Die resolute Moosfrau in der Saalfelder Heide

Bildquellenangabe: Rolf Handke  / pixelio.de

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Im sächsischen Erzgebirge, dem Vogtland sowie auch in Thüringen ist ein kleines Völkchen zu Hause, welches ein bisschen an die Schlümpfe erinnert. Allerdings ist die Hautfarbe dieser Winzlinge nicht blau, sondern grün wie das Moos nach dem sie benannt sind. Die Moosmänner und -weiblein leben auch nicht in Pilzhäusern. Stattdessen bevorzugen sie hohle Baumstümpfe als Behausung, da sie sich dort besonders gut vor ihrem Erzfeind verstecken können, der nicht Gargamel heißt, allgemeinhin aber als “Wilder Jäger” bekannt ist. An Weihnachten kriechen sie gern aus ihren Wurzelstöcken hervor und leisten den Menschen, denen sie auch sonst meist freundlich gegenüber stehen sind, in ihren Siedlungen für ein paar Tage Gesellschaft.

Im Vogtland ist der Moosmann so beliebt, dass der Spirituosenhersteller Emil Reiher aus Lengenfeld gar einen leckeren Kräuterlikör ihm zu Ehren benannte. Die Schnitzer des Vogtlandes fanden indes, das diese speziellen Vertreter der Zwergenwelt auch eine ganz passable Figur als Räuchermännchen abgaben. Seither scheinen schon sehr viele dieser Moosmännlein Model gestanden zu haben und verschönern nun mit ihrem Anblick zur Weihnachtszeit zahllose deutsche Wohnzimmer.

Verderben sollte man es sich jedoch mit ihnen nicht, wie uns eine alte Geschichte aus dem thüringischen Saalfeld glaubhaft belegt:

Bildquellenangabe: sprisi  / pixelio.de

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Im Jahr 1635 war es, als der Bauer Hans Krepel zum Holzhauen in die Heidelandschaft um Saalfeld herum hinaus zog. Als er, ganz in seine Arbeit versunken, gerade dabei war einen besonders großen Baum zu fällen, kam auf einmal ein grünbekleidetes, zwergenhaftes Weiblein auf ihn zu und bat ihn flehentlich darum, er möge doch nach Abschluss seiner mühevollen Tätigkeit drei Kreuze in den Baumstamm ritzen. Hans Krepel nahm diese Bitte allerdings nicht sonderlich ernst und kam ihr deshalb am Feierabend auch nicht nach. Als er am darauffolgenden Tag abermals zur gleichen Stelle kam, um seine Holzfällertätigkeiten erneut aufzunehmen, wartete die kleine Gestalt dort bereits wieder auf ihn. Mit traurigen Augen sah sie ihn an und sprach: “Warum habt ihr uns nur Eure Hilfe verweigert? Jede Nacht jagt uns der Wilde Jäger. Nur drei in Baumstämme geritzte Kreuze vermögen ihn zu bannen. Wenn wir auf den so markierten Stämmen Schutz suchen, sind wir vor ihm sicher. Ansonsten fängt er uns und bringt uns zur Strecke.”.

Bildquellenangabe: jelep  / pixelio.de

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Der unbarmherzige Bauer aber kannte kein Mitleid. Wiederum ignorierte er die Fürbitte des Moosweibleins. Sekunden später sollte er diese Dummheit bitter bereuen. Wut und Enttäuschung verliehen der Moosfrau unglaubliche Kräfte. Das kleine Persönchen griff Hans Krepel an und verabreichte ihm eine gehörige Tracht Prügel, dass ihm Hören und Sehen verging. Noch tagelang nach dieser Attacke soll der bärenstarke Mann gezwungen gewesen sein, daheim in seiner Hütte das Bett zu hüten. Nach seiner langwierigen Genesung vergaß er niemals wieder, drei Kreuze in den Stamm zu ritzen, nachdem er einen Baum gefällt hatte.

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Eine Antwort auf Die resolute Moosfrau in der Saalfelder Heide

  1. Stefan sagt:

    Welch schöne Geschichte, da möchte ma sich doch glatt an die Ursprünge von Weihnachten zurückerinnern: http://wohlfahrt.com/allgemein/warum-feiern-wir-eigentlich-weihnachten

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