzlichen Dank für den Hinweis, Gerhard. War eine Bildungslücke von mir und wird selbstverständlich sofort korrigiert 😉

    Lg aus Nürnberg
    Anja

  3. Gerhard sagt:

    Hallo Anja,
    ich hab gerade meinen Bildern nachgegoogelt; du hast es beim Mühlhiasl-Beitrag verwendet. (Keine Panik, is scho in Ordnung so.) Kleine Berichtigung zur Bildunterschrift: Des stäht ned in Zwiesel, sondern auf dem Zwiesel. Des is a Berg bei Bad Tölz in Oberbayern. Da ist zwar auch Wald, aber ned da Bayerische Wald.
    vg
    Gerhard

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