Frau Holles kostbares Vermächtnis

Es dauert nun gar nicht mehr so lange, dann ist es wieder so weit. Zwischen September und Oktober beschert uns die Natur ein Geschenk der ganz besonderen Art in Form von reifen schwarzen Beeren. Verarbeitet zu leckerer Suppe, Kaltschale, Sirup, Saft oder Punsch stärken die tiefschwarzen Früchte unser körpereigenes Immunsystem und schützen uns so seit Alters her nachhaltig vor energieraubenden Erkältungskrankheiten.
Ganz gewiss haben die meisten von Ihnen schon erraten, dass hier vom Schwarzen Holunder die Rede ist. Seine reifen Früchte werden im Volksmund auch “Hollerbeeren” genannt und weisen allein durch diesen Namen schon auf die Schutzpatronin der Holunderbüsche hin, der germanischen Muttergöttin Holla. Im gesamten deutschen Raum ist sie als alte Holunderfrau, oder besser noch als Frau Holle bekannt. Nun erkennen Sie vielleicht auch schon die Vergleichslinien. Richtig!
Schneemarie = die weißen Holunderblüten zwischen Mai und Juni
Pechmarie = die schwarzen Holunderbeeren im September und Oktober

Bildquellenangabe: Erika Hartmann  / pixelio.de

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Nur wenigen Menschen wurde im Laufe der Zeit die Ehre zuteil, Frau Holle einmal persönlich zu begegnen. Nur sehr selten verlässt sie ihren angestammten Wohnsitz auf dem Hörselberg bei Eisenach. Im Frühjahr aber, wenn die Zweige der Hollerbüsche sich unter der schweren Last ihrer schneeweißen Blütensterne biegen, kann man sie mit etwas Glück in einer Vollmondnacht zu Gesicht bekommen. Augenzeugen beschrieben Frau Holle als kleines, humpelndes Weiblein, bekleidet mit einem schwarzen Rock, einem weißen Schal sowie einer weißen Haube. Als Stütze führt sie stets einen knorrigen Wanderstab aus Holunderholz mit sich.
Aber selbst wenn Frau Holle gewöhnlich nicht mit eigenen Augen gesehen werden kann, so ist es dennoch in vielen Gegenden Deutschlands Brauch, im Vorbeigehen vor Holunderbüschen den Hut zu ziehen, und ihr so die gebührende Ehrerbietung zu bezeugen.

Bildquellenangabe: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de

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Nicht nur den Blüten und Beeren des Schwarzen Holunders werden magische Kräfte nachgesagt. Das Holz der meist verwachsenen Sträucher wurde zur Herstellung von Pflöcken verwendet, um Vampire für immer in ihren Gräbern zu bannen. Leichen wurden gerne auf Holunderzweige gebettet um ihre Seelen friedlich in den Himmel zu geleiten. Sargtischler nahmen ausschließlich mit Holundergerten Maß, und die Kutscher früherer Leichenwägen benutzen ebenfalls Peitschen aus Holunderruten.

Wenn Sie ebenfalls die Heilkräfte von Frau Holles Gabe an uns Menschen schätzen und im kommenden Herbst einen wohlschmeckenden Saft wie auf http://www.heilkraeuter.de/rezept/holunder-saft.htm einmal selbst zubereiten möchten, dann vergessen Sie bitte nicht, einzig die reifen Früchte zu ernten und bloß keine rohen Beeren zu verzehren. In ungekochtem Zustand enthalten die Beeren, ebenso wie die Blätter und Rinden der Büsche, hochgiftige Blausäure. Erst durch den Kochvorgang wird das Toxin völlig unschädlich gemacht, und sie können den hohen Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen danach völlig unbeschwert genießen.

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Eine Antwort auf Frau Holles kostbares Vermächtnis

  1. Schmid, Holger Karsten sagt:

    Nimm mein Buch „Frau Holle, die nordische Göttin Hulle und ihr Gefolge“ ruhig mit in Deine Literaturempfehlungen. Ich würde mich gerne mit Dir austauschen!

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