Die barmherzige Marienstatue im Mainzer Dom

Zum heutigen 4. Advent und so kurz vor Weihnachten möchte ich eine Geschichte erzählen, die wieder einmal mehr beweist, dass Glaube und Religion an sich nichts Schlechtes sind. Es sind vielmehr die Menschen, welche oft nichts Gutes im Schilde führen, Misstrauen und Eiseskälte im Herzen tragen, und die unterschiedlichen Konfessionen für ihre niederen Zwecke falsch auslegen.

Der Mainzer Dom Bildquellenangabe: rzoeller  / pixelio.de

Der Mainzer Dom
Bildquellenangabe: rzoeller / pixelio.de

Es war vor vielen Jahren an einem frostigen Vorweihnachtsmorgen im Mainzer Dom. Da solch große, kolossale Kirchenbauwerke die Kälte regelrecht zu speichern scheinen, hatten sich die Besucher des frühen Gottesdienstes schon längst wieder auf den Heimweg begeben. Nur ein sehr betagter, in ärmliche Lumpen gekleideter Musikant befand sich noch im Inneren des Doms. Wie es einem auch heutzutage oft in den Fußgängerzonen und Einkaufspassagen größere Städte begegnet, hatte der alte Mann versucht, mit seinen Geigenmelodien die Menschen zu erfreuen und dabei auf den einen oder anderen Taler gehofft. Aber der Großteil der Mainzer war damals hartherzig, geizig und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht. So kam es, dass der hungrige und frierende Alte Zuflucht unter dem Kirchendach suchte und einer Statue der Heiligen Maria huldigen wollte.

Bildquellenangabe: Paul-Georg Meister  / pixelio.de

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Um die Jungfrau Maria gebührend zu ehren und ihr darüber hinaus sein Leid zu klagen, hatte er eigens für sie eine wohlklingende Weise komponiert, die er ihr jetzt voller Hingabe auf seiner Geige vorspielte. Gerade wie die letzten Töne seines Ständchens verklungen waren und er nach einem kurzen Schlussgebet den Dom endgültig verlassen wollte, hob die Marienstatue ihr linkes Bein und warf dem Musiker ihren Schuh, welcher aus purem Gold gegossen war, als Dank für diese außergewöhnliche Ehrbezeugung entgegen. Der Geiger war sprachlos vor Glück und voller Hoffnung, dass diese kostbare Gabe endlich seiner Bedürftigkeit ein Ende bereiten würde. Er lenkte seine Schritte auf direktem Wege zu einem Mainzer Goldschmied, um diesem Marias Schuh zum Kauf anzubieten. Der Goldschmied aber erkannte die Herkunft des wertvollen Stückes auf den ersten Blick und ließ sofort die Stadtwachen rufen.

Bildquellenangabe: Dieter Schütz  / pixelio.de

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Nun befand sich der alte Geiger schlagartig in einer noch prekäreren Lage wie vorher. Niemand glaubte seinen Unschuldsschwüren. Einerseits vergötterte man zwar die Jungfrau Maria, wahre Wunder, noch dazu gepaart mit solch einer Mildtätigkeit, traute man ihr wohl dann aber doch nicht zu.
Kirchendiebstahl galt als ein schlimmes Verbrechen und wurde ohne Zögern mit dem Tod bestraft. Das Urteil sollte sogleich, ohne Gewährung einer Gnadenfrist, auf dem Marktplatz vor dem Dom vollzogen werden. Allerdings wurde dem Geiger wie allgemein vor einer Hinrichtung üblich die Erfüllung einer letzten Bitte bewilligt. Der Musiker wünschte sich noch einmal ein Lied vor der unglückseligen Marienstatue spielen zu dürfen. Die versammelte Menge kam also seiner Aufforderung nach und begab sich mit ihm ins Domschiff zu Füßen der Statue.

Bildquellenangabe: Rike  / pixelio.de

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Der greise Barde sang und fiedelte dort auf solch anrührende Art und Weise, dass es auch noch dem letzten Zuschauer die Tränen in die Augen trieb. Und abermals geschah das Phänomen! Die heilige Jungfrau Maria hob diesmal das rechte Bein und ließ nun auch noch den zweiten Schuh in die Arme des verurteilten Geigers fallen. Alle Anwesenden sahen das Weihnachtswunder mit eigenen Augen, und auf der Stelle forderten unzählige Stimmen die Begnadigung des talentierten Musikers. Den städtischen Richtern blieb gar nichts anderes übrig, wie diesen zahlreichen Gesuchen stattzugeben.

Der Geiger brachte Marias Schuhe nicht abermals zu einem Goldschmied. Stattdessen überließ er sie dem Bischof von Mainz, der ihm im Gegenzug versprach, für eine respektable Unterkunft und ausreichend Nahrung auf Lebenszeit zu sorgen. Man sagt, die goldenen Schuhe sollen sich auch jetzt noch in der Schatzkammer des Bistums Mainz befinden.

Ich wünsche all meinen Lesern Frohe Weihnachten!

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