Wie Erbsen eine Bande von Raubmördern überführten

Robin Hood-Statue in Nottingham Bildquellenangabe: ingelotte  / pixelio.de

Robin Hood-Statue in Nottingham
Bildquellenangabe: ingelotte / pixelio.de

Eines meiner liebsten Bücher, welches ich im Schulmädchenalter regelrecht verschlungen habe, war “Die Abenteuer des Robin Hood”. Bereits im Jahr 1883 brachte der amerikanische Schriftsteller Howard Pyle die turbulenten Erlebnisse des großmütigen Geächteten und seiner Weggefährten aus dem Sherwood Forest zu Papier. Meine Faszination für den britischen Balladenhelden fand auch in späteren Jahren keinen Abbruch. 1991 saß ich bei “Robin Hood – König der Diebe” im Kino und schmolz bei Bryan Adams kehligem “Everything I Do” dahin. 2010 zog es mich erneut vor die Leinwand des Nürnberger CINECITTA, um mir gemeinsam mit meiner Freundin die Neuverfilmung des klassischen Stoffes mit Russell Crowe anzusehen.

Längst nicht alle Räuber verhielten sich jedoch so edel wie Sir Robin im England des 13. Jahrhunderts. In den mecklenburgischen Wäldern rund um Parchim machte sich ein regelrechter Schuft mit seiner Diebesbande einen Namen. Die Morde und Raubzüge, die Räuber Vieting und seine Vasallen in der Mitte des 17. Jahrhunderts verübt haben sollen, geschahen keineswegs aus ihrer Selbstlosigkeit heraus. Die abscheulichen Taten, welche von diesen Männern begangen wurden, geschahen vielmehr aus reiner Geldgier und der puren Lust am Töten.

Auf solchen Waldwegen lauerte Räuber Vieting seinen Opfern auf. Bildquellenangabe: Heinrich Lange  / pixelio.de

Auf solchen Waldwegen lauerte Räuber Vieting seinen Opfern auf.
Bildquellenangabe: Heinrich Lange / pixelio.de

Die oftmals dunstverhangene Anhöhe des Sonnenbergs, auf dem Räuber Vieting gehaust haben soll, gibt es heute noch. Die Wege des jetzigen Naturschutzgebietes galten damals als überaus unsicher. Eine solch große Menge an reisenden Kaufleuten verlor auf ihnen ihr Hab und Gut sowie auch meist ihr Leben, dass alle Ortskundigen lieber einen großflächigen Bogen um die Gegend machten. Die junge Isalbe musste eines Tages allerdings dringende Besorgungen in der Gemeinde Stolpe erledigen und kam nicht umhin, das gefährliche Waldgebiet um den Sonnenberg zu diesem Zwecke zu durchqueren.

Auch gestandene Räuber haben auf lange Sicht Sehnsucht nach einer holden Weiblichkeit an ihrer Seite, und so griff der Schurke Vieting gnadenlos zu und nahm die schöne Isalbe gefangen. Sieben Jahre hielt er die unschuldige Frau in seiner Räuberhöhle fest und behandelte sie wie eine Leibeigene. Isalbe fügte sich nur vorgeblich in ihr Schicksal, da ihr anfänglich auch gar nichts anderes übrig blieb. Nach und nach gelang es ihr jedoch, sich das Vertrauen Vietings sowie auch das seiner Mannen zu erschleichen. Irgendwann glaubten sie tatsächlich, Isalbe fühle sich bei ihnen wohl und erlaubten ihr allein nach Parchim auf den Markt zu gehen.

Bildquellenangabe: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

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Nachdem Isalbe ihre Einkäufe getätigt hatte, blieb sie auf dem Rückweg am Schlagbaum des Parchimer Stadttors stehen und begann dort, Selbstgespräche zu führen. Sie teilte der leblosen Schranke all das Leid über die jahrelange Beraubung ihrer Freiheit und über die von der Räuberbande begangenen Missetaten, bei denen sie unfreiwillig Zeugin sein musste, mit. Abschließend sprach Isalbe zu der hölzernen Absperrung, sie werde nun auf ihrem Heimweg zu Vietings Höhle Erbsen streuen, in der Hoffnung, irgendjemand würde die Spur wahrnehmen, und so die Mordgesellen endlich finden und dingfest machen. Ihr Wunsch wurde erhört, denn einer der Stadtwachen hatte schon geraume Zeit, von der verzweifelten Frau völlig unbemerkt, diesem seltsamen, jedoch äußerst aufschlussreichen Monolog gelauscht.

Bildquellenangabe: Wilhelmine Wulff  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Schleunigst trommelte der aufmerksame Wachposten eine Verstärkung zusammen und zog schwerbewaffnet, Isalbes Erbsenspur unbeirrt folgend zur Räuberhöhle auf den Sonnenberg hinaus. Es gelang ihnen auch wirklich Vieting und seine Spießgesellen zu überwältigen, und damit deren mörderischem Treiben ein für allemal ein Ende zu bereiten. Isalbes Schmerz hatte jedoch auch damit noch keinen Abschluss gefunden. Es war dazumal vor jeder Hinrichtung üblich, dem Delinquenten einen allerletzten Wunsch zu gewähren. Räuber Vieting wünschte sich unbedingt vor seinem Tod, noch einmal seine Frau zu küssen. Diese Bitte wollte man ihm nicht einfach so abschlagen. Schon auf dem Schafott stehend, zwang er ihr gewaltsam die Lippen auseinander und biss ihr die verräterische Zunge ab.

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