Als Ansbach von der Bestie heimgesucht wurde

Kinder sind bekanntlich sehr neugierig und alles Verbotene hat nun mal seinen ganz besonderen Reiz. Ich erinnere mich noch ziemlich genau an einen Abend in meiner eigenen Kindheit, an dem ich spitz bekam, dass zu später Stunde ein Gruselfilm im Fernsehen laufen sollte, den meine Eltern unbedingt schauen wollten. Natürlich erwarteten sie, dass ich um diese Uhrzeit in meinem Zimmer brav im Bett liegen und im Reich der Träume wandeln würde. Klein-Anja war davon jedoch wenig begeistert, und so schlich ich mich auf leisen Sohlen in den Flur und lunzte von da aus heimlich ins elterliche Wohnzimmer. In der Flimmerkiste lief “Der Fluch von Siniestro”, ein alter Grusel-Schinken von 1961, in welchem ein böser Werwolf sein Unwesen trieb. Unnötig zu erwähnen, dass ich danach einige Wochen nicht besonders gut schlummerte, zumal mein Kinderzimmer zu allem Überfluss einen ausgezeichneten Blick auf den örtlichen Friedhof darbot. Als Nebeneffekt war ich seither allerdings von der unheimlichen Kreatur des Werwolfes bis in die heutige Zeit hinein fasziniert und natürlich auch von allen Geschichten, die sich rund um diese schaurigen Wesen ranken.

Der wohl bekannteste deutsche Werwolf dürfte Peter Stubbe gewesen sein, der im rheinischen Bedburg die Menschen das Gruseln lehrte. Etwas weniger vertraut ist die Legende, dass im mittelfränkischen Ansbach ebenfalls eines der behaarten Monster seine Untaten verübte.

Im Jahre 1685 trug es sich zu, dass in der Gegend von Ansbach ein kleiner Bub sowie eine junge Frau von einem aggressiven Wolf angefallen wurden und dabei zu Tode kamen. Die Bevölkerung rief zahlreiche Jäger um Hilfe an, es gelang ihnen jedoch nicht, die Bestie zur Strecke zu bringen. An einem Oktobertag des gleichen Jahres wollte der Wolf sich einen Hahn als Snack zwischendurch genehmigen und fiel dabei in einen stillgelegten Brunnen. Das Untier wurde daraufhin von herbeieilenden Bauern gesteinigt und sein Kadaver an einem Galgen in Ansbach öffentlich zur Schau gestellt.
Da man annahm, es handele sich bei der Bestie um den um einige Zeit früher verstorbenen, unbeliebten ehemaligen Bürgermeister Michael Leicht, verzierten die Ansbacher den am Galgen baumelnden Wolf mit einer dazumal üblichen Perücke sowie mit einer menschlichen Maske. Das Gerücht ging um, Michael Leicht habe seiner eigenen Beerdigung beigewohnt und sich fortan nachts in einen dämonischen Werwolf verwandelt.

Ansbach - Alter Hof am unteren Markt

Ansbach – Alter Hof am unteren Markt

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