Ein Wettrennen mit dem Nikolaus

Bildquellenangabe: wolfgang teuber  / pixelio.de

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Am kommenden Freitag, dem 6. Dezember, ist Nikolaustag. Kinder und junggebliebene Erwachsene gleichermaßen freuen sich dann wieder auf die Geschenke, die sie am Morgen in ihren Winterstiefeln vorfinden werden. Dass wir mit diesem Brauch den Todestag eines besonders großherzigen Mannes feiern, der vor vielen hundert Jahren das Amt eines Bischofs in der heutigen Türkei innehatte, weiß jedoch fast niemand.

St. Nikolaus wurde etwa 270 n. Chr. in der antiken Stadt Patara an der türkischen Mittelmeerküste geboren. Er war das Kind äußerst wohlhabender Eltern, die sehr früh verstarben und somit aus ihrem einzigen Sohn bereits in jungen Jahren einen vermögenden Mann machten. Nikolaus verhielt sich dabei völlig anders wie man es heutzutage leider von Sprösslingen aus reichem Hause meist gewohnt ist. Ich denke dabei nur einmal an einen großen, vor noch gar nicht allzu langer Zeit pleite gegangenen Betreiber einer Drogeriemarkt-Kette, der seine Angestellten ausbeutete und über Jahre hinweg bei der Gründung von Betriebsräten behinderte, seine beiden Kinder jedoch mit kolossalen Grundstücksgeschenken bedachte.
Der junge Nikolaus handelte hingegen völlig uneigennützig und verwendete sein Vermögen um Gutes zu tun und mittellosen Menschen aus der Not zu helfen.

Bildquellenangabe: Karl-Michael Soemer  / pixelio.de

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Unzählige Legenden ranken sich um die Edelmütigkeit dieses Mannes. Auch bei uns in Deutschland wird er hochverehrt. Da er nicht nur als Kinder- und Menschenfreund allgemein bekannt ist, sondern gleichzeitig auch die Funktion des Beschützers aller Seefahrer einnimmt, verwundert es kaum, dass eine der Kirchen der Hansestadt Greifswald ihm zu Ehren mit einer hölzernen Statue, die sein Abbild darstellte, ausgestattet war.
Vor einer Reihe von Jahren erwachte diese besagte Statue sogar einmal zum Leben.

Ein diebischer Spitzbube verschaffte sich in einer dunklen, mondverhangenen Nacht Zugang zu der Kirche, mit der Absicht sich das im Gotteskasten für die Bedürftigen gesammelte Geld unter den Nagel zu reißen. Wie er sich dem gut gefüllten Opferstock nähern wollte, entwickelte der hölzerne Arm des Heiligen Nikolaus plötzlich ein Eigenleben und deute direkt auf den Schurken. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht sprach jener Nikolaus an und forderte ihn auf, mit ihm ein Wettrennen um den Inhalt bis hin zu dem Gotteskasten zu veranstalten. Kaum hatte er die Herausforderung ausgesprochen, so rannte er auch schon los. Aber ähnlich wie in dem Märchen vom Hasen und dem Igel war Nikolaus bereits an Ort und Stelle, als der Dieb endlich am Ziel seiner Begierde angelangte.

Bildquellenangabe: Wilhelm Jansen  / pixelio.de

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Nun verlegte sich der Bandit auf ein flehentliches Bitten. Er argumentierte, dass St. Nikolaus ja aus Holz wäre und deshalb nie wie er Durst und Hunger leiden müsse. Ohne jedwede Gewissensbisse nahm er anschließend den Gotteskasten von seinem Sockel und suchte schleunigst das Weite.

Viel Zeit verblieb ihm nicht, um sich an den geraubten Geldstücken zu erfreuen. Es dauerte gar nicht lange, da war seine Zeit gekommen und Gevatter Tod stattete ihm seinen Besuch ab. Da die Statue des Nikolaus sich zwar bewegt hatte, aber schließlich nicht reden konnte, starb er als redlicher Mann, denn keiner wusste von seiner schändlichen Tat.

Bildquellenangabe: Michael Loeper  / pixelio.de

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Satan aber rieb sich die Hände und wartete bereits auf die befleckte Seele des Missetäters. Er schickte seine Helferteufel aus der Unterwelt nach oben, um den Leichnam des Diebes aus seinem Grab zu holen. Die Dämonen der Hölle trieben ihren Spaß mit ihm. Noch ein letztes Mal zogen sie ihn an seiner Beute vorbei, bis hinaus vor die Mauern der Stadt, wo zu dieser Zeit noch eine Windmühle stand. An deren Flügel hängten sie den Dieb kopfüber auf, und als immerwährendes Mahnmal für die Folgen seines Frevels sollen sich diese seither ausschließlich rückwärts gedreht haben.

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Eine Antwort auf Ein Wettrennen mit dem Nikolaus

  1. Barbara sagt:

    Anja, wenn die Reichen es so machen würden wie Nikolaus, dann wäre viel, viel weniger Elend auf unserer Erde. Ein tolles Beispiel dieser „Chlaus“ und ein gutes Vorbild – ob gestern heute oder morgen.
    In meinem neusten Beitrag habe ich einige (eigene) Bilder von Myra, dort wo Nikolaus wirkte, eingefügt. Ich war im februar 2008 dort.
    Liebe Grüsse
    Barbara

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