Die Zahnfee gibt’s nur in Amerika

Bildquellenangabe: franziska borngräber  / pixelio.de

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Seit Dienstag werde ich von meinem Schatz mit den eigentümlichsten Kosenamen bedacht. Backenhörnchen, Hamster oder auch Frosch sind nur einige der liebevoll-scherzhaft gemeinten Bezeichnungen, die er mir verleiht. Grund dafür sind die hartnäckig anhaltenden Auswirkungen des gefühlt längsten Zahnarztbesuches meines bisherigen Lebens. Wobei die Entfernung des fast waagerecht im linken Kieferknochen verankerten Weisheitszahnes noch das geringste Übel darstellte. Die parallel dazu stattgefundene Wurzelspitzenresektion eines nebenan sitzenden Backenzahnes stellte sich als wesentlich zeitaufwendiger und unangenehmer dar. In den knapp zwei Stunden, in welchen mir Dr. Pain im Mundwerk herumfuhrwerkte, empfand ich zwar keine Schmerzen, hatte aber den Eindruck und die nervige Geräuschkulisse einer Kreissäge mitten in meinem Kopf. Mein sehnlichster Wunsch war es in diesen Augenblicken, doch auf der Stelle die Zahnarztpraxis mit einem Tattoostudio vertauschen zu können. Egal wie viele Tätowierungen dabei entstanden wären, und ganz egal an welchen Körperstellen!

Marsa Alam Oktober 2012 545Nun komme ich also seither mit dem Wechseln der Eisbeutel fast gar nicht mehr nach, sehe zumindest von der linken Gesichtshälfte her betrachtet einem Kugelfisch ziemlich ähnlich und ernähre mich ausschließlich von Speisen in breiiger Konsistenz. Für den Fall, dass es meinen Göttergatten danach gelüstet, in meinem Beisein Schnitzel, Schäufele oder ähnliche leckere Sachen zu verzehren, habe ich bereits mit Lynchmord gedroht. Dass ich meinen Mund derzeit nicht sehr weit aufzureißen vermag, dürfte einige meiner Mitmenschen bestimmt freuen. Aber wenigstens habe ich zwischenzeitlich wieder die Muse, mich per Laptop von der Couch aus der restlichen Welt mitzuteilen. Der aktuelle Anlass brachte mich dann auch auf das heutige Thema.

Bildquellenangabe: Bernd Kasper  / pixelio.de

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Die Zahnfee ist garantiert nichts weiter wie eine Figur aus reißerischen, amerikanischen Horrorfilmen. In den vergangenen drei Jahren wurden drei Weisheitszähne bei mir entfernt und nie fand ich anschließend irgendwelche Kohle unter meinem Kopfkissen. Weder einen 100 Euronen-Schein noch überhaupt einen einzigen, müden Cent. Die spinnen die Amis! Aber Geld ist ja bekanntlich nicht alles. Viel besser wie der schnöde Mammon wäre es doch, niemals im Leben überhaupt Zahnschmerzen erleiden zu müssen. Gibt es denn wirklich nichts, mit dem diese elendige Quälerei verhindert werden kann?

Bildquellenangabe: Siegfried Bellach  / pixelio.de

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Im alten Volksbrauchtum Mecklenburg-Vorpommerns wurde ich schließlich fündig. Warum nur wusste meine Oma nichts davon? Lag es daran, dass Tante Martha, ihre Schwester, erst 1945 von Ostpreußen nach Schwerin umsiedeln musste und die abergläubischen Riten ihrer neuen Heimat daher nicht so gut kannte? Sie war es doch aber auch, die mir im Vorschulalter dazu riet, eine Wegschnecke über die Warze auf meinem Handrücken kriechen zu lassen. Ob es wirklich geholfen hätte, weiß ich bis heute nicht, hielt mich doch der Ekel vor den glitschigen Tierchen von der Umsetzung dieses Ratschlages ab. Falls ja, wäre es aber garantiert weniger qualvoll gewesen wie das Abbrennen des kleinen Hautgeschwulstes durch den Arzt, zu dem mein Vater mich später dann schleppte.

