Die Nebelglocke auf Burg Altbodman

Bildquellenangabe: w.r.wagner  / pixelio.de

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Das Phänomen dichter Nebelschwaden tritt in Wassernähe aufgrund der dort ohnehin herrschenden höheren Luftfeuchtigkeit natürlich noch viel häufiger auf wie in anderen Landschaftsgebieten. Selbst der berühmte Londoner Nebel geht in seinen Ursprüngen auf die Themse und der hohen Anzahl an Regentagen in der Hauptstadt Großbritanniens zurück. Auch die Ortschaften am Überlinger See, dem nordwestlichen Ausläufer des Bodensees, hatten schon immer mit der blickbehindernten, dicken Luft zu kämpfen. Die Grafen von Bodman, von deren einst stolzem Wohnsitz seit anno 1643 nur noch Überreste stehen, griffen in vergangenen Zeiten auf eine sehr unkonventionelle Methode zurück, um jederzeit freie Sicht auf den See zu haben.

Bildquellenangabe: Wolfgang Pfensig  / pixelio.de

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Burg Altbodman war über viele Jahre hinweg mit einer sogenannten Nebelglocke ausgestattet, die immer dann geläutet wurde, wenn Nebel aufzog, und deren Klang die Dunstwolken zuverlässig vertrieben haben soll. Um eben diese Glocke kursiert in der Gegend eine Legende, die sich so fantastisch anhört, dass sie eigentlich eher schon ins Reich der Märchen eingeordnet werden müsste.

Einer der einstigen Burggrafen war besonders abenteuer- und reiselustig. Es zog ihn unaufhaltsam in die weite Welt hinaus, und er scheute sich auch nicht, seine hübsche junge Frau deshalb allein auf Burg Altbodman zurückzulassen. Da er jedoch wusste, dass seine Expeditionen nicht ganz ungefährlich waren und ihm leicht das Leben kosten konnten, ging er sogar so weit, der jungen Burgherrin zu empfehlen, sich sieben Jahre nach seinem Reiseantritt einen neuen Ehemann zu suchen.

Bildquellenangabe: La-Liana  / pixelio.de

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Bis in die unergründlichen Weiten der afrikanischen Wüstengebiete soll Graf Bodman vorgedrungen sein. Da man sich erzählt, dass seine zwei Bediensteten, die ihn auf der Reise begleiteten, dort das Paradies gefunden haben sollen, ist wohl davon auszugehen, dass sie den abenteuerlichen Trip nicht überlebten. Nach endlos erscheinenden, einsamen Tagen des Herumirrens in der sandigen Einöde stieß Graf Bodman endlich auf eine Behausung, dessen Bewohner sich ihm als das “Nebelmännle” vorstellte.

Das seltsame Männlein hatte Mitleid mit dem weitgereisten, völlig entkräfteten deutschen Grafen, wusste es doch zudem, dass dieser schon sieben lange Jahre unterwegs war und die daheimgebliebene Liebste am nächsten Tag einen anderen ehelichen würde. Es versprach ihm, ihn geschwind und noch rechtzeitig vor Beginn der Trauungszermonie nach Hause an den Überlinger See zu bringen, erbat sich dafür jedoch eine Gegenleistung. Der Graf solle dafür sorgen, dass künftig der Natur ihr freier Lauf gelassen werde, und nie wieder die Nebelglocke läuten. Graf Bodman willigte ein, wurde von dem Nebelmännle auf die Schulter gehievt, in Windeseile durch die Lüfte befördert und kurz darauf sicher vor Burg Altbodman abgesetzt.

Nach seinem ausgedehnten Aufenthalt in der Wüstenei, ohne Einsatz eines Rasiermessers, erkannte selbst die gastfreundliche Gräfin den abgerissenen, scheinbar Fremden, der da an ihr Burgtor klopfte nicht mehr. Nachdem Graf Bodman ihr jedoch seinen Ehering als Erkennungszeichen überreichte, war die Freude groß, und die Trauung mit dem Nebenbuhler wurde auf der Stelle abgesagt.

Die Nebelglocke hing noch bis zur Zerstörung der Burg im Dreißigjährigen Krieg in dem Gemäuer. Sie kam jedoch wie versprochen nie wieder zum Einsatz.

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