Ei ja, ei ja, mei Vuglbeerbaam…

Bildquellenangabe: josupewo  / pixelio.de

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Die Eberesche gilt als absolutes Sinnbild meiner Heimat, und tatsächlich ist es so, dass bei mir, ganz egal wo ich am Wegesrand dem schmucken Baum mit seinen leuchtend roten Beerenfrüchten gegenüber stehe, ein kleines bisschen Heimweh aufkommt. Grund genug den Laubbaum, der bei uns im Erzgebirge schlicht und einfach Vogelbeerbaum heißt, und die mit ihm verbundenen, abergläubischen Legenden etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Meine Oma väterlicherseits sang mir früher oft die erzgebirgische Volksweise des Johanngeorgenstädter Dichters Max Schreyer vor, der lange Jahre als Förster in den heimischen Wäldern sein Revier hatte. Max Schreyer fasste in seinem Lied die erlesene Schönheit der Eberesche in Worte, und tatsächlich wurde ihm sein sehnlichster Wunsch erfüllt. Nach seinem Tod pflanzte man ihm einen Vogelbeerbaum auf seine Grabstätte in Pulsnitz. Aber natürlich kommt die Eberesche nicht nur in Sachsen vor. Sie ist im gesamten nord- und mitteleuropäischen Raum weit verbreitet. Schon unsere germanischen Ahnherren verehrten diesen besonderen Baum. Sie gaben ihm den Beinamen “Thors Schutz”, da Donnergott Thor in der reißenden Strömung eines Flusses die Äste einer Eberesche zu fassen bekam und sich nur so vor dem Tod durch Ertrinken retten konnte. In manchen Gebieten Deutschlands und Tschechiens glaubt man deshalb auch heute noch, die Zweige der Vogelbeere schützten sicher vor Blitzeinschlägen. Prophezeien die Wetterberichte schwere Gewitter, werden einfach Kränze aus dem Laub der Eberesche geflochten und auf die Dächer der Häuser gelegt.

Die Verehrung des Baumes war dem Christentum wie so vieles andere selbstverständlich ein Dorn im Auge. Kurzerhand verbreiteten sie die Geschichte, auf dem Grab des Jesus-Verräters Judas wäre eine Eberesche gewachsen. Letztendlich mussten wieder einmal mehr die Hexen herhalten, denn ihnen wurde nachgesagt, dass sie sich vor allem in den Walpurgisnächten die Zauberkraft des Vogelbeerbaums zu nutze machten.

Bildquellenangabe: Gabi Schoenemann  / pixelio.de

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Fürwahr soll die magische Energie der feuerroten Früchte nicht nur in den Lauterbacher Vuglbeertropfen zur Entfaltung kommen. Schweinezüchter fütterten ihre Tiere in früheren Zeiten mit Vogelbeeren, um sie gegen Krankheiten zu immunisieren. Ziegenhirten hingegen schätzen das Laub der Eberesche auch heutzutage noch als wirksames Heilmittel. Hätte der Leibhaftige in meinem Blogbeitrag zum Teufelsmoor, statt der Holzschuhe an den Füßen, lieber ein Stück Ebereschenholz im Mund getragen, hätte er sich auch nicht verlaufen, denn dies schützt vor Irrwegen. Die berühmten Wünschelruten, zur Auffindung kostbarer Wasseradern, werden ebenfalls bevorzugt aus dem Holz von Vogelbeerbäumen angefertigt.

Dass Amsel, Drossel, Fink und Star in der Tat scharf auf die Vogelbeerfrüchte sind, geht aus deren Namen deutlich hervor. In manchen Gegenden ist der Baum deshalb auch noch als Vogelspeierling, Drosselbeere oder Sperbeerbaum bekannt. Für uns sind die hübschen Beeren in rohem Zustand ungenießbar. Jedoch müssen wir Menschen die reichen Inhaltsstoffe der Vogelbeeren nicht zwingend in Form des vorhin erwähnten, herben Kräuterschnapses zu uns nehmen. Vogelbeer-Konfitüre schmeckt gleichermaßen lecker und enthält einen beträchtlichen Vitamin C-Anteil. Der außerdem beinhaltete Sorbit verschafft Linderung bei Leber- und Gallenerkrankungen. Zuviel des Guten kann jedoch Durchfall verursachen, da das Alditol Sorbit auch abführend wirkt.

Bildquellenangabe: Kurt GUTTERNIGG  / pixelio.de

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Zu guter Letzt möchte ich daran erinnern, dass die Eberesche einige, aus alten Bauernregeln abgeleitete Wetterprognosen beeinflusst. Trägt der Baum reiche Früchte, sehen die Erzgebirgler darin das untrügerische Anzeichen eines langen und eisig kalten Winters mit viel Schnee. Eine ertragreiche, nächste Kornernte ist jedoch ebenso gesichert.

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