Die spitzbübischen Streiche von Burggeist Poppele

Die Hegauberge Hohenkrähen und Hohentwiel Bildquellenangabe: Albrecht E. Arnold  / pixelio.de

Die Hegauberge Hohenkrähen und Hohentwiel
Bildquellenangabe: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Der hochbetagte, längst erloschene Vulkanberg Krayen im Norden der Stadt Singen (Hohentwiel) ist seit anno 754 Standort der Hochburg Hohenkrähen. Zunächst im Klosterbesitz St. Gallens, brachte sie später einige ehrwürdige Rittergeschlechter des Hegau hervor. Obwohl die Geschichtsschreibung der Jahre 1307 bis 1546 von den Herrn von Friedingen als Burgbesitzer zu berichten weiß, so muss irgendwann im Laufe des 14. Jahrhunderts außerdem ein Schirmvogt namens Poppelius Mayer seinen Wohnsitz auf Hohenkrähen gehabt haben.

Poppelius war klein und von mickriger Gestalt. Seinen Kummer über diesen körperlichen Makel soll er dafür recht gern in einem guten Tropfen der berühmten Weinberge des Hegau ertränkt haben. In der Regel ist es nun aber so, dass dünne Menschen nach wesentlich geringeren Mengen Branntweins betrunken werden wie beleibte. So war es auch bei Poppelius, und der scharfsinnige Spruch “Alkohol macht Birne hohl.” kam bei ihm voll und ganz zum tragen.

Bildquellenangabe: bbroianigo  / pixelio.de

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Poppelius gelang es im Suff einfach nicht, seine Zunge im Zaum zu halten, und als er sich eines Abends mit einem Klostervorsteher, welcher auf der Durchreise um Herberge in Burg Hohenkrähen gebeten hatte, einer ausschweifenden Weinverkostung hingab, kam es wie es kommen musste: Ein Wort gab das andere, und der anfänglich heitere Umtrunk artete bald zu einem bösen Wortgefecht aus. Der rundliche Abt fühlte sich durch einen besonders fiesen Spruch des Burgherren schwer beleidigt und konterte mit den ebenfalls verletzenden Worten: “Ihr seht aus wie ein Hungerhaken. Ihr seit so dünn, dass ihr ohne Schwierigkeiten sogar durch ein Nadelöhr passen würdet.”.

Bildquellenangabe: Alexander Dreher  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Alexander Dreher / pixelio.de

Poppelius in seiner Rage ließ den Abt sofort ergreifen und in den Burgkeller werfen. Bei Wasser und Brot sollte er dort unten solange einer unfreiwilligen Diät unterworfen werden, bis er genauso dürr und schmächtig sei wie er. Tatsächlich wurde dem Abt erst wieder die Freiheit geschenkt, nachdem er tüchtig abgespeckt hatte und fast nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen schien.

Mit der ausgeprägten Rachsucht des Kirchenmannes hatte Poppelius scheinbar wiederum überhaupt nicht gerechnet. Von jeher lagerte in den Bibliotheken der Klöster, ähnlich wie auch heute noch in den geheimen Archiven des Vatikans, ein unschätzbar großes Wissen. Der Abt schnappte sich also nach seiner Heimkehr ein verbotenes Zauberbuch und stieß, unter dessen Zuhilfenahme, einen unheilvollen Fluch gegen Poppelius aus. Die Verdammnis sollte sich auch bald darauf erfüllen, denn der trunksüchtige Schirmvogt strauchelte im Vollrausch, fiel dabei die Burgtreppe hinunter und brach sich das Genick.

Ruine der Ritterburg Hohenkrähen im Hegau Bildquellenangabe: Henning Hraban Ramm  / pixelio.de

Ruine der Ritterburg Hohenkrähen im Hegau
Bildquellenangabe: Henning Hraban Ramm / pixelio.de

Verfluchten Leuten ist jedoch selbst im Tod keine Ruhe vergönnt. Und da das Poppele, wie das Gespenst seither genannt wird, keinen Seelenfrieden finden kann, so lässt er den auch bei keinem anderen zu. Ellenlang ist die Liste seiner Streiche und Übeltaten. Die Pfadfinder der GRAUEN Reiter, in deren verantwortungsvolle Hände die Burg seit dem 15. Februar 1956 gelegt wurde, können bestimmt ein Lied davon singen.

An einem Bach unterhalb des Hohenkrähen liegt Poppele oft auf der Lauer. Kommt ein Wanderer vorbei, schwuppdiwupp erhält er einen unvermuteten Stoss, und findet sich gleich darauf pitschnass in dem Gewässer wieder.

Bildquellenangabe: Rouven Weidenauer  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Rouven Weidenauer / pixelio.de

Den ehemaligen Wächter des Stadttores des etwa zehn Kilometer entfernten Radolfzell hatte sich das Poppele als ganz besonderes Opfer auserkoren. Mehrmals imitierte der neckische Burggeist mitten in der Nacht, direkt vor der Stadt die Töne eines Posthorns. Sobald sich der pflichtgetreue Wächter aus dem Bett gequält hatte, um die Tore für die vermeintliche Postkutsche zu öffnen, machte sich das Poppele schadenfroh kichernd aus dem Staube. Die Postkutsche bringt uns alsbald zu Poppeles nächsten Missetaten. Speziell auf Kutschen oder Wägen, die die Festung Hohenkrähen passierten, hatte es der Tunichtgut früher abgesehen. Beim Vorbeifahren blockierte er geschwind die Räder dieser Gefährte, und brachte sie somit zum Stillstand. Ob er diesen Jux auch heute noch mit modernen Autos betreibt? Nun mittlerweile sind wir zumindest schlauer wie die Äbtissin des Klosters Ummenhausen, welche einst eine der Leidtragenden von Poppeles Schelmenstück war. Ein kräftig ausgesprochener Fluch genügt, um die Räder wieder rollen zu lassen. Denn von Verwünschungen hat das Poppele ein für allemal genug, hat er doch damit in der Vergangenheit genügend schlechte Erfahrungen sammeln müssen.

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