Ein historischer Mordfall mit sadomasochistischem Hintergrund

Bildquellenangabe: Espressolia  / pixelio.de

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Für eine ganz spezielle Form der sexuellen Neigungen, den Sadomasochismus, standen der Marquis de Sade sowie der gebürtige Ukrainer Leopold von Sacher-Masoch als Namensgeber Pate. Donatien Alphonse François de Sade erblickte um 1740 in Paris das Licht der Welt, von Sacher-Masoch sogar erst um 1826 im damals noch zu Österreich gehörenden Lemberg. Die Lust am Schmerz und am Quälen ist jedoch schon viel, viel älter. In historischen Gerichtsakten fand sich ein erschütternder Fall, der sich zum Anfang des 17. Jahrhunderts im sächsischen Rochlitz ereignet hat.

Blick zum Schloß von Rochlitz Bildquellenangabe: Peter Heinrich  / pixelio.de

Blick zum Schloß von Rochlitz
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In der Stadt an der Zwickauer Mulde tauchte damals plötzlich ein ausgesprochen hässlicher Kerl auf, der sich selbst als Doktor Johannes Bucher vorstellte. Liest man sich seine Beschreibung durch, könnte man fast meinen, es hätte damals schon Anhänger des Emo-Kults gegeben. Er hatte tiefschwarze Haare, die auf der einen Seite lang, auf der anderen aber komplett abrasiert waren. Eigenartig ist, dass die Rochlitzer seinen angegebenen Arzt-Beruf tatsächlich für bare Münze nahmen. Normalerweise hätten die Leute schon aufgrund seines ausgeprägten Sprachfehlers stutzig werden müssen. Oder ist Ihnen tatsächlich schon einmal ein stark lispelnder und noch dazu stotternder Doktor über den Weg gelaufen?

Bildquellenangabe: A.Dreher  / pixelio.de

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Trotz aller dieser Merkwürdigkeiten begab sich bald darauf ein vom Schlaganfall getroffener Fleischermeister vertrauensvoll in Johannes Buchers Hände. Bei einem Besuch bei diesem Patienten lernte der groteske Arzt eine attraktive Frau aus der Nachbarschaft kennen, die schon frühzeitig verwitwet war. So hübsch die Dame anzuschauen war, so leichtgläubig war sie aber auch. Bucher suggerierte ihr problemlos, dass er in der Kunst des Handlesens bewandert wäre und sagte ihr ein katastrophales Schicksal voraus. Die junge Witwe war natürlich zutiefst bestürzt. Der richtige Moment für Bucher, um den verständnisvollen Tröster zu spielen. Er beschwor sie, sich ihm vorbehaltlos zu unterwerfen, dann würde es ihm schon gelingen, das drohende Unheil von ihr abzuwenden.

Bildquellenangabe: Focus440  / pixelio.de

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Die vertrauensselige Dame traf sich fürwahr freiwillig mit Johannes Bucher an einem einsamen Ort, ließ sich dort von ihm auspeitschen und war ihm auch ansonsten in jeglicher Hinsicht zu Willen. Drei volle Tage hielt sie dieses abartige Individuum gefangen und fügte ihr in dieser Zeitspanne unvorstellbare physische und psychische Schmerzen zu. Irgendwann waren die ununterbrochenen Misshandlungen zu viel für den Körper der jungen Frau, und sie hauchte ihr Leben aus.
Dem Bruder der Gemarterten kam das plötzliche Ableben seiner Schwester äußerst spanisch vor, denn er hatte im Vorfeld keinerlei Anzeichen einer ernsthaften Krankheit bei ihr bemerkt. Der trauernde Mann gab nicht nach, bis der von ihm verdächtigte Johannes Bucher von der Gendarmerie festgenommen wurde.

Winterlandschaft um das Schloß in Rochlitz Bildquellenangabe: Peter Heinrich  / pixelio.de

Winterlandschaft um das Schloß in Rochlitz
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Im Normalfall ist es so, dass Menschen, die anderen gerne Leid zufügen, selbst nicht viel auszuhalten imstande sind. Unter der Hand der Rochlitzer Folterknechte gab das Ungetüm Bucher schnell klein bei und lieferte der Stadt das Material für einen spektakulären Hexerprozess. Das ein gewöhnlicher Mensch durchaus perverse, sexuelle Triebe in sich tragen kann, überstieg zu jener Zeit jedwedes Vorstellungsvermögen. Folglich musste einmal mehr der Vorwurf von Zauber und Hexerei herhalten. Nachdem er ein umfangreiches Geständnis abgelegt hatte, welches unter anderem eine satanische Allianz mit einschloss, wurde der falsche Arzt und Sadist Johannes Bucher am 20. Juli 1608 in Rochlitz auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

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