Bildquellenangabe: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de

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Nun, auch die mecklenburgischen Tipps zur Vermeidung von Zahnweh sind nicht gänzlich ohne, wie sie wahrscheinlich beim Lesen gleich merken werden:

Hätten meine Eltern den ersten Zahn, der mir in der Kindheit gezogen wurde, zu Asche verbrannt und mir diese dann unters Essen gemischt, dann wäre es ein für allemal zu Ende gewesen mit Zahnschmerzen jeglicher Art. Wem dies nun wirklich richtig widerlich erscheint: Kein Problem, den gezogenen Zahn über einen Ofen hinwegzuschmeißen, hätte ebenfalls schon geholfen.

  • Ziemlich schwer dürfte es werden, in einer Stadtwohnung von Mäusen angefressenes Brot zu finden. Ob es eine Zuchtrennmaus aus der Zoohandlung ebenfalls tut? Den gängigen Hygienevorschriften dürfte es dann zwar genauso wenig entsprechen, aber der Verzehr dieses angenagten Mäusefutters soll ebenfalls nachhaltig vor Zahnschmerzen schützen.
Bildquellenangabe: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

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Was Mäuse betrifft handelten die Mütter im Süden Deutschlands übrigens erst recht Ekel erregend. Diese bissen nämlich einer lebendigen Maus den Kopf ab und hingen diesen dann als Amulett um den Hals ihres Säuglings, um dem Baby das Zahnen zu erleichtern. Da ich Tiere über alles liebe und respektiere, ja tatsächlich auch Mäuse, bitte ich dringend von Nachahmungen jeglicher Art abzusehen!

Nun aber wieder zurück zu den abergläubischen Mecklenburgern:

Reste eines von einem Blitz getroffenen Baumes Bildquellenangabe: Burkhardt Preuß  / pixelio.de

Reste eines von einem Blitz getroffenen Baumes
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Unsere alten Götter, insbesondere Thor, scheinen auch beim Kampf gegen den Zahnschmerz recht hilfreich zu sein. Suchen Sie sich einen vom Blitzschlag getroffenen Baum, brechen Sie von diesem einen Holzsplitter ab und stochern Sie damit ein wenig im wunden Zahn herum. Wenn Sie den Splitter dann wieder zurück in den Baum stecken und schnell von dannen gehen, wird sich auch der Schmerz verziehen. Nebenbei bemerkt, soll es auch wirksam sein, direkt in den kaputten Baum hineinzubeißen. Ich stelle mir den Anblick jedenfalls recht lustig vor. Ich könnte zwar vor Wut ganz gerne einmal in meine Tastatur beißen, aber gleich in einen Baum…? Na, jedem das Seine!

Es gab auch Leute, die haben ein Stück Brot zerkaut und dieses dann in einen Ameisenhaufen hinein gespuckt. Angeblich sollen die nervtötenden Zahnschmerzen dann nur noch solange andauern wie die Ameisen brauchen, um die Überreste des Brotes zu vertilgen. Vorsicht, auf dem Nachhauseweg darf nicht zurückgeblickt werden. Ich habe allerdings keine Ahnung, was anderenfalls passiert. Lots Weib erstarrte ja zur Salzsäule. Hat jemand in Meckpomm schon mal Termitenhügel gesehen?

Bildquellenangabe: Dieter Schütz  / pixelio.de

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Zu guter Letzt soll es auch recht förderlich sein, wenn man jemanden, der über Zahnweh klagt, eine ordentliche Maulschelle verpasst. Der Schreck darüber vertreibt die Schmerzen im Nu. Aber bitte helfen Sie auf diese Art und Weise nur einer wirklichen Person Ihres Vertrauens, denn seit ungefähr fünfundzwanzig Jahren scheint es in Gesamtdeutschland schwer in Mode gekommen zu sein, wegen jedem noch so kleinen Fliegenschiss gleich mit dem Rechtsanwalt zu drohen. Und sie wollen doch nicht riskieren, von einem ihrer besten Freunde oder gar dem eigenen Bruder verklagt zu werden?!

