Frau Gaude und ihre Hundeschar

Zwickau Juni 2013 021Mal ehrlich, irgendwie wünschen wir uns doch alle, wenn wir am Weihnachtsabend unsere Blicke in Richtung Himmel lenken, dort den Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten durch Wolken und Sterne fahren zu sehen.
Die Bewohner Norddeutschlands haben eventuell eine größere Chance, solch ein eigentümliches Gefährt am Firmament zu entdecken. Allerdings wird dieser Schlitten nicht von rotnasigen Rentieren gezogen, und bei dem, auf so ungewöhnlich reisende Art, Passagier handelt es sich auch nicht um den guten alten Santa. Es ist Frau Gaude, eine nordische Variante von Frau Holle, die sich dort zwischen dem Heiligen Abend und Silvester mit ihren Jagdhunden durch den Nachthimmel bewegt.

Aber wieso tut sie das? Was sind ihre Beweggründe? Die Legende weiß Folgendes darüber zu berichten:

Bildquellenangabe: Emmanuel Yankey  / pixelio.de

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Frau Gaude hat vor langer, langer Zeit einmal tatsächlich auf dieser Erde gelebt und war mit vielen Kindern gesegnet. Vierundzwanzig Töchter sollen es gewesen sein. Frau Gaude hatte eine leidenschaftliche Passion und gab dieses Verlangen ebenfalls an ihre Töchter weiter. Nichts liebte sie mehr wie die Jagd. Es bedeutete für sie das Paradies auf Erden, in den Wäldern des Nordens auf die Pirsch zu gehen. Oft sprach sie den Wunsch aus, dieser Rausch solle niemals enden, auch nach ihrem Tode nicht. Ein von den Kirchenmännern versprochenes Leben im Himmelsreich erschien ihr alles andere als erstrebenswert. Als sie eines Tages dieses Verlangen vor ihren Töchtern wieder einmal in Worte fasste, verwandelten sich die Mädels vor ihren Augen in kräftige Jagdhunde. Vier von ihnen ersetzten sofort die Pferde des großen Schlittens, mit dem sie eben noch mit der Mutter unterwegs gewesen waren. Schnell hoben sie mit ihm ab in Richtung Himmelszelt, verfolgt und umkreist von ihren hündischen Schwestern, wo sie seither unermüdlich umherpreschen. Doch nur in der Weihnachtszeit sind sie für Menschen sichtbar.

Bildquellenangabe: reinerdu  / pixelio.de

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An Weihnachten bedauern die jungen Hündinnen es besonders und machen ihrer Mutter schwere Vorwürfe, dass sie aufgrund ihres unüberlegten, voreiligen Ausspruchs dazu verdammt sind, rastlos durch alle Zeiten zu ziehen. Deshalb hält Frau Gaude jedes Jahr aufs Neue in den Rauhnächten Ausschau nach geöffneten Haustüren. Wird sie tatsächlich fündig, so bringt sie eine ihrer Töchter ins Haus, und die Bewohner sind, ob sie es nun wollen oder nicht, ab da Besitzer eines kleinen, drolligen Hundewelpen, der sie nun jedoch Nacht für Nacht um den Schlaf bringt, da er sobald die Dunkelheit hereinbricht herzzerreißend gen Himmel heult.

Bildquellenangabe: Gabriela Macke  / pixelio.de

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Es wäre wünschenswert, Frau Gaude würde die künftige Pflegefamilie ihrer kleinen Hündchen etwas sorgfältiger aussuchen. Eine ihrer Töchter setzte sie nämlich zwischen den Jahren bei einem absolut gefühlskalten Ehepaar in Bresegard bei Parchim ab. Die beiden waren von dem kläglichen Winseln des Jagdhundwelpen so genervt, dass sie ihn einfach kaltblütig ermordeten. Gut bekommen ist ihnen diese Untat jedoch nicht. Der Hundekadaver verwandelte sich am darauffolgenden Tag in einen Stein und kehrte auf eigentümliche Weise immer wieder in das Haus zurück. Egal, was das Paar auch versuchte um ihn loszuwerden, es sollte ihnen nicht gelingen. Augenblicklich zogen von da an Elend und Krankheit in dem Haus ein, bis es letztendlich sogar bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Auch wenn nicht alle ihrer Abkömmlinge gut behandelt wurden, so ist Frau Gaude doch den Menschen gegenüber, vor allem aber kleinen Kindern, freundlich gesinnt. Es kommt oft vor, dass sie selbst auf Hilfe angewiesen ist. Hauptsächlich Kreuzwege machen ihr schwer zu schaffen. An solchen Stellen hat sie seltsamerweise immer wieder Schlittenpannen und kann ja schwerlich den ADAC rufen.

Kreuzweg-Stationen im Schnee Bildquellenangabe: H.D.Volz  / pixelio.de

Kreuzweg-Stationen im Schnee
Bildquellenangabe: H.D.Volz / pixelio.de

In der Nähe von Conow half ihr eines Nachts ein anständiger Mann die Deichsel auszuwechseln. Die Jagdhunde nutzten die Zeit, um in Ruhe ihr Geschäft im Schnee zu verrichten. Als der Schlitten wieder intakt war, bat Frau Gaude ihren Helfer diese Hundehäufchen einzusammeln. Daraufhin war der Mann doch ziemlich empört und empfand diese Bitte als reine Zumutung. Frau Gaude beschwichtigte ihn und sprach, er würde dieses “Geschenk” bald zu schätzen wissen. Neugierig geworden, packte er nun doch eines der Häufchen in einen Beutel und nahm es mit. Er staunte nicht schlecht, wie er zu Hause einen großen Klumpen echten Goldes in dem Beutel vorfand. Mit Sicherheit hätte er sich am liebsten selbst in den Hintern gebissen, dass er nicht alle Hundehäufchen eingesammelt hatte, denn bei seinem erneuten Gang zu besagtem Kreuzweg fand er den umliegenden Schnee rein und weiß, wie wenn nie etwas geschehen wäre, vor.

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