Lieber tot als Sklave!

Bildquellenangabe: Jan von Bröckel  / pixelio.de

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Mutige Männer und Frauen, die lieber stehend starben als kniend lebten, hat es quer durch alle Zeitalter gegeben. Aus den Reihen dieser nennenswerten Persönlichkeiten ragt unter anderem ein Fischer, der im Mittelalter auf der Nordseeinsel Sylt beheimatet war, hervor. Erfolgreich trotzte er zu seiner Zeit den gierigen dänischen Besatzern. Zum Dank für sein Heldentum lebt er bis zum heutigen Tag in den Herzen der Sylter weiter. Der Dichter Detlev von Liliencron widmete dem Fischer Pidder Lüng eine hübsche Ballade und am 14. Dezember 2013 wurde sogar ein Seenotrettungskreuzer auf seinen Namen getauft.

Bildquellenangabe: Sven L.  / pixelio.de

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Henning Pogwisch, der Abkömmling eines namhaften Bordesholmer Rittergeschlechts, war zur damaligen Zeit als Amtmann in der deutsch-dänischen Grenzstadt Tondern eingesetzt. Sein Aufgabengebiet umfasste in jener Zeit auch die Eintreibung der Steuer, des sogenannten Zehnten, von den ohnehin schon schwer geplagten Sylter Fischern. Da ihm längst zu Ohren gekommen war, dass es da in Hörnum einen Kerl gab, der nicht länger dazu bereit war, das Wenige, was er sich hart erarbeitet hatte und was ihm zum Leben übrig blieb, auch noch an die unersättliche Obrigkeit abzugeben, beschloss er eines Tages, dem Aufsässigen höchstselbst einen Besuch abzustatten. Der Widerhall des Schlachtrufs “Lieber tot als Sklave!” war längst von der Insel über das Meer bis nach Tondern vorgedrungen, und bereitete Pogwisch schlaflose Nächte. Solch Frevel galt es auszumerzen!

Der Amtmann scharte also einen Haufen bezahlter Söldner um sich, und vergaß natürlich ebenso wenig die Begleitung eines Pfaffen auf seinem bevorstehenden Beutezug. Wenn es um die Befriedigung der weltlichen Habsucht geht, hat sich die Kirche ja gewöhnlich noch nie lange bitten lassen.

Bildquellenangabe: Jutta Kühl  / pixelio.de

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Nach der Überfahrt auf die Insel umzingelte der Trupp waffenklirrend die armselige Fischerkate des rebellischen Pidder Lüng. Pidder und dessen Familie saß gerade beim Mittagsmahl zusammen und wollten sich eben den deftig zubereiteten Grünkohl schmecken lassen, ein Gericht welches sich übrigens auch heute noch auf Sylt ganz besonderer Beliebtheit erfreut. Lautstark polterte Ritter Henning, das Priesterlein am Rockzipfel hängend, in die Hütte und forderte von Pidder die sofortige Herausgabe der überfälligen Steuer. Doch der stolze Fischer zeigte sich erneut unnachgiebig. Es entspann sich ein äußerst hitziger Disput, der langsam aber sicher zu eskalieren drohte. Schon drehte sich Henning Pogwisch auf dem Absatz um, um seine Söldner zur Hilfe zu rufen. Da sprang Pidder Lüng wie von der Tarantel gestochen vor, packte den Amtmann im Nacken und tauchte ihn schonungslos in den großen Topf voller Grünkohl hinein. Solange, bis der Gierhals keinen einzigen Mucks mehr von sich gab.

Was danach geschah, können Sie sich leicht selbst ausmalen. Die Söldner stürmten, von dem entsetzten Priester herbeigerufen, die Fischerhütte und stachen Pidder Lüng unbarmherzig nieder. Der aber starb mit den letzten Worten “Lieber tot als Sklave!” auf den Lippen und setzte damit ein unüberhörbares Zeichen für alle nachfolgenden Generationen freiheitsliebender Friesen.

Auch der norddeutsche Musiker Achim Reichel hat ihm auf seinem Album “Regenballade” ein immerwährendes Denkmal gesetzt:

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