Nun, ehrlich gesagt, sind mir all diese vorab geschilderten Methoden doch etwas suspekt und viel zu abstrakt. Wirklich gute Erfahrungen konnte ich bisher nur mit der vorübergehenden Anwendung der guten, alten Gewürznelke sammeln. Aber auch dieses antibakteriell und schmerzlindernd wirkende Naturheilmittel kann den Gang zum Guschenklempner, so der sächsische Begriff für Zahnarzt, leider nicht ewig verhindern. Freuen wir uns also lieber, dass die Zahnmedizin seit dem Mittelalter erhebliche Fortschritte gemacht hat, und wir uns nicht mehr zum nächsten Markttag die Zähne von einem dilettantischen Stümper ziehen lassen müssen.

Ich wünsche Ihnen allen eine lange, zahnschmerzfreie Zeit!

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Die weiße Nonnenfigur im märkischen Wutzsee

Neue Leute kennenzulernen, kann unheimlich Spaß machen, und mit diesen unterschiedlichsten Menschen dann zu diskutieren, Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen noch viel mehr. Genau zu diesem Zwecke treibe ich mich in verschiedenen Facebook-Gruppen und Google Plus-Communitys herum, die sich mit meinen Hobbys und Interessengebieten befassen. In einer dieser Gemeinschaften stieß ich unlängst auf einen bemerkenswerten Beitrag über das Kloster Lindow, welches der berühmte, klassische Schriftsteller Theodor Fontane bereits in zwei seiner bekanntesten Werke erwähnte. Das Kloster liegt gar nicht weit vom Wutzsee entfernt, und das Gruppen-Mitglied beschrieb sehr ausführlich eine unheimliche Aura, die dieses Gewässer zu umgeben scheint.

Bildquellenangabe: Ines Pufahl  / pixelio.de

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Der Text wurde noch dazu mit einigen Fotos und alten Postkarten ergänzt, auf denen nicht nur das beinahe 800 Jahre alte Kloster zu sehen war, sondern auch die Skulptur einer Nonne im Ufergewässer des Wutzsees. Nun war mein Forscherdrang natürlich geweckt. Was macht die Nonne eigentlich im See? Welche Geschehnisse haben sich vormals wohl dort ereignet, dass man die Zisterzienserin dort verewigt hat?

Die Sage berichtet darüber folgendes:

In der Stadt Lindow lebte vor vielen Jahren das Edelfräulein Amelie. Wie es der Zufall so will, lernte die hübsche Tochter sehr reicher Eltern irgendwann Jakob, einen Sohn armer Landarbeiter, kennen und lieben. Doch ihre Eltern wehrten sich natürlich vehement gegen solch eine unstandesgemäße Verbindung und warfen der Liebe zwischen den jungen Leuten nichts als Steine in den Weg. Dabei gingen sie sogar so weit, dass sie ihrer einzigen Tochter ein trostloses Leben innerhalb der Klostermauern Lindows zumuteten und Amelie dorthin verbannten.

Doch der tiefen Zuneigung zwischen Jakob und Amelie vermochte dieses unfreiwillige Exil nichts anzuhaben. Jakob richtete sein gesamtes Streben und seine ganze Energie allein nur noch darauf, wie er seine traurige Liebste aus den Fängen des Klosters Lindow befreien könnte. Nächtelang schabte und kratzte er an einer gut verborgenen Stelle der Klostermauern, bis es nach langer, mühevoller Arbeit endlich gelang: Der Durchbruch war geschafft, und er konnte seiner geliebten Amelie nun endlich zur Freiheit verhelfen.

