Graf Saumagen – Der Hofnarr August des Starken

Bildquellenangabe: Claus Zewe  / pixelio.de

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Schon seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges steht der 1. April auch im gesamten deutschen Sprachgebiet ganz im Zeichen der Narren. Unsere Vorfahren glaubten voller Überzeugung daran, mit allerlei Schabernack und Klamauk bevorstehendes Unheil abwenden zu können. Ich halte diese Meinung ebenfalls nicht für abwegig, denn gute Laune ist gesund, und ein Tag ohne Lachen erscheint mir von jeher vergeudet zu sein. Wer will schon ständig in depressive, verbiesterte Gesichter schauen?

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Zum Glück gab und gibt es quer durch alle Jahrhunderte immer wieder Menschen, die es verstehen, ihre anderen Zeitgenossen aufzuheitern und ihnen ein strahlendes Lächeln auf das Antlitz zu zaubern. Genauso einer muss Joseph Fröhlich gewesen sein, der im Alter von 31 Jahren von August dem Starken als Hofnarr in seine Dienste gestellt wurde.

Fröhlich erfreute sich nicht nur am Kurfürstlichen Sächsischen Hof, sondern in ganz Dresden äußerster Beliebtheit. Da er von den Künstlern seiner Zeit recht gern auf Zeichnungen dargestellt wurde, wissen wir, dass eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Comedian Dirk Bach, der den Hofnarr übrigens tatsächlich 2011 in dem Bühnenstück “Die Mätresse des Königs” bei den Zwingerfestspielen verkörperte, nicht abzustreiten war. Neunundneunzig verschiedene Gewänder ließ Friedrich August I. von Sachsen für seinen ulkigen Possenreißer anfertigen. Es ist nicht überliefert, ob diese Menge an unterschiedlichen Kostümierungen durch den Verschleiß notwendig wurde, oder ob sie durch die große Abwechslung nur noch mehr zur Belustigung der höfischen Gemüter beitragen sollte.

Bildquellenangabe: Marco Barnebeck  / pixelio.de

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Sogar einen Adelstitel bekam Hofnarr Fröhlich vom Kurfürst verliehen. Graf Saumagen durfte er sich nennen und mit diesem Titel auch Dokumente unterzeichnen. Wobei mich dieser Name eher an einen anderen Hanswurst erinnert, der von 1982 bis 1998 über Deutschland herrschte. Fröhlich versprach Sachsen keine blühenden Landschaften und hielt sich auch sonst von politischen Ränkespielen gänzlich fern. Er tat lieber das, was er wirklich am besten konnte: Er hielt die Leute am kurfürstlichen Hof mit immer wieder neuen, lustigen Streichen bei Laune und verbreitete Frohsinn.

Aber auch an ihm ging der Ernst des Lebens nicht vollständig vorbei. Er liebte seine Kinder über alles und wollte seinen Nachwuchs gerne abgesichert sehen, zumal ihm zwei seiner Sprösslinge durch schlimme Krankheiten schon frühzeitig wieder entrissen wurden. Als seine Ehegattin ihm nun eines Tages erneut einen potentiellen Stammhalter zur Welt brachte, setzte Fröhlich einen besonders cleveren Einfall in die Tat um, um seinen Jungen in späteren Jahren gut versorgt zu wissen.
Er machte sich die Mühe, für jede einzelnen Person, die dem Kurfürstlichen Hofstaat zu jener Zeit angehörte, eine individuelle Einladung zur Taufe des Kindes zu verfassen und überbrachte diese Schreiben eigenhändig der versammelten Menge mit der Bitte, sie mögen ihm doch alle die Ehre erweisen und Taufpaten für seinen neugeborenen Sohn sein. Nicht einer der Adligen war imstande, das drollig hervorgebrachte Gesuch des Joseph Fröhlich abzuweisen, und da man sich mit einer Patenschaft auch gleichzeitig der Fürsorge gegenüber dem Kinde verpflichtet, konnte der Hofnarr seitdem um einiges ruhiger schlafen.

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Das Narrenhäusel, welches Joseph Fröhlich alias Graf Saumagen in Dresden bewohnte, wurde leider 1945 im Bombenhagel der Alliierten zerstört. Seit 1978 erinnert jedoch an dieser Stelle ein bronzenes Abbild des Magdeburger Bildhauers Heinrich Apel an sein heiteres Leben und Wirken.

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2 Antworten auf Graf Saumagen – Der Hofnarr August des Starken

  1. Als „zweiter Hoftaschenspieler“ war Johann Gottfried Graf -besser bekannt als Hofnarr „Baron“ Schmiedel- am königl.-poln. und kursächsischen Hof tätig. Zusammen mit FRÖHLICH bildeten sie jahrzehnte zusammen ein weithin bekanntes Paar.
    Unter der Webadresse baron-schmiedel.beryllweb.de wird seine Vita ausführlich beschrieben.
    11. September 2015

  2. Oh Holde derer von Rutkowski
    selbigst ich dato Euero neumodisch Zeilen gelesen
    war ich hoch erfreuet über den fröhlichen Fröhlich zu lesen
    Nun stellen wir diese Figur in Persona im Magischen Zirkel Dresden
    seit 35 Jahren zum Ergötzen des Publiko dar
    Gibt es nach unseren Forschungen zahlreiche Leut ,vorallem in Karnevalver-
    einigungen die in seine Fußstapfen treten
    Falls Ihro spezielle Fragen habet ,so seyet Ihr bei uns an rechter Stelle
    Semper fröhlich ,der Narr seyner Maj.
    oder Andreas Höffken

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