Der seltsame Vogel im Zittauer Gebirge

Bildquellenangabe: Marion  / pixelio.de

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Ein exzentrischer Zeitgenosse wird umgangssprachlich gerne als komischer Vogel oder auch Kauz bezeichnet. Schon seit dem 16. Jahrhundert wurden Außenseiter, die sich vom Einheitsbrei der Masse abhoben, mit der kleinen, ausschließlich nachtaktiven Eulenart in Verbindung gebracht, denn schließlich machte allein schon seine Lebensweise aus dem Kauz für die Allgemeinheit einen bizarr anmutenden Einzelgänger. Vielleicht haben sie sich sogar schon selbst einmal dabei ertappt, einen eigenbrötlerischen Mitmenschen mit dem Adjektiv “kauzig” zu charakterisieren.

Blick vom Hochmoor auf die Lausche Bildquellenangabe: Sylvia-Verena Michel  / pixelio.de

Blick vom Hochmoor auf die Lausche
Bildquellenangabe: Sylvia-Verena Michel / pixelio.de

Auf der Lausche, dem höchsten Berg des Zittauer Gebirges nahe des beliebten Lausitzer Urlauberortes Waltersdorf, soll seit vielen Jahren wiederholt ein wirklich absonderlich anzuschauender Vogel bemerkt worden sein. Die Sagenwelt liefert auch in diesem Fall einige Antworten zu den sporadischen Sichtungen dieser befremdlich anmutenden Erscheinung.

Das Zittauer Gebirge, welches zum Teil auf dem direkten Verlauf der Staatsgrenze der Tschechischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gelegen ist, diente vor ewigen Zeiten einem mächtigen Zauberer als Niederlassungssitz. Der Sohn des damaligen Königs vom Böhmerwald hatte die Gebirgswelt rund um die Lausche in jenen Tagen kurzerhand zu seinem persönlichen Jagdrevier auserkoren. Wieder einmal befand er sich auf der Suche nach lohnenswerter Beute und sollte diesmal tatsächlich einen majestätischen Adler erspähen. Der König der Lüfte schien sich verflogen zu haben, denn normalerweise sind Adler eher in Hochgebirgszügen als im Mittelgebirgsland vorzufinden.

Bildquellenangabe: Huelsmann Fotografie  / pixelio.de

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Der böhmische Prinz war wie zu erwarten keinesfalls gewillt, sich diese seltene Jagdtrophäe einfach so entgehen zu lassen. Zielsicher richtete er seine Armbrust gen Himmel, und nur wenige Sekunden später fiel der stolze Raubvogel nach einem letzten Schrei tödlich getroffen zur Erde nieder. Dummerweise purzelte der tote Adler aber ausgerechnet mitten in das wunderschöne, in prächtigen Farben erstrahlende Blumenbeet des Zaubers, und als wäre das nicht schon schlimm genug, riss der laute Aufprall den Magier auch noch aus seinem geruhsamen Mittagsschläfchen. Es ist leicht nachvollziehbar, dass der abrupt Erwachte stinkesauer war.

Bildquellenangabe: La-Liana  / pixelio.de

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Gleich darauf traf der Böhmenprinz auf der Suche nach seiner Jagdbeute am Ort des Geschehens ein. Anstatt sich aber höflich für die Störung auf dem Privatgelände des Zauberers zu entschuldigen, fragte der hochnäsige Königssohn völlig unverfroren: “Wieso liegst Du auch an so einem herrlichen Tag faul in Deiner Gartenlaube herum und verschläfst die Zeit?”. Das war ein nicht wieder gutzumachender Fehler!
Der Zauberer war über diese Taktlosigkeit so erzürnt, dass er all seine magischen Kräfte bündelte und den Prinzen auf der Stelle in einen ernsthaft komischen Vogel verwandelte. Seither stolziert dieser, mit langen, dünnen Storchenbeinen ausgestattet, über die Lausche. Sein Kopf aber ist so hässlich wie der eines Aasgeiers und sein Federkleid soll dem eines Hochseevogels sehr ähnlich sein.

Der Zauberer lebt schon längst nicht mehr, und auch von seinem einstigen Anwesen findet der Wanderer auf der Lausche keine Spuren mehr. Der skurrile Schreitvogel kann jedoch erst Erlösung finden, wenn ihn eines Tages ein anderer Jäger zur Strecke bringt.

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