Wutzsee Bildquellenangabe: Christiane Hergl  / pixelio.de

Wutzsee
Bildquellenangabe: Christiane Hergl / pixelio.de

Was danach jedoch wirklich geschah, ist im Nebel der Zeiten untergegangen. Das Paar wurde in der gesamten Ostprignitz nie wieder gesehen. Sind die beiden etwa in dunkler Nacht elendiglich im Wutzsee ertrunken? Oder schafften sie es tatsächlich, ihren Häschern zu entkommen, und konnten sich fern von der Heimat ein neues, besseres Leben aufbauen? Gegen einen positiven Ausgang der Geschichte, sprechen eindeutig die nächtlichen Kratzgeräusche, die man immer wieder in Sichtweite des Klosters gehört haben will. Denn wer anders als die melancholischen Geister von Jakob und Amelie sollte wohl sonst diese unerklärlichen Töne verursachen?

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Die fuchsteufelswilden Rheinländer

Da ich nicht nur ein ausgesprochener Fantasy-Liebhaber, sondern darüber hinaus auch noch ein richtiger Serienjunkie bin, steht bei mir die NBC-Mystery-Serie “Grimm” ganz besonders hoch im Kurs. Die Hauptprotagonisten zeichnen sich zwar zum Großteil durch etwas exzentrische, aber auch durch extrem liebenswerte Eigenschaften aus. Meine absoluten Favoriten sind der, stark an einen Werwolf erinnernde, Blutbader Monroe und seine zukünftige Braut Rosalee, ihres Zeichens Fuchsteufel. Rosalee Calvert hat nicht nur einen charmanten Charakter, den man sich gerne wünscht zur Freundin zu haben. Wenn sie sich bei Aufregung in ihre niedliche Wesens-Gestalt verwandelt, muss man sie ganz einfach gern haben.

Was brachte die Produzenten auf solche Ideen? Was steckt hinter der Fantasy-Figur Fuchsteufel? Ich bin der Sache einmal nachgegangen, und stieß dabei auf eine uralte Sage aus dem Rheinland.

Unterwegs im Taunus Bildquellenangabe: Peter Freitag  / pixelio.de

Unterwegs im Taunus
Bildquellenangabe: Peter Freitag / pixelio.de

Im rheinischen Teil des Taunus-Gebirges liegt die Gemeinde Wasenbach. Die Einheimischen dort glauben ganz fest daran, dass in ihrer näheren Umgebung vor längst vergangenen Zeiten ein leibhaftiger Fuchsteufel sein Unwesen trieb. Mit der sympathischen Rosalee konnte dieser unheilvolle Dämon jedoch nicht im Entferntesten verglichen werden, denn er war gefürchtet und brachte nur Tod und Unheil über die Wasenbacher.

Seinen Unterschlupf hatte der Fuchsteufel in einer verborgenen, nur sehr schwer zugänglichen Höhle in einem Waldstück am Fuße des Kümmelsbergs. Er muss dort mit einer ganzen Schar seiner Vasallen gehaust haben, die im gesamten Umland als ganz normale mitteleuropäische Rotfüchse in Erscheinung traten. Sie vermehrten sich rasant, ihre Zahl wuchs sehr schnell an, und so gingen auch die oftmals folgenschwer endenden Begegnungen zwischen Mensch und Fuchs enorm nach oben.

