Landmarkierung mit dem „roten Wisch“

Eigentlich hatte ich einen längst überfälligen Besuch bei Mutti bereits am 07.12. vergangenen Jahres geplant, aber das erhöhte Arbeitsvolumen im Dezember machte mir einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. So kam es, dass ich dem Wunsch meiner Abteilungsleiterin entsprach, und meinen Urlaub in den Januar verschob. Etwas traurig war ich schon, denn als Erzgebirglerin zieht es mich vor allem in der Adventszeit in die Haamit. Dann, wenn unzählige Lichterbögen mit warmen Glanz die Stubenfenster schmücken, ist bei uns die schönste Jahreszeit.

20150121_132613Nun aufgeschoben muss bekanntlich nicht gleich aufgehoben sein. Nicht überall wird die weihnachtliche Pracht im Neuen Jahr sofort beiseite geräumt. Als ich meine Reise in heimische Gefilde vor ein paar Tagen nun endlich nachholen konnte, fanden wir recht schnell heraus, dass einige der zahlreichen Weihnachtsausstellungen sogar noch bis Ende Februar bestaunt werden dürfen. Diesmal zog es uns jedoch nicht direkt ins Erzgebirge. Vielmehr war das vogtländische Rodewisch unser gewähltes Ausflugsziel. Schon längere Zeit hatte ich mir vorgenommen, das Museum Göltzsch auf der dortigen Schlossinsel zu besichtigen. Meine Mama erfüllte mir den Wunsch gerne, und pünktlich zu dieser Ausfahrt hüllte Frau Holle die Welt in Puderzucker. So kam tatsächlich auch noch im Januar verspätete Weihnachtsstimmung auf.

20150121_141420Inmitten der halb zugefrorenen Flussläufe von Göltzsch und Pöltzsch machte die Schlossinsel einen regelrecht verträumten Eindruck. So, als wäre die Zeit hier ein kleines bisschen stehengeblieben. Von der Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert ist leider nur noch das Fundament zu sehen. Dafür stellt das Renaissanceschlösschen aus dem 16. Jahrhundert einen sehr hübschen Blickfang dar.

20150121_141433Selbstverständlich existiert auch über Rodewisch eine interessante Sagengeschichte, welche eine plausible Erklärung dafür sucht, warum das Wappen der vogtländischen Kleinstadt ausgerechnet drei auf rotem Tuch angeordnete Kegel zieren.

Da Rodewisch anno 1411 erstmals in Urkunden Erwähnung findet, muss es wohl schon früher gewesen sein, als in Schöneck ein Graf lebte, der noch die alten nordischen Götter verehrte. Ein gewisser Graf von Planschwitz aus Plauen begehrte die Tochter dieses Schönecker Adligen zur Frau. Er wünschte jedoch unbedingt, dass seine künftige Gattin wegen ihm zum Christentum konvertierte. Der alte Schönecker war strikt dagegen, und Streitigkeiten dieser Art wurden dazumal wie man weiß sehr schnell mit dem Schwert ausgetragen. Tatsächlich gelang es dem Graf von Schöneck seinen Kontrahenten niederzustrecken. Er nahm dem Sterbenden als Trophäe dessen blutgetränkte Leibbinde ab und beschloss, Odin zum Dank, den ersten Menschen, der ihm bei der siegreichen Heimkehr entgegenkam, als Opfer darzubringen. Nur sollte dieser Mensch unglücklicherweise seine eigene, heißgeliebte Tochter sein.

20150121_132811Dass ein Ritter des alten Glaubens wortbrüchig wurde, kam einfach nicht in Frage. Egal wie schwer es den Grafen von Schöneck traf, der Tag der Opferfeierlichkeiten musste festgelegt werden. Die Grafentochter hatte jedoch verständlicherweise nicht die geringste Lust, bereits in so jungen Jahren als Walküre in Walhalla zu enden, und so flüchtete sie eines Nachts aus dem väterlichen Wohnsitz. Als einziges Andenken nahm sie die verhängnisvolle, vom Blut ihres toten Freiers tiefrot gefärbte Schärpe mit, auf das sie ihr in der Zukunft Glück statt Unglück bringen möge.

20150121_141400Ihr langer, beschwerlicher Fluchtweg zu der Verwandtschaft des Grafen von Planschwitz führte sie genau dort entlang, wo Göltzsch und Pöltzsch ineinander münden. An die Stelle, wo sich inmitten der beiden Flussarme eine saftige, grüne Wiese erstreckte. Dieser friedliche Flecken Erde gefiel dem Mädchen so ausgesprochen gut, dass es beschloss sich akkurat hier ein Anwesen erbauen zu lassen. Um den Ort später auch wirklich wieder finden zu können, band sie die blutige Schärpe an einem Haselnussstrauch fest.

20150121_132637Die Strecke von Rodewisch nach Plauen lässt sich heute in gerade einmal 30 Minuten Fahrtzeit gut bewältigen. Die Schönecker Grafentochter benötigte zu jener Zeit dafür allerdings noch einige Tage, kam aber zum Schluss wohlbehalten bei der Sippe ihres ehemaligen Bräutigams an. Sie wurde liebevoll aufgenommen und trat ohne Zögern zum Christentum über. Nach dem Tod ihres mitleidlosen Vaters setzte sie ihren Plan in die Tat um und ließ das Rittergut auf der heutigen Schlossinsel erbauen. Aus der blutigen Schärpe hatten Wind und Wetter inzwischen einen „roten Wisch“ geformt, und somit war der Name der neuen Siedlung geboren, die bald darauf rund um den Adelssitz herum aus dem Boden wuchs.

Freilich bleibt nach wie vor die Frage offen, wie die drei Kegel zusätzlich zur blutroten Schärpe ihren Weg ins Stadtwappen fanden. Wobei die Symbolik der Kegel noch dazu für ganz Deutschland einzigartig ist.

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Eine Antwort auf Landmarkierung mit dem „roten Wisch“

  1. Ich kann nur sagen: Bei uns in Deutschland ist es überall sehr schön

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