Wie eine Greisin den Husumern das Leben rettete

Bildquellenangabe: Grey59  / pixelio.de

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Mit dem heutigen 1. Advent beginnt die Zeit der weihnachtlichen Nächstenliebe. Bei meinem gestrigen Bummel durch die Nürnberger Innenstadt fielen mir unzählige Sachen auf, für die gerade jetzt um Spenden gebeten wird. Ein ganz bestimmter Personenkreis kommt dabei, meines Erachtens nach, immer noch zu kurz. Nicht nur die hungernden Kinder in Afrika oder die Taifunopfer auf den Philippinen bedürfen unserer Hilfe. Gerade ältere Menschen, die über Jahrzehnte hinweg einen wesentlichen Beitrag für den Wohlstand in unserer Gesellschaft geleistet haben, verdienen ebenfalls unsere Zuwendung. Oftmals ist es jedoch so, dass diese betagten Herrschaften, wenn sie dem Arbeitsmarkt nicht mehr nützen und die Altersschwäche verhindert, nach den Kindern und Enkeln auch noch die Urenkel aufzuziehen, einfach in Heime abgeschoben werden. Dabei benötigen sie gerade in diesem späten Lebensabschnitt endlich selbst ein wenig liebevolle Fürsorge und die Geborgenheit im Kreise ihrer Angehörigen. Die gewaltige Lebenserfahrung, die sie im Laufe der Jahre reifen lassen hat, und die sie gerne an die nächsten Generationen weitergeben, ist ein Geschenk, welches unsere Omis und Opis selbst im Rentenalter ein nützlicher Teil der Gemeinschaft sein lässt.

Ebbe im Hafen von Husum Bildquellenangabe: HousiBE  / pixelio.de

Ebbe im Hafen von Husum
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In Husum, der alten Stadt an der Nordsee, rettete vor ewigen Zeiten ein greises Mütterchen dank ihrer Erfahrung zahllosen Menschen das Leben. Dieser alten Frau soll deshalb meine Geschichte zum 1. Advent gewidmet sein.

In einem eisig kaltem Winter trug es sich zu, dass die Husumer das graue Alltagseinerlei satt hatten und deshalb beschlossen, ein großes Volksfest im Schnee zu feiern. Das überdachte Winterwunderland in der Messehalle gab es damals natürlich noch nicht, darum gingen Wagemutige aus Kurzweil zum Eislaufen einfach auf das gefrorene Watt. In der Nähe wurden mehrere Festzelte aufgestellt, die mit Grog- und Glühweinausschank für die nötige Erwärmung sorgten. Den ganzen Tag lang vertrieben sich die Einwohner Husums die Zeit mit Schlittschuhlaufen, Tanz und Musik. Selbst nach Einbruch der Dunkelheit fanden Sie noch keine Ende und fuhren fort in ihrem fröhlichen Treiben. Ausgenommen einer alten gebrechlichen Dame, die einsam in ihrem Kämmerlein lag und vom Bett aus durch das Fenster auf die Weite des Meeres hinaus schaute.

Nordsee bei Vollmond Bildquellenangabe: M.Schlüter  / pixelio.de

Nordsee bei Vollmond
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Ganz in der Ferne, draußen am Horizont, entwickelte sich in der ansonsten sternenklaren Nacht ein einzelnes Wölkchen. Die Greisin war in längst vergangenen Tagen häufig selbst mit ihrem Gatten zur See gefahren, und kannte sich daher mit den wettervorhersagenden Zeichen am Himmel bestens aus. Sie wusste, dass sich aus der jetzt noch unscheinbaren, weißen Wolke innerhalb einer Stunde ein gewaltiger Sturm entwickeln würde, der dann gemeinsam mit der bald hereinbrechenden Flut auf dem Festland eintraf. Sie war verzweifelt, denn niemand befand sich im Haus, zu dem sie ihre warnenden Worte hätte äußern können.

Die pure Angst um ihre Familie verlieh ihr eine schier unglaubliche Energie. Auf allen Vieren kroch sie aus dem Bett heraus in Richtung Kamin, klaubte die Reste der Glut aus der Feuerstelle und warf diese in die mit Stroh gefüllte Matratze ihrer Bettstatt. Mit letzter Kraft eilte sie aus dem Häuschen. Gerade noch rechtzeitig, bevor dieses nur wenige Augenblicke später in hell lodernden Flammen aufging.

Bildquellenangabe: Sokaeiko  / pixelio.de

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Die vergnügungssüchtigen Husumer sahen das Feuer. Panisch hasteten sie vom Meer weg in die Richtung der Feuerbrunst, um den Brand zu löschen. Dies geschah keine Sekunde zu früh. Im selben Moment verdunkelte sich der Himmel, der Sturm fegte heran und die einsetzende Flut ließ das Eis brechen. Da befand sich die Bevölkerung Husums aber schon weitab von der Gefahrenstelle auf dem Festland in Sicherheit. Unter Einsatz ihrer Behausung, ihrer Habseligkeiten und sogar ihres eigenen Lebens hatte das alte Mütterlein so ihre Mitmenschen vor einem grausamen Tod bewahrt.

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