Eine gräfliche Mätresse namens Schneewittchen

Bildquellenangabe: Joujou  / pixelio.de

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Märchen gehören unabdingbar zur Weihnachtszeit. Früher waren es “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” oder die alten russischen Märchenfilme wie “Feuer, Wasser und Posaunen” die mich vor der Flimmerkiste fesselnden. Später freute ich mich gemeinsam mit meinen Freunden jedes Jahr an Weihnachten auf einen neuen Teil von “Prinzessin Fantaghirò”, und in diesem Jahr kann ich es kaum erwarten, bis am 12. Dezember “DER HOBBIT 2: Smaugs Einöde” im Nürnberger CINECITTA startet.

Als die Kinoleinwände und das Fernsehen noch nicht erfunden waren, fanden sich die Menschen zu vorweihnachtlichen Treffen in den zahlreichen Spinnstuben oder bei mir zu Hause im Erzgebirge in den Hutzenstuben der Klöpplerinnen ein, um sich gegenseitig phantasievolle Geschichten zu erzählen. Aber sind diese Märchen, die von den Brüdern Grimm im frühen 19. Jahrhundert gesammelt und auf Papier festgehalten wurden, tatsächlich nur frei erfunden?
In meinem Blogbeitrag “Waren Hänsel und Gretel ein mörderisches Nürnberger Geschwisterpaar?” berichtete ich schon darüber, was der tschechoslowakische Kinderbuchautor Hans Traxler bei seiner Fahnung nach den wahren Ursprüngen dieses bekannten Märchens herausfand. Seine Nachforschungen beschränkten sich nicht allein auf die Hintergründe der Knusperhexe, über Schneewittchen brachte er ebenfalls erstaunliche Dinge zutage:

Bildquellenangabe: Joujou  / pixelio.de

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Als Graf Maximilian XII. noch Herrscher der Pfälzer Reichsburg Falkenstein war unternahm er eines Tages mit seiner Ehegattin eine Schlittenfahrt durch den schneebedeckten Winterwald. Bei dieser Gelegenheit gaben sie sich ganz ihren gemeinsamen Träumen hin, die sich um eine Tochter drehten, deren Haut weiß wie der frisch gefallene Schnee sein sollte. Der Graf wünschte sich außerdem rabenschwarze Haare und blutrote Bäckchen für sein Kind. Wie das gräfliche Paar gerade so schön am Schwärmen war, stießen sie während der Fahrt auf eine junge Anhalterin, die, der Zufall wollte es wohl so, genau diesem Schönheitsideal entsprach. Bei dem Mädchen handelte es sich um die Tochter des Schultheiß Ebersberg aus dem bayerischen Amorbach. Welcher Umstand die gebürtige Odenwälderin ausgerechnet an jene Stelle in der Pfalz verschlagen hatte, bleibt bis heute ungeklärt.

Bildquellenangabe: Peter Heinrich  / pixelio.de

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Maximilian bestand darauf, dass Mädchen mit auf die Burg zu nehmen und bot ihr eine Stelle als Haushälterin an. In seiner Ehegattin aber wuchs die Eifersucht, da sie rasch bemerkte, dass ihr Angetrauter alles andere wie väterliche Gefühle für die schöne Fremde hegte. So passte sie die erstbeste Gelegenheit ab, um das Mädchen wieder aus den herrschaftlichen Diensten entlassen zu können. Der Graf mochte seine Angebetene nur ungern wieder aus den Augen verlieren, so dass er ihr eine neue Anstellung in einem Altersheim für ausgediente Hofnarren verschaffte, wo er sie auch in Zukunft recht häufig besuchte. Da bekanntlich zwergenwüchsige Menschen bevorzugt als Hofnarren engagiert wurden, ist es ein Leichtes daraus zu folgern, wer die sieben Zwerge waren, die sich um Schneewittchen scharten.

Blüte der Tollkirsche (Belladonna) Bildquellenangabe: Jürgen Vieweg  / pixelio.de

Blüte der Tollkirsche (Belladonna)
Bildquellenangabe: Jürgen Vieweg / pixelio.de

Der Gräfin Falkenstein waren die vielen Ausflüge ihres Gemahls natürlich ein Dorn im Auge. Mit Belladonna, dem tödlichen Gift der Schwarzen Tollkirsche, versuchte sie die Rivalin aus dem Weg zu räumen. Die gewählte Dosis erwies sich jedoch als zu gering. Schneewittchen fiel zwar vorübergehend in einen komaähnlichen, tiefen Schlaf, erbrach aber das giftversetzte Apfelmus, als die Sargträger bei ihrem Transport stolperten. Dem Grafen gelang es, seiner Ehefrau den versuchten Mord nachzuweisen, und sie aus diesem Grund für immer hinter Klostermauern abzuschieben.

Seiner Liaison mit Schneewittchen stand nun nichts mehr im Wege, und nach dem Tod der verstoßenen Ehefrau führte er es auch endlich vor den Traualtar. Der gläserne Sarg kam erst viele Jahre später zum Einsatz. In solch einem Behältnis wurde Schneewittchen nach ihrem eigenen Tod nach Straßburg überführt und dort bestattet.

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