Die verhängnisvollen Tiefen des Starnberger Sees

Bildquellenangabe: Moni Sertel  / pixelio.de

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Der Starnberger See, in früheren Zeiten noch als Würmsee bekannt, ist das zweitgrößte Gewässer Oberbayerns und liegt gar nicht weit von der Weißwurst-Hauptstadt München entfernt. Seine idyllischen Uferregionen sind mittlerweile fast ausschließlich von den Villen zahlungskräftiger Prominenz besiedelt. Der See selbst ist vor allem in den Sommermonaten ein beliebtes Ausflugsziel und Wassersport-Mekka für Surfer und Segler.

Bildquellenangabe: Petra Dirscherl  / pixelio.de

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Stille Wasser sind aber von jeher bekanntlich sehr tief, und so ist es gar nicht verwunderlich, dass der stellenweise erst nach 128 Metern zu findende Grund des Starnberger Sees so einige düstere Geheimnisse verbirgt. Das populärste Opfer, welches in den Wogen des Sees ums Leben kam, war Märchenkönig Ludwig II. von Bayern höchstpersönlich. Am Pfingstsonntag des Jahres 1886 abends um etwa 22:30 Uhr wurde die Leiche des Neuschwanstein-Erbauers aus dem seichten Ufergewässer gefischt. Immer noch ungeklärt ist, ob es sich damals um einen Mord oder um einen gelungenen Suizid-Versuch des Regenten, bei dem einige Ärzte immerhin verschiedene Geisteskrankheiten diagnostiziert hatten, handelte. Wenigstens hatte in seinem tragischen Fall der Starnberger See den Leichnam zumindest freigegeben. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2010 sollen fast 30 weitere Menschen in dem Badesse umgekommen sein, die vergeblich gesucht und bis heute nicht geborgen werden konnten.

Dass dieses tiefe Vorgebirgsgewässer schon in alter Zeit alles andere als friedvoll, sondern eher ziemlich tückisch war, belegt die überlieferte Sage von der Starnberger Seebraut.

Fischerhaus am Starnberger See Bildquellenangabe: Axel Hoffmann  / pixelio.de

Fischerhaus am Starnberger See
Bildquellenangabe: Axel Hoffmann / pixelio.de

In Schloss Berg am Starnberger See lebte einstmals ein dünkelhafter Adliger, dessen Tochter Aline sich in einen einfachen Fischer verliebte. Nur heimliche Dates waren dem Pärchen möglich, welche ausschließlich per Boot und zu nächtlicher Stunde in der Mitte des Sees stattfanden. Es kam jedoch wie es kommen musste. Der gestrenge Vater und Schlossherr roch den Braten und lauerte eines Morgens seinem Töchterlein auf dem Rückweg von ihrem Rendezvous am Strand auf. Zur Strafe verbannte er Aline in eine abgeriegelte und schwer bewachte Kammer des Schlosses, so dass es ihr nicht mehr möglich war, ihren Liebsten weiterhin zu treffen. Der junge Fischer konnte nicht ahnen, was geschehen war und fuhr Nacht für Nacht weiter hinaus auf den Starnberger See, in der Hoffnung dort seinem Herzblatt zu begegnen.

Bildquellenangabe: Axel Hoffmann  / pixelio.de

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Genau vierzig Nächte ging das Spiel weiter, in welchen der Fischerbursche von Mal zu Mal trübsinniger wurde. In der letzten Nacht zog ein schweres Gewitter auf. Das Boot des jungen Mannes wurde vom Blitz getroffen, und er selbst von den aufgewühlten Wassern hinabgerissen. Auch Schloss Berg blieb nicht von diesem Unwetter verschont. Ein Feuer brach aus. Die damit einhergehende Panik machte sich Aline zu Nutze, um ihrem Gefängnis endlich zu entfliehen. Ihr Fluchtweg führte sie ohne Zaudern zur Anlegestelle ihres Kahns am Starnberger See.

Bildquellenangabe: Melani Schaller  / pixelio.de

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In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter verflüchtigt, und der Mondschein schimmerte sanft auf den nunmehr wieder geglätteten Wellen des Sees. Aline ruderte zum bekannten Treffpunkt, fand aber dort nur noch das leere Boot ihres Liebsten vor. Ein Blick nach unten ins glasklare Wasser offenbarte ihr die schreckliche Wahrheit. Die Wasserleiche des Fischers schwankte im Seegras leicht hin und her und hatte die Arme nach oben gestreckt, ganz als ob er seine Herzdame bitten würde, zu ihm hinunter zu kommen. Aline zögerte nicht und stürzte sich kopfüber in den eiskalten See. Die Überreste des unglücklichen Liebespaares wurden nie geborgen. Der Starnberger See hält sie bis in alle Ewigkeit fest.

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2 Antworten auf Die verhängnisvollen Tiefen des Starnberger Sees

  1. Pingback: Mord in der Puppenstube » Der schwarze Planet

  2. Shan Dark sagt:

    wow, danke für die traurig-schöne Legende. Wenn sich die beiden in der Mitte des Starnberger Sees getroffen haben, mussten sie aber ganz schön viel rudern, so riesig wie der ist. Ich warz dort zwar noch nicht, aber auf den Bildern… tja, damals hat man für die Liebe noch einiges auf sich genommen.
    Was bayrische Seen angeht und deren Ungeheuer und Legenden, bin ich noch recht unbeleckt. Nur mit dem blutigen Alatsee hatte ich es schon mal hier: http://der-schwarze-planet.de/links-zum-abbiegen-jan-2013/
    Schon von dem gehört?

    Liebe Grusels
    Shan

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