Bildquellenangabe: Kurt F. Domnik  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Der Biss eines Fuchses aus der Wildweiberhöhle bedeute das sichere Verderben. Anfänglich verspürte der Gebissene lediglich einen unangenehmen Juckreiz. Schon bald gesellten sich jedoch hohes Fieber und starkes Kopfweh hinzu. Der Betroffene musste sich erbrechen, und von da an nahm die Katastrophe unaufhaltsam ihren Lauf. Nach nur wenigen Tagen wurde der Erkrankte zusehends verwirrter, halluzinierte, litt unter Krämpfen und erreichte schließlich solch einen wütenden Zustand, den man allgemeinhin als “fuchsteufelswild” bezeichnet. In diesem Stadium griff er jeden, der ihm über den Weg lief, ohne Vorwarnung an und verletzte seine Mitmenschen schwer. Dies ging unweigerlich so weiter, bis er irgendwann mit Schaum vorm Mund ins Koma fiel und dann endlich verstarb. Unzählige Einwohner Wasenbachs und seiner umliegenden Ortschaften fanden auf diese Art ein frühzeitiges Ende, und gaben dem fuchsgesichtigen Teufel aus den Tiefen des Kümmelsberg die Schuld daran. Wie auch anders hätten sie sich die unheimlichen Vorgänge sonst erklären sollen?

Bildquellenangabe: Anguane  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Anguane / pixelio.de

Obwohl der Fuchsteufel aus nicht näher erläuterten Umständen bereits vor vielen Jahren endgültig aus der Höhle verschwunden ist, wir inzwischen natürlich genau über die Gefahren der “Tollwut” bescheid wissen und über ausreichend Mittel verfügen, uns vor dieser Virusinfektion effektiv zu schützen, soll es in seinem ehemaligen Versteck noch immer nicht mit rechten Dingen zugehen. Vorwitzige Kinder, welche die Wildweiberhöhle beim Versteckspielen entdeckten und nutzten, krochen angstschlotternd wieder aus ihr hervor, und berichteten von einem mulmigen Gefühl und Kälteschauern, die sie plötzlich überfallen hätten. Da man fernerhin auch annimmt, dass sich hier eine mittelalterliche Kultstätte befunden hat, wird die Höhle wohl noch lange geheimnisumwittert sein.

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Brennnesseln – Nerviges Unkraut oder Geschenk der Natur?

Bildquellenangabe: Gila.H  / pixelio.de

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In meinem bisherigen Leben ist es nicht nur einmal vorgekommen, dass ich mich buchstäblich und im wahrsten Sinne des Wortes in die Nesseln gesetzt habe. Wer mit den schmerzhaften Brennhaaren der Großen Brennnessel und dem ätzenden Zellsaft, welchen die Pflanzen absondern, in Berührung kommt, hat die Lacher anschließend hundertprozentig auf seiner Seite. Besonders unangenehm machen sich die juckenden Bläschen am Hinterteil. Bei der Suche nach einem Stillen Örtchen in den Weiten von Mutter Natur sei es daher tunlichst angeraten, besonders achtsam zu sein. Ich spreche da wirklich aus eigener Erfahrung!

Dabei ist die Brennnessel keineswegs nur das lästige Unkraut, als das sie allzu gerne betrachtet wird. Bis ins Jahr 1720 hinein wurde sie in Deutschland sogar als Kulturpflanze zur Fasergewinnung großflächig angebaut. Kleidungsstücke aus Nesselfasern gelten als derart strapazierfähig, dass die Uniformen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zu einem Großteil aus diesem natürlichen und vor allem preiswerten Material hergestellt wurden.

Bildquellenangabe: Naturfreund  / pixelio.de

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Dass die Sprödigkeit der feinen Nesselhärchen schlicht und einfach durch Kieselsäure verursacht wird, konnten unsere Ahnen natürlich noch nicht wissen. Für sie war ein frecher Dämon daran schuld, der in den Pflanzen wohnte, und sie wegen ihrer Unachtsamkeit mit dem lästigen Brennen bestrafen wollte. Der Pflanzengeist zeigte aber durchaus nicht nur angriffslustige Seiten. Die Große Brennnessel erwies sich oft auch als außerordentlich hartnäckig, wenn man ihr denn zu Leibe rücken wollte. Da die Pflanzenstauden manchmal noch dazu in den eigentümlichsten Formen wucherten, machte im Verbund mit dieser Zähigkeit schnell das Gerücht die Runde, sie wüchsen bevorzugt an Stellen eines unaufgedeckten Verbrechens.

