Wie ein Essener das “schwarze Gold” entdeckte

Auf dem Schneeberger Weihnachtsmarkt Bildquellenangabe: Marco Barnebeck(Telemarco)  / pixelio.de

Auf dem Schneeberger Weihnachtsmarkt
Bildquellenangabe: Marco Barnebeck(Telemarco) / pixelio.de

Seit nunmehr 52 Jahren wird in der erzgebirgischen Kleinstadt Schneeberg am 2. Adventwochenende das “Lichtelfest” gefeiert. Höhepunkt und fester Bestandteil dieser traditionellen, vorweihnachtlichen Feierlichkeit wird wie immer die Große Parade der Bergmänner sein. Das Kerzenlicht war für die Bergmänner bei ihrer täglichen Knochenarbeit in den dunklen Minen überlebenswichtig. Es symbolisierte für sie die Sonne und half ihnen die finstere Jahreszeit, in welcher sie kaum einmal Tageslicht zu Gesicht bekamen, unbeschadet zu überstehen.

Bildquellenangabe: Wolfgang Colditz  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Wolfgang Colditz / pixelio.de

Der Bergbau hat die Geschichte des Erzgebirges ganz besonders geprägt. Mein Opa mütterlicherseits arbeitete selbst viele Jahre unter Tage im Zwickauer Steinkohlenrevier. Aber nicht nur in Sachsen schossen in der Vergangenheit dank des Bergbaus Industriestädte wie Pilze aus dem Erdboden. Das Ruhrgebiet hat seinen Wohlstand ebenfalls der Steinkohle zu verdanken. Wie kam es aber überhaupt dazu, dass man den Nutzen der schwarzen Steine erkannte, und gezielt mit ihrem Abbau begann. Eine alte Sage aus Essen gibt uns darüber Aufschluss.

Schwarzes Gold Bildquellenangabe: Dieter Schütz  / pixelio.de

Schwarzes Gold
Bildquellenangabe: Dieter Schütz / pixelio.de

Anno 1546 war ein junger Mann aus Essen mit der Viehherde seines Vaters auf den Weideflächen am Ufer der Ruhr unterwegs. Zum Zeitvertreib und natürlich auch um seinen Hunger zu stillen, angelte er sich ein paar Fische aus dem Fluss. Anschließend baute er sich mit Hilfe einiger Steine eine Feuerstelle, um seinen Fang darin zu brutzeln. Als die Fische bereits gar waren bemerkte er, dass einige der aufgeschichteten Steine, die vorher tiefschwarz gewesen waren, auf einmal rot glühten. Am Abend sammelte er ein paar dieser Steine und nahm sie mit nach Hause, um seinem Vater den eigenartigen Effekt vorzuführen. Der alte Herr war sehr verblüfft, tat die Sache jedoch als Teufelswerk ab und verbot dem Sohn, diese suspekten Steine nochmals in sein Heim zu bringen.

Förderturm in Essen Bildquellenangabe: imageworld24  / pixelio.de

Förderturm in Essen
Bildquellenangabe: imageworld24 / pixelio.de

Der junge Mann hielt sich zwar zukünftig an dieses Veto, bei seiner Hütetätigkeit griff er jedoch immer wieder auf die schwarzen Steine zurück und merkte bald, dass kein anderes Feuer so gut wärmte und so lange anhielt wie sie.

Bald darauf gab ein vermögender Eisengießer in Essen bekannt, er würde seine wunderhübsche Tochter demjenigen zur Frau geben, der ihr den bizarrsten aller Edelsteine zum Brautgeschenk machen würde. Da unser cleverer Hirte schon lange ein Auge auf die Schöne geworfen hatte, faste er sich ein Herz, klaubte einen Sack voller schwarzer Steine zusammen, und machte sich damit auf den Weg zu der Eisengießerei.

Anfänglich dachte der Eisengießer natürlich, der junge Bursche wolle sich einen Scherz mit ihm erlauben. Er wusste einfach nicht, was er von den unscheinbaren schwarzen Steinbrocken halten sollte. Da warf der Jüngling einen der Steine ins Feuer. Die Sprachlosigkeit war bei Vater und Tochter gleichermaßen groß, als sie sahen wie der Stein kurz darauf grellrot zu leuchten begann. Der Eisengießer war ein kluger, geschäftstüchtiger Mann. Er erkannte daher recht schnell, welchen gewaltigen Vorteil seine Gießerei aus der Entdeckung der seltsamen Steine ziehen könnte.

Bildquellenangabe: Rita Gäbel  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Rita Gäbel / pixelio.de

Im ersten Schritt bot er dem Jungen, der ihm diesen Segen ins Haus gebracht hatte, eine Lehre zum Gießer an. Nach deren erfolgreichem Abschluss hielt er sein Versprechen, und machte den jungen Mann zu seinem Schwiegersohn. Die Kunde von der Nützlichkeit der Steinkohle verbreitete sich in jenen Jahren in Windeseile im gesamten Ruhrgebiet. Damit war der Grundstein für den Jahrhunderte währenden Ruhrbergbau gelegt.

 

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