Warum die Zwerge die Zinselhöhle verließen

Bildquellenangabe: Hein Glück  / pixelio.de

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Ganz im Süden Thüringens, genauer gesagt in unmittelbarer Nähe der Gemeinde Frankenblick soll noch bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts ein drolliges Zwergenvölkchen zu Hause gewesen sein. Ihren Unterschlupf hatten die Winzlinge in einer 160 Meter langen Tropfsteinhöhle, die überdies auch nach ihren Bewohnern benannt wurde. Sogar eine unterirdische Kapelle in der Zinselhöhle nannten die Zwerge ihr Eigen.

Wie man es von richtigen Zwergen gewohnt ist, waren auch die Zinselmännchen schon von Weitem an ihren Zipfelmützen zu erkennen, die sie niemals vom Kopf nahmen. Sollte einem Zwerg tatsächlich einmal sein Mützchen abhanden gekommen sein, war das für ihn gleichbedeutend mit einem wahren Desaster, denn ohne seine Kopfbedeckung blieb ihm die Rückkehr in sein Heim verwehrt.

Bildquellenangabe: w.r.wagner  / pixelio.de

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Ihr ausgesprochen großer Appetit auf grüne Erbsen entwickelte sich jedoch zum eigentlichen Verhängnis für die Zwerge. Im kleinen Dörfchen Meschenbach, einem heutigen Ortsteil von Frankenblick, gab es nämlich einen Bauern, der auf seinen Feldern ausschließlich Speiseerbsen anbaute, und der natürlich überhaupt nicht davon angetan war, dass die Zinselmännchen sich regelmäßig über seine Ernte hermachten. Als sie nun eines Tages wieder mit gesundem Heißhunger die reifen Schoten in sich hineinfutterten, glückte es ihm, einem der Höhlenzwerge zu erwischen und ihm seine Zipfelmütze vom Kopf zu reißen.

Bildquellenangabe: Ute Mulder  / pixelio.de

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Der kleine Tunichtgut brach auf der Stelle in Tränen aus. Da der geplagte Bauer sich anfänglich jedoch völlig unbeeindruckt von dem Gegreine des Männchens zeigte, versprach es ihm eine echte Wünschelrute zu schenken, damit es ihm gelänge, einen auf seinem Acker versteckten Schatz zu finden. Nun hatte der Bauer schon die Dollarzeichen in den Augen stehen und willigte deshalb schnell in den vorgeschlagenen Deal ein. Nachdem der ausgelassene Wicht jedoch die Zipfelmütze als Objekt seiner Begierde wieder in den Händen hielt, bepflanzte er mit seinen Zwergenkameraden geschwind den gesamten Acker mit Ruten. Dem Bauer war es absolut nicht möglich, die richtige Wünschelrute herauszufinden, und noch dazu war nun auf einen Schlag das gesamte Feld und damit die Früchte seiner harten Arbeit verdorben.

Bildquellenangabe: Moritz  / pixelio.de

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Es lässt sich denken, dass der veralberte Bauer jetzt erst recht auf Einhundertachtzig war. Nach einer langen Hatz brachte er es abermals fertig, das schuldige Zinselmännchen in die Finger zu bekommen. In seinem Jähzorn erschlug er den kleinen Kerl. So leicht kann aus einem übermütigem Spaß bitterböser Ernst werden. Der Rest der Zwerge war über dieses Tun so entsetzt, dass sie sich aus dem Staub machten und ihrer Behausung in der Zinselhöhle für immer den Rücken zukehrten. Nur an einem Wochenende in jedem Sommer kommen sie zurück und weihen interessierte Besucher, wahrscheinlich als Wiedergutmachung für ihr damaliges Treiben, beim Zinselhöhlenfest in die Geheimnisse der immer noch naturbelassenen Tropfsteinhöhle ein.

Die fiktiven Wünschelruten aber wuchsen über Nacht zu hohen Eschenbäumen heran, sicherlich ist Ihnen die Ähnlichkeit zwischen Eschenbach und Meschenbach ebenfalls nicht entgangen, und erinnern noch immer an die Vorkommnisse vor über dreihundert Jahren.

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