Bildquellenangabe: Richard von Lenzano  / pixelio.de

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Eines dieser allgemeinhin als “Brennnesselmann” bezeichneten, eigenwilligen Gewächse steht schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf dem Gelände der ehemaligen Burg Hirschberg bei Balingen herum. Vor langen Zeiten soll hier, genau an dieser Stelle, ein Mensch grausam zu Tode gekommen sein. Da es dem Mörder gelang, ungeschoren zu entwischen, und er nun niemals mehr seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann, stellt der Brennnesselmann ein unausrottbares Mahnmal dieser verwerflichen Tat dar. So oft es auch schon versucht wurde, ihr Herr zu werden, die Pflanze wuchs stets beharrlich wieder nach. Seit 1991 wird dem unverwüstlichen Brennnesselgeist jedes Jahr zur Fastnachtzeit mittlerweile neues Leben eingehaucht, denn seit dieser Zeit bereichert er durch seine Anwesenheit unverdrossen die Balinger Narrenzunft.

Bildquellenangabe: Verena N.  / pixelio.de

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Relativ schnell entdeckten unsere Vorfahren aber auch, dass der Brennnessel bedeutende, heilsame Kräfte innewohnen. Ob es sich wirklich als sinnvoll erweist, bei hohem Fieber eine Hand voll Salz über eine Brennnessel zu streuen, mag einmal dahingestellt sein. Unbestreitbar ist jedoch die Tatsache, dass Brennnesseltee das Blut reinigt, Gallenbeschwerden und Prostataleiden lindert und darüber hinaus vorbeugend vor Glatze schützt. Schon die heilkundige Benediktinernonne Hildegard von Bingen wies in ihren Werken auf die große Werthaltigkeit dieser heimischen Wildpflanze hin. Junge, frische Brennnesselblätter bereichern zudem den Speisezettel und dienen passend zum Spiegelei als hervorragender Ersatz für den gewohnten Rahmspinat. Um in den vollen Genuss der wundersamen Wirkung dieses, sich ab und an doch als hinterhältig erweisenden, Gewächses zu kommen, sollten Brennnesseln übrigens vorzugsweise bei abnehmendem Mond geerntet werden.

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Ein Komapatient läuft durch Lichtenstein

Das westerzgebirgischen Lichtenstein, die kleine Stadt im Grünen, hat mir schon immer ganz besonders gut gefallen. Nicht nur, dass das hiesige Schloss seit 1999 wieder einem waschechten Prinzen, dem Herrn Alexander von Schönburg, gehört, hier ist auch der für mich persönlich beste Tattookünstler Sachsens zu Hause, und auch sonst kann die gerade einmal um die 12.000 Einwohner zählende Ortschaft mit einigen ungewöhnlichen Attraktionen aufwarten.

20140416_115249In meiner letzten Urlaubswoche in der alten Heimat verbrachte ich mit meiner Mutter einen ganzen Tag in der Lichtensteiner Miniwelt, für viele die preiswerte Alternative zu einer richtigen Weltreise. Immerhin können hier einhundert originalgetreu nachgebaute Modelle berühmter Bauwerke wie der Pariser Eifelturm, die New Yorker Freiheitsstatue oder die Oper von Sydney bestaunt werden. Alle Exponate sind in einer 40.000 Quadratmeter großen, gepflegten Parkanlage liebevoll arrangiert und bieten reichlich Stoff für Fotokameras. Eine Auswahl meiner eigenen Fotos aus der Miniwelt, stelle ich am Ende dieses Beitrages in der Galerie für Sie bereit.

