Göttervater Odins Heimstatt

Bildquellenangabe: Ralph Karow  / pixelio.de

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Bad Godesberg, bis 1969 eine eigenständige Stadt im Tal des Rheins, heute geschichtsträchtiger Stadtteil von Bonn, hat seine Wurzeln in einer uralten, germanischen Kultstätte. Göttervater Odin selbst soll im Wodansberg residiert haben. Dort wo sich heute der Turm der Godesburg, welche anno 1210 von den Franken erbaut wurde, dem Himmel entgegen reckt, huldigten noch einige Jahrhunderte früher ubische Priesterinnen dem Hauptgott der nordischen Mythologie. Vor allem im Juni, zu den Zeiten der Sommersonnenwende, zogen die Westgermanen in großen Scharen zu dem erloschenen Vulkanberg, um Odin die Ehre zu erweisen und um seinen Segen einzuholen. Insgesamt siebenmal umrundete jeder Pilger den Wodansberg zu diesem Zwecke.

Der Kriegsgott selbst, der gleichzeitig auch noch das Amt des Totengottes und, was weitaus weniger plausibel erscheint, des Gottes der Poesie und Dichtkunst inne hatte, ließ sich relativ wenig davon stören. Unverdrossen hielt er im Bergesinneren seine Götterräte ab, stets seine beiden Wölfe und das Rabenpaar Hugin und Munin an der Seite. Selbst einen Pferdestall für seinen achtbeinigen, reitbaren Untersatz namens Sleipnir wird es wohl im Wodansberg gegeben haben. Für sein weibliches Wohlergehen sorgten übrigens zwölf Vertreter des stolzen Zwergenvolkes, deren handwerkliche Fertigkeiten, technisches Geschick und magisches Wissen Odin überaus schätzte. Darüber hinaus sollen ihm ein Dutzend feuriger Landsknechte und ein weiteres Dutzend Blumengeister, nicht zu verwechseln mit den späteren Blumenkindern der Hippiezeit, ebenfalls als Bedienstete zur Verfügung gestanden haben. Nur wenn Sturmböen den Wodansberg umbrausten, dann wussten die gläubigen Germanen, dass Odin sein Methorn aus der Hand gelegt hatte und ihnen durch das orkanartige Getöse ein sicheres Zeichen seiner Anwesenheit gab. Von tiefer Ehrfurcht ergriffen, knieten sie in solchen Momenten nieder.

Denkmal von Odin Bildquellenangabe: pitty666  / pixelio.de

Denkmal von Odin
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Obwohl der alte Germanengott einen wesentlich sympathischeren Eindruck hinterlässt wie die alten, verknöcherten Greise des Vatikan, so erwartete er von seiner Hauptpriesterin dennoch absolute Jungfräulichkeit und Hingabe. Seiner letzten offiziellen Hohepriesterin fiel es nach einer der Mittsommerfeiern immer schwerer, ihr Gelübde weiterhin einzuhalten. Zu den besagten Feierlichkeiten war ein selbstbewusster und ansehnlicher, germanischer Krieger erschienen, der ihr sofort ins Auge fiel und der ihr Herz im Sturm erobert hatte. Da die Priesterin jedoch ihren Treueid gegenüber Odin keinesfalls zu brechen bereit war, der Krieger aber auch das Gefühl hatte, ohne die Nähe der Geliebten nicht mehr leben zu können, entschloss er sich, ebenfalls enthaltsam zu leben und ihr als zweiter Priester auf dem Wodansberg beiseite zu stehen.

Germanische Methörner Bildquellenangabe: KFM  / pixelio.de

Germanische Methörner
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Lange Jahre lief alles gut, doch dann holte die aufkommende Christianisierung auch das spätere Bad Godesberg heim. Immer mehr westgermanische Stämme wurden von den Missionaren überrumpelt und zum Teil mit blutiger Gewalt dazu gezwungen, Odin und allen anderen alten, germanischen Göttern abzuschwören. Nun endlich hatte der Göttervater ein Einsehen und erlaubte seinen beiden Getreuen, ihr Keuchheitsgelöbnis abzulegen. Gemeinsam griffen sie zu den Waffen, warben die Anhänger ihres traditionellen Glaubens an und zogen den anmaßenden Christen entgegen. Doch es war eine Schlacht, die sie nur verlieren konnten. Schon zu groß war die Menge der Bekehrten geworden.

Odins Altar auf dem Wodansberg sollte nun abschließend als letztes Bollwerk der alten Götter erobert und zu Fall gebracht werden. Die Feinde waren nicht mehr aufzuhalten. Zum allerletzten Mal nahm das Priesterpaar daher die rituellen Handlungen vor, ging danach Hand und Hand zur höchsten Stelle des Berges und stürzte sich gemeinsam in den Abgrund. Ich bin mir sicher, Odin hat die Beiden im Götterpalast Walhalla willkommen geheißen.

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