Was der Bauer nicht kennt…

Bildquellenangabe: Rainer Sturm  / pixelio.de

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Ich liebe Kartoffeln, und zwar in allen erdenklichen Zubereitungsformen. Besonders Bratkartoffeln, selbstgemachtes Kartoffelpüree, aber auch stinknormale Salz- oder Pellkartoffeln gehören zu meinen Leibspeisen. Die Erdäppel, wie sie in meiner Heimat genannt werden, sind eine große Bereicherung des Speiseplans, besitzen sie doch zahlreiche nützliche Inhaltsstoffe, unter anderem eine gehörige Menge Vitamin C. Die Kultivierung der Nutzpflanze Kartoffel in Deutschland war jedoch gar nicht so einfach. Von den Kanarischen Inseln fand sie erst etwa 1647 den Weg zu uns, und es sollten noch weitere hundert Jahre ins Land gehen, ehe sie von den einheimischen Landwirten tatsächlich akzeptiert wurde.

Bildquellenangabe: Jetti Kuhlemann  / pixelio.de

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Dem Alten Fritz wurde in seiner Amtszeit der nutzbringende Anbau des Nachtschattengewächses sehr schnell bewusst. Jedoch musste er sich über einen größeren Zeitraum hinweg mit dem altbekannten, sarkastischen Sprichwort “Was der Bauer nicht kennt, dass frisst er nicht.” herumschlagen. Die Bauersmänner fügten sich zwar murrend seinem Erlass, die Felder links und rechts der Neiße mit Kartoffeln zu bepflanzen, aber selbst die Früchte der Erde nach der Ernte zu essen, igitt, das kam überhaupt nicht in Frage.

Bildquellenangabe: Dieter Hopf  / pixelio.de

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Es war eine Angewohnheit Friedrich des Großen, ab und an allein durch Brandenburg zu reiten, und seinen Untertanen dabei gehörig auf den Zahn zu fühlen. In der Regel war es für ihn ein Leichtes unerkannt zu bleiben, denn Massenmedien gab es damals bekanntlich noch nicht. Daher wusste der Großteil der einfachen Bauersleute noch nicht einmal, wie das Gesicht ihres Regenten aussah. Eines Tages machte der Alte Fritz bei solch einem Ausritt vor einem Kartoffelfeld halt und fragte den darauf arbeitenden Bauern, ob er die Knollenfrüchte selbst schon einmal probiert hätte. Der Bauer nahm an, er hätte es lediglich mit einem neugierigen Offizier zu tun und antwortete wahrheitsgemäß: “Nein, mein Herr. Wir bauen diese gefährlichen Dinger nur an, weil es der König so wünscht. Was der Landrat uns nicht abkauft, geben wir den Schweinen, denn man sagt, Kartoffeln seien giftig und man bekomme bösen Ausschlag davon.”.

Bildquellenangabe: H.D.Volz  / pixelio.de

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Wie sollte man solche Sturköpfe nur vom Gegenteil überzeugen? Der Alte Fritz kam ins Grübeln und griff schließlich zu einem völlig unorthodoxem Mittel. Manchmal kommt man halt nicht drumherum, uneinsichtige Leute zu ihrem Glück zu zwingen.
Zur Zeit der Kartoffelernte schickte Friedrich II. einen ganzen Kavallerietrupp in das Dorf in dem der Bauer lebte. Alle Einwohner mussten sich nun auf der Stelle im örtlichen Gerichtssaal einfinden. Dort hatte man bereits eine lange Tafel zurecht gemacht. Mitten auf den Tisch wurde anschließend eine riesige Wanne mit frisch geernteten, gekochten Kartoffeln gestellt. Dann gab der befehlshabende Offizier folgende Order: “Was Euer König und Eure Schweine fressen, dass kann für Euch ebenfalls nicht schlecht sein. Haut rein, denn aus diesem Saal kommt keiner raus, solange diese Wanne nicht leer ist.”.

Bildquellenangabe: siepmannH  / pixelio.de

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Aus Angst und Respekt vor der Obrigkeit traute sich keiner der Anwesenden aufzumucken. Sogar die Schalen wurde mit verschlungen. Endlich bekamen die Bauern persönlich mit, welch nahrhafte, köstliche Früchte sie da eigentlich auf ihren Feldern anbauten, und da im Anschluss an das Essen bei niemand die befürchteten Pusteln auftraten, kam die Kartoffel von nun an regelmäßig auf den heimischen Küchentisch.

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