20140416_134301Zeigen die Füße dann vom vielen Herumlaufen erste Ermüdungserscheinungen, ist ein Besuch im “Minikosmos”, einem hochmodernen Kleinplanetarium, dessen Vorführungen bereits mit im Eintrittspreis enthalten sind, durchaus empfehlenswert. Wir jedenfalls haben uns entspannt zurückgelehnt und eine faszinierende Reise auf den Spuren der Entstehung des Lebens genossen. Sollte nach der Besichtigung der Miniwelt noch ein wenig zeitlicher Freiraum bestehen, kann der Ausflug mit einem Abstecher ins Spielzeugmuseum am Lichtensteiner Altmarkt verbunden werden. Ganz in der Nähe gibt es übrigens noch dazu eine wirklich hervorragende Eisdiele.

Das Thema meines Blogs sind ja nun aber ungewöhnliche und phantastische Begebenheiten. Durch Zufall stieß ich vor kurzem auf eine immerhin schon sechzig Jahre alte Publikation, in der das Städtchen Lichtenstein die Hauptrolle spielt. Wilhelm Moufang beschreibt in seinem Buch “Magier, Mächte und Mysterien” einen Fall, aus dem deutlich hervorgeht, dass Komapatienten wohl tatsächlich über schier unglaubliche, phänomenale Fähigkeiten zu verfügen scheinen. Die Quelle des Autors stellte ein 1927 in der “Zeitschrift für Parapsychologie” veröffentlichter alter Zeitungsartikel eines Leipziger Arztes dar. Ich will die von ihm geschilderten Geschehnisse aus dem Jahr 1891 hier einmal kurz zusammenfassen:

20140416_133701Herr Dr. Zenker hatte zur damaligen Zeit die Funktion eines Knappschaftsarztes für die sächsischen Bergarbeiter der Umgebung inne und betrieb in Lichtenstein seine Praxis. Im Ortsteil Rödlitz, ehedem noch ein eigenständiges Dorf, lebte ein aus Österreich zugezogener Bergmann, namens Schubert. Er hob sich schon allein deshalb vom Rest seiner Berufsgenossen deutlich ab, da er nach wie vor in seiner eigenen steirischen Bergmannstracht in die Grube einfuhr, und nicht in der für Lichtenstein gewohnten erzgebirgischen.

In seiner Jugend war Schubert durch eine Schusswaffe verletzt wurden. Die Kugel saß seither zwischen zwei Rippen fest und verursachte über die Jahre eine schwere Entzündung, die ihm zusehends gesundheitliche Probleme bereitete. Dr. Zenker untersuchte den Mann und riet ihm dringend zu einer unumgänglichen OP, anderenfalls würde Schubert in absehbarer Zeit das Zeitliche segnen müssen. Doch Schubert hatte wohl panische Angst, sich unter ein Chirurgenmesser zu legen, und schlug daher alle guten Ratschläge des Arztes in den Wind.

20140416_134218Drei Monate waren seit dieser Untersuchung ins Land gegangen, da lief Dr. Zenker am 14. Oktober in einer Straße nahe seiner Lichtensteiner Praxis auf einmal sein Patient Schubert über den Weg. Dr. Zenker hatte es gerade sehr eilig, daher grüßte er den zwar betrübt dreinblickenden, aber ansonsten völlig gesund erscheinenden Bergmann aus der Steiermark nur flüchtig. Er nahm sich jedoch sogleich vor, in den nächsten Tagen einmal vor Ort in Rödlitz vorbei zu schauen.

Diesen Vorsatz hielt Dr. Zenker auch ein, und so begab er sich am 16.10.1891 auf direktem Weg zum Wohnhause Schuberts. Der Vermieter des Bergarbeiters saß vor dem Haus auf der Bank und rauchte gemütlich sein Pfeifchen. Was der Knappschaftsarzt nach der Begrüßung von dem alten Herrn zu hören bekam, ließ ihn an all den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus seinem Medizinstudium gehörig zweifeln. Schubert war aufgrund seiner akuten Rippenfellentzündung bereits einen Tag bevor er seinem Arzt in Lichtenstein begegnete ins Koma gefallen. In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober hatte der Tod den unbelehrbaren Bergmann dann endgültig in sein Reich